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WAS MACHT EIGENTLICH...: Ted Herold

Unter diesem Pseudonym begeisterte Ende der 50er Jahre der Rockbarde Harald Walter Schubring seine Fans. Sein größter Hit - »Moonlight« mit 500 000 verkauften Platten.

Unter diesem Pseudonym begeisterte Ende der 50er Jahre der Rockbarde Harald Walter Schubring seine Fans. Sein größter Hit - »Moonlight« mit 500 000 verkauften Platten.

Zur Person:

Einst nannte man ihn den »deutschen Elvis«. Heute lebt der 59-Jährige mit seiner Freundin Manuela in der Nähe von Braunschweig und ernährt sich von der Vermarktung seiner alten Hits, von Auftritten bei Galas oder Oldie-Festivals; demnächst feiert der Rock »n« Roller sein 45-jähriges Bühnenjubiläum. Seine Karriere startete Ted Herold als Schüler, nachdem er als 14Jähriger eine Gitarre zu Weihnachten geschenkt bekommen hatte.

Das letzte Mal, dass ich Sie sah, war im Bremer Konzertsaal »Die Glocke«.

Das muss 1960 gewesen sein, während meiner Tournee mit Max Greger. Wir waren eine tolle Truppe, Lolita, Gus Backus, Jan & Kjeld, Ralph Bendix und noch ein paar Größen der Branche.

Die Fans jubelten nur für Sie und Ihre Schnulze »Moonlight«.

Kaum vorstellbar. In die Wiener Stadthalle waren sogar 15 000 Teenager gekommen. Es gab Randale. Als stinknormaler junger Mann, der zu Hause wohnte, wunderte ich mich ziemlich. Im Prinzip lebte ich zurückgezogen, weitab vom Showgeschäft.

Aber als Star strahlten Sie.

Nach außen hin. Auf der Bühne galt ich als eine Art Rebell. Ein falsches Image. Ich besaß nicht mal ein Auto. Für den Führerschein war ich zu jung. Der Luxusschlitten, in dem ich manchmal gesehen wurde, gehörte meinem Manager. Und meine Mutter verpulverte meine Gagen und Einnahmen, wie ich später feststellte. Als minderjähriger Junge durfte ich mein eigenes Konto nicht verwalten. So konnte Mutti ran. Sie kaufte eine 100 000 Mark teure Yacht auf meine Kosten.

Haben Sie nichts gemerkt?

Die Zeiten waren nicht so professionell wie heute. Früher nahm ich brav zwei Titel auf, die ich zwei Stunden vorher nicht mal kannte. Alles wurde von Fremden für mich entschieden, zum Beispiel das Honorar für einen Auftritt, 60 Mark. Unglaublich.

Sogar Ihren Künstlernamen »Ted Herold« wählten Sie nicht selbst?

Meine erste Platte »Ich brauch' keinen Ring« lag unter dem Pseudonym bereits im Laden, als der Produzent mir das zu erzählen wagte. Aus meinem Vornamen Harald hatte er »Herold« gemacht. So ist es geblieben.

Wie blicken Sie auf Ihre Laufbahn zurück?

Verwundert. Man hatte mir gesagt, dass ich ein Teenageridol sein würde, eine deutsche Elvis-Kopie. Als diese Zeit 1966 zu Ende ging, lernte ich einen richtigen Beruf, Elektrotechniker und arbeitete als Chef einer Fernsehreparaturwerkstatt. 1977 dann ging es aufs Neue mit dem Singen los.

Wie kam das?

Es gab ein Rock 'n' Roll-Revival. Udo Lindenberg rief mich an. Ob ich Lust hätte, mit ihm auf den Spuren alter Zeiten zu wandern. Zur gleichen Zeit etwa starb Elvis Presley, und ich stand wie Lazarus auf. Der stern berichtete im September 1977 über diese Renaissance. Der Autor nannte mich einen »röhrenden Hirsch«. Das ärgerte mich. Zu Recht schrieb der Mann später für die »Bunte«.

Ist es nicht etwas komisch, wenn ein älterer Herr wie wild die Hüften schwingt?

Den »Zitteraal« spiele ich längst nicht mehr. Ich bringe mein eigenes Repertoire.

Wo treten Sie denn auf?

Bei Open-Air-Festivals, Galas, Fernsehshows, Stadtfesten, Oldie-Nights. Als Kultfigur lebe ich halt von der Nostalgie.

Wie stehen Sie zu Elvis? Würden Sie nicht gern zu seinem Denkmal Graceland pilgern?

Oft wurde ich eingeladen. Aber es hat nie geklappt. Inzwischen lockt mich diese Vermarktung nicht mehr. Ich möchte mir ein schöneres Bild von ihm bewahren.

Sie sind ihm mal begegnet?

In Bad Homburg, wo ich wohnte und wo er als Soldat einquartiert war. Polydor hatte gerade meinen ersten Titel herausgebracht. Zusammen aßen wir ein Eis. Ein paar Freunde erzählten ihm, dass ich der deutsche Elvis sei. »Singst du englisch oder deutsch?«, fragte er. - »Deutsch«, sagte ich. »That's okay«, antwortete er lächelnd.

Interview: Albert Eikenaar

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