André Schürrle über sein Karriereende mit 29
Fußball-Star wollte raus aus dem "Hamsterrad"

André Schürrle kehrte dem Fußball-Zirkus früh den Rücken und ist nun als Extremsportler unterwegs.
André Schürrle kehrte dem Fußball-Zirkus früh den Rücken und ist nun als Extremsportler unterwegs.
© imago/Future Image / Frederic Kern
Ex-Fußball-Star André Schürrle spricht in einem aktuellen Interview über sein Karriereende mit 29 und den Neuanfang als Extremsportler.

André Schürrle trainiert aktuell für den legendären Marathon des Sables: sieben Tage durch die marokkanische Sahara, 250 Kilometer, Temperaturen von bis zu 40 Grad. Im Interview mit dem "ZEITmagazin MANN" spricht der Weltmeister von 2014 darüber, warum er seine Laufbahn als Fußballprofi bereits mit 29 Jahren beendet hat und was ihn seitdem in den Extremsport zieht.

Der Rücktritt vor mittlerweile rund sechs Jahren kam für viele Fußballfans völlig aus dem Nichts. Schürrles Umfeld habe es zunächst ebenfalls nicht geglaubt. "Du willst uns doch verarschen, du lebst das beste Leben, verdienst so viel Geld - und du hörst auf? Mit 29?", erzählt Schürrle jetzt. Doch die Entscheidung war für den ehemaligen Weltklasse-Flügelstürmer keine spontane. Der Druck, sich über externe Anerkennung zu definieren, hatte ihn zermürbt: "Ich wusste, dass ich nicht mehr in diesem Hamsterrad sein wollte. Mir immer wieder diese Liebe und diese Bestätigung von außen holen zu müssen. Diese Fremdbestimmung."

Weltmeister, aber innerlich leer

Dass er den überragenden WM-Titel 2014 - drei Tore, drei Vorlagen in 188 Spielminuten - nie wirklich genießen konnte, beschreibt Schürrle schonungslos. Nach dem Schlusspfiff habe er vor allem gedacht: Wie komme ich hier raus? In den Ferien auf Ibiza folgte wenig später dann das nächste Grübeln: "Scheiße, nur noch zwei Wochen Urlaub, dann muss ich in London auftauchen, und alles fängt wieder von vorne an." Was der Titel für Millionen Deutsche bedeutete, habe er erst viel später wirklich verstanden.

Heute sucht er genau jene Momente, in denen andere aufgeben würden. Auf einer nächtlichen Bergtour bei minus 20 Grad, kurz vor dem Gipfel und am Ende seiner Kräfte, habe er begriffen, worum es ihm geht: "Man muss spüren, dass man selbst entscheidet, weiterzugehen. Nicht der Körper, nicht das Ego, kein Trainer, kein Fan, sondern nur man selbst." In solchen Momenten, sagt Schürrle, kämen die klarsten Gedanken und die einfachsten Fragen, die plötzlich am wichtigsten sind. Ob er seinem Sohn den Gute-Nacht-Kuss gegeben hat. Ob er diese Woche der Vater war, der er sein will.

Über fünf Millionen Menschen verfolgen ihn inzwischen auf seinem Instagram-Profil als Extremsportler. Sein Antrieb ist jedoch mittlerweile ein völlig anderer als früher: "Ich hatte immer wieder das Gefühl, da ist noch mehr."

Schürrle hatte eine der glanzvollsten Karrieren seiner Generation. In der Bundesliga debütierte er für Mainz 05, wo er unter Trainer Thomas Tuchel (52) schnell auf sich aufmerksam machte. 2013 wechselte er für damals stolze 22 Millionen Euro zum FC Chelsea in die englische Premier League. Auch für Bayer Leverkusen, VfL Wolfsburg und Borussia Dortmund stand er auf dem Platz. Zuletzt wurde er an Fulham und Spartak Moskau verliehen, ehe er 2020 seinen Vertrag in Dortmund auflöste. In der Bundesliga kam er auf 207 Spiele und 51 Tore. 57 Mal streifte er sich das Trikot der DFB-Elf über, schoss darin 22 Tore.

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