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Schürrle, Götze, Höwedes und Co. Sie waren 2014 Weltmeister – dann folgte der sportliche Absturz

Benedikt Höwedes, Mario Götze und André Schürrle jubeln im WM-Finale
Jubel im WM-Finale nach dem 1:0-Führungstor: Für Mario Götze, Benedikt Höwedes und André Schürrle (v.r.n.l.) ging es danach bergab. Auch Thomas Müller (l.) spielt im DFB-Team keine Rolle mehr.
© Pressefoto ULMER/Michael Kienzle / Picture Alliance
Gerade hat Benedikt Höwedes mit 32 Jahren seinen Rücktritt erklärt, zuvor schon André Schürrle. Und auch Mario Götze befindet sich in einer tiefen sportlichen Krise. Auffällig viele der Fußball-Weltmeister von 2014 gerieten nach dem großen Erfolg ins Schlingern.

Im Sommer 2014 befand sich Fußball-Deutschland im Ausnahmezustand: Zum vierten Mal hatte Deutschland den Weltmeistertitel gewonnen. Im Finale in Rio de Janeiro besiegte die DFB-Elf Argentinien nach Verlängerung mit 1:0. Torschütze damals: Mario Götze, vorbereitet wurde der entscheidende Treffer von André Schürrle

Sechs Jahre später ist die Weltmeister-Euphorie längst verflogen. Nicht nur beim DFB, der nach dem Titel diverse Skandale und das Vorrunden-Aus bei der WM 2018 in Russland zu verkraften hatte. Auch für einige der Spieler, die in Brasilien den Pokal in die Höhe stemmten, ging es danach bergab. Während einige Stützen des Teams – wie Bastian Schweinsteiger, Miroslav Klose und Philipp Lahm – damals auf dem Höhepunkt ihrer Karriere (beim DFB) abtraten, landeten viele der damals jüngeren Spieler hart auf dem Boden der Tatsachen. Götze und Schürrle sind da nur zwei Beispiele. Gerade hat auch Benedikt Höwedes sein Karriereende erklärt. Einige unerfreuliche Werdegänge der Weltmeister von 2014 im Überblick.

Skandale, Verletzungen, Enttäuschungen – die Geschichten der traurigen Weltmeister

Mario Götze, 28 Jahre alt: Mit seinem Tor in Rio sicherte er sich einen Platz in den Geschichtsbüchern. Das große Versprechen, das Götze für den deutschen Fußball darstellte, konnte er aber abgesehen von diesem legendären 1:0 nie einlösen. Während seiner Jahre beim BVB unter Jürgen Klopp galt Götze als der deutsche Spieler mit den wohl größten Ambitionen, der Wechsel zum FC Bayern – eigentlich als nächster Schritt gedacht – wurde zum Karriereknick. Auch nach seiner Rückkehr nach Dortmund kam Götze nicht mehr in die Spur, was auch an hartnäckigen Verletzungen und Erkrankungen lag. Nach dieser Saison wurde sein Vertrag beim BVB nicht verlängert, der Weltmeistertorschütze von 2014 ist momentan arbeitslos.

André Schürrle, 29: Eigentlich noch im besten Fußballeralter, hat der ehemalige Nationalspieler in diesem Sommer seine Karriere beendet. In einem "Spiegel"-Interview zum Abschied äußerte er sich desillusioniert und enttäuscht über das Fußballgeschäft, in dem für ihn "die Tiefen immer tiefer wurden und die Höhepunkte immer weniger". Nach dem WM-Titel spielte Schürrle beim FC Chelsea nur noch eine Nebenrolle, auch nach seiner Rückkehr in die Bundesliga fasste er in Wolfsburg und beim BVB nicht mehr richtig Fuß. Zuletzt war Schürrle an Spartak Moskau ausgeliehen gewesen, sein Vertrag beim BVB wurde vorzeitig aufgelöst.

