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Zum Tod von Willi Herren Geliebt, gehasst, gefeiert – der Proll mit Herz

Willi Herren hält in Köln einen Reibekuchen in der Hand
Sein letzter öffentlicher Auftritt: Am vergangenen Freitag eröffnete Willi Herren einen eigenen Foodtruck mit dem Namen "Willi Herrens Rievkooche Bud" auf einem Supermarktparkplatz in Köln. Das Geschäft mit Reibekuchen sollte ihm aus finanziellen Nöten helfen.
© Christoph Hardt/Geisler-Fotopres/ / Picture Alliance
Laut und prollig: Das sind die Attribute, die vielen bei Willi Herren einfallen. Doch der Kölner zeigte Herz, wenn es drauf ankam. Er wird fehlen. 

Die Nachricht ist ein Schock. Egal ob man Willi Herren mochte oder nicht: Mit 45 Jahren aus dem Leben zu scheiden, ist zu früh. Sein tragischer Tod macht nicht nur Fans traurig und betroffen, sondern alle Fernsehzuschauer. Am Montagabend zeigte Sat.1 ihn noch als Teilnehmer der Reality-Soap "Promis unter Palmen": laut, prollig, rechthaberisch und narzisstisch. "Der sagt halt, was er denkt", jubelten seine Anhänger. "Der ist asozial", schimpften seine Kritiker. Herren polarisierte wie kaum eine andere Person im deutschen Fernsehen. Doch er hatte eine faszinierende Gabe: Herren erreichte Herzen.

Egal wo der kölsche Jung auftauchte, er konnte selbst seine Hater binnen weniger Minuten vom Gegenteil überzeugen. Herren war ein Menschenfänger. Seine Geschichte war ein wahr gewordener Traum: Einer aus dem normalen Leben, der es ins Fernsehen und zum Prominenten geschafft hatte. Das schuf Vertrauen und Sympathie. Allüren oder gar Berührungsängste hatte er keine. "Der Willi" schunkelte auf Konzerten mit Fans, gab Autogramme, machte Selfies. Zu schade war er sich für fast gar nichts. Er trat am Ballermann vor einer Horde Besoffener auf oder machte bei Trash-Formaten mit. Willi Herren, das Partybiest.

Schon als Jugendlicher lernte er, mit Kritik aus der Öffentlichkeit umzugehen. Als "Olli Klatt" in der ARD-Serie "Lindenstraße" wurde Herren 1992 bekannt und verkörperte zeitweilig einen Rechtsradikalen. Plötzlich galt er in der Öffentlichkeit als der Unsympath. Ausgerechnet er. Mit seinem zweiten Standbein, dem Gesang, bewies er das Gegenteil. Als Stimmungssänger feierte er am Ballermann große Erfolge. Herren war Garant für gute Laune. Ein Naturtalent der Unterhaltung.

Willi Herren ließ kaum ein Trash-Format aus

Seine Rolle schien er trotzdem nicht gefunden zu haben. Unruhig tingelte Herren zwischen Reality-TV-Formaten und Auftritten bei Schlagerpartys hin und her. Egal ob "Dschungelcamp", "Promi Big Brother", "Temptation Island", "Sommerhaus der Stars" oder zuletzt "Promis unter Palmen" – kaum eine Reality-TV-Sendung ließ er aus. Auch aus Geldnot. Doch auch weil er sich in der Rolle des weisen und erfahrenen Trash-TV-Königs gefiel. Herren legte sich gerne mit anderen an. Sehr emotional, nicht immer gerecht. Manchmal naiv, manchmal prätentiös.

Willi Herren ist im Alter von 45 Jahren gestorben

Doch wenn es drauf ankam, ließ er sein Herz sprechen. Verurteilte vor laufenden Kameras Angriffe gegen Frauen ebenso wie homophobe Beleidigungen. "Et kütt von Herzen", sagen die Kölner dazu. Und das war der Grund, warum viele Zuschauer ihm seine Eskapaden immer wieder verziehen. Originale braucht das deutsche Fernsehen viel häufiger. Willi Herren wird fehlen.


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