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Das müssen Sie zur WM-Nacht wissen "Nichts gewonnen und schon hacke"


War. Das. Eng. Die Franzosen sichern sich gegen Nigeria das Viertelfinale und bekommen mit Deutschland einen Gegner, der sich gegen Algerien höllisch schwer tut. Ein Traumtor gab es dennoch.

Die deutsche Nationalelf hat tapfer gekämpft im Achtelfinale gegen Algerien, aber auch eine katastrophale erste Halbzeit hingelegt. So wird es ganz schwer mit dem WM-Titel. Zum Glück für die deutsche Elf verfügt sie mit Manuel Neuer über einen Weltklasse-Torwart, der auch mal aus seinem Kasten kommen und Verteidiger spielen kann, wenn die eigene Hintermannschaft patzt. Zuvor siegten die Franzosen glanzlos gegen Nigeria, zeigen sich dabei aber in besserer Verfassung als ihr kommender Viertelfinal-Gegner Deutschland. Das sollten Sie zu den Spielen der letzten Nacht wissen.

So liefen die Spiele

Frankreich - Nigeria 2:0 - Hier geht's zum Spielbericht.
Deutschland - Algerien 2:1 - Hier geht's zum Spielbericht.

Dieses Tor sollten Sie (nochmal) sehen

Ein Aufschrei der Erleichterung ging durch das Land, als André Schürrle endlich den Führungstreffer gegen Algerien erzielte. In der zweiten Minute der Verlängerung traf er nach Vorarbeit von Thomas Müller per Hacke und brachte das DFB-Team auf die Siegerstraße. Ein ganz starkes Tor, mit der Hacke ins Lange Eck - wunderbar!

Der Aufreger des Abends

Da platzte Per Mertesacker aber mal kräftig der Kragen. 120 Minuten auf dem Buckel, grade noch die Kurve gekratzt, auf den letzten Metern ins Viertelfinale eingezogen - und dann wird man, kaum vom Spielfeld runter, von Reportern kritisch angequatscht. "Völlig wurscht. Wir sind unter den letzten Acht. Das zählt", fauchte der Abwehrspieler ins Mikrofon. Und, als ZDF-Mann Boris Büchler nicht locker ließ und selbst davon schwatzte, dass man sich würde steigern müssen: "Was wollen Sie von mir? Was wollen Sie jetzt, so kurz nach dem Spiel? Glauben Sie, hier ist unter den letzten 16 irgendwie eine Karnevalstruppe? Ich lege mich jetzt erst einmal drei Tage in die Eistonne!" Recht hat er, der Per.

Das sagt das Stern_Sofa

So hat das Stern_Sofa die Begegnung im WMWohnzimmer gesehen.

Gewinner des Abends

Die Franzosen. Selbst nicht geglänzt, aber egal: Wer so eine Vorstellung seines nächsten Gegners sieht, dürfte dem Viertelfinale relativ beruhigt entgegensehen - zumal die Deutschen nach dem Portugal-Spiel schon als Turnierfavorit gehandelt wurden. Die Franzosen haben trotz der schwachen Partie gegen Nigeria übers Turnier gesehen eine vergleichsweise konstante Leistung gebracht. Es ist zu erwarten, dass sie sich gegen Deutschland steigern. Und wenn die deutsche Abwehr sich nicht berappelt, dürfte sie gegen einen Karim Benzema in Normalform mächtig in Schwierigkeiten geraten.

Verlierer des Abends

Afrika. Zwei Mannschaften hatte der Kontinent ins Achtelfinale gebracht, Algerien und Nigeria. Für beide Teams war in der Runde der letzten 16 Endstation. Wobei man fairerweise anmerken muss, dass sich beide erhobenen Hauptes aus dem Turnier verabschiedet haben. Nigeria hat es der "équipe tricolore" lange Zeit sehr schwer gemacht. Und Algerien verlässt das Weltturnier sicher als eine der großen Überraschungen. Kaum jemand hatte die Wüstenfüchse auf dem Zettel. Das dürfte sich vor allem in Deutschland nach den dramatischen 120 Minuten von Porto Alegre geändert haben. In Zukunft dürfte nicht mehr nur von der "Schande von Gijon" die Rede sein, wenn am Fußballstammtisch die Rede auf Algerien kommt. Sondern womöglich vom Stürmer Slimane, der die deutsche Abwehr von einer Verlegenheit in die nächste stürzte. Oder dem Teufelskerl Rais M'bohli, der mit seinen unorthodoxen Paraden Müller, Schweinsteiger und Kroos lange Zeit verzweifeln ließ.

Bild des Abends

Sagen wir besser: Motiv des Abends, weil es immer wiedergekehrt ist: Manuel Neuer, wie er im Stile eines Liberos außerhalb des deutschen Strafraums vor den einschussbereiten Stürmern aus Algerien klärt. Mit dem Kopf, mit dem Fuß, mit dem Oberschenkel. Neuer war einfach überall und hatte gefühlt im Laufe des Spiels mehr Sprints angezogen als Mario Götze oder Mesut Özil.

Tweet des Abends

Genau genommen ist es kein Tweet, sondern bloß ein Facebook-Eintrag der Kollegen von "11 Freunde". Die texteten in ihrem immer wieder lesenswerten Liveticker die treffende Zeile: "Dieser Schürrle: Noch nix gewonnen und schon hacke!" Nachlesen lohnt, so kann man dem trostlosen Kick der Deutschen zumindest in der Rückschau noch ein Lächeln abgewinnen.

Wie läuft's bei Deutschland?

Es ist schon mal besser gelaufen bei dieser WM. Um ehrlich zu sein: Es ist wohl noch nie schlechter gelaufen bei dieser WM. Ohne geich wieder in Schimpf und Schelte zu verfallen, denn davon wird es in den nächsten Tagen genug geben - mit so einer Leistung ins Viertelfinale einzuziehen, ist schmeichelhaft. Außerdem: Hummels krank, Mustafi verletzt, Poldi angeschlagen, auch Schweinsteiger musste völlig entkräftet vom Platz. Diese 120 Minuten werden die Spieler noch lange spüren. Was Mut macht: der Mythos von Deutschland als Turniermannschaft. In der Tat musste die DFB-Elf bei fast jedem großen Turnier ein solches Drama wie jetzt gegen Algerien überstehen, um danach doch wieder Tritt zu fassen. Gespannt darf man sein, welche Schlüsse Löw aus dem verkorksten Achtelfinale zieht. Insbesondere die Frage, ob nach der Mustafi-Verletzung Kapitän Philipp Lahm doch wieder zurück auf die Rechtsverteidiger-Position rotiert, steht im Raum.

Das dürfen Sie heute nicht verpassen

Man darf bei dieser unglaublichen WM ja inzwischen gar nichts mehr verpassen. Heute spielen zwei Teams, die als Titelfavoriten gehandelt werden, aber noch nicht komplett überzeugt haben: Argentinien muss sich gegen die Schweiz mit Shaqiri durchsetzen, die bisher blassen aber effektiven Belgier gegen Jürgen Klinsmann und die USA. Beide hätten jetzt einmal die Chance, ihren Favoritenstatus zu bestätigen.

Argentinien - Schweiz

(18 Uhr)

Belgien - USA

(22 Uhr