Benedikt Höwedes, 32: Wie Schürrle hat Höwedes in diesem Sommer sein Karriereende verkündet, ebenfalls relativ früh. Und auch das Schalker Urgestein kritisiert die Entwicklung im Fußball. Der habe "sich brutal entwickelt. Und dabei immer weiter distanziert von den normalen Fans. Da geht etwas verloren." Höwedes wurde 2017 nach 16 Jahren bei Schalke 04 von Trainer Domenico Tedesco ausgebootet. Zuletzt spielte er bei Lokomotive Moskau.

Kevin Großkreutz, 32: Bei der WM in Brasilien kam Großkreutz nicht zum Einsatz, was ihn nicht daran hinderte, sich den WM-Pokal auf die Schulter tätowieren zu lassen. Danach reichte es jedoch nur noch zu einem Länderspiel. Großkreutz machte in den folgenden Jahren vor allem durch Undiszipliniertheiten von sich reden, beim VfB Stuttgart flog er nach einem nächtlichen Ausflug mit Jugendspielern sogar raus. Aktuell spielt Großkreutz in der 3. Liga beim KFC Uerdingen.

Erik Durm, 28: Auch Durm blieb in Brasilien ohne Einsatz, auch er hat seit November 2014 kein Länderspiel mehr bestritten. Der linke Verteidiger galt damals als Hoffnungsträger auf einer Position, die in der Nationalmannschaft ein ständiger Problembereich war. Die Erwartungen konnte er nicht erfüllen, Verletzungen hemmten die Entwicklung des Talents. Heute steht er bei Eintracht Frankfurt unter Vertrag – in der abgelaufenen Saison ohne Aussicht auf einen Stammplatz.

Ron-Robert Zieler, 31: Zieler fuhr als dritter Torwart mit nach Brasilien. Dass er im DFB-Tor jemals an Manuel Neuer vorbeikommen würde, war von vornherein sehr unwahrscheinlich. Doch auch im Verein brachen schwere Zeiten für den Keeper an. Mit Hannover 96 und später dem VfB Stuttgart stieg Zieler in die 2. Liga ab. Dort dümpelt er heute mit Hannover im Mittelmaß und bangt um seinen Platz als Nummer eins im Tor der Niedersachsen.

Jérôme Boateng, 31: 2014 gehörte Boateng zu den überragenden Spielern der WM. Mittlerweile spielt der Innenverteidiger keine Rolle mehr bei Jogi Löw, der Boateng im Zuge des Umbruchs nach dem Debakel in Russland aussortiert hat. Auch im Verein hatte Boateng teils schwierige Zeiten zu überstehen – dass der FC Bayern und er nur noch wenig Lust aufeinander hatten, war zwischenzeitlich nicht zu übersehen. Unter Hansi Flick hat Boateng aber wieder zu alter Stärke gefunden, zumindest im Bayern-Trikot.

Thomas Müller, 30: Über Müller lässt sich prinzipiell das gleiche sagen wie über Boateng. Auch für ihn hatte Löw nach dem WM-Aus 2018 keine Verwendung mehr. An dem Bayern-Spieler nagt das bis heute. Mit dem FC Bayern hingegen beweist Müller (wieder), wie wertvoll er noch sein kann. Dort stellte er in der abgelaufenen Saison einen neuen Torvorlagen-Rekord auf.

Mats Hummels, 31: Beim Titelgewinn 2014 stand Hummels bei Borussia Dortmund unter Vertrag – wie jetzt wieder. Dazwischen liegt eine dreijährige, durchaus erfolgreiche Episode beim FC Bayern. Doch auch Hummels fiel 2018 dem Neubeginn beim DFB zum Opfer. In den aktuellen Planungen hat er keinen Platz.

Mesut Özil, 31: Bis zur Affäre um sein Foto mit dem türkischen Präsidenten Erdogan kurz vor der WM 2018 war Özil einer der Leistungsträger in der Nationalmannschaft. Nach dem Erdogan-Treffen und schwachen Leistungen bei dem Turnier in Russland überwarfen sich Özil und der DFB aber komplett, der Spieler erklärte wütend seinen Rücktritt über die sozialen Netzwerke und erhob schwere Vorwürfe gegen den Verband. Eine weitere Nationalmannschaftskarriere eines WM-Helden von 2014, die ein unrühmliches Ende fand.


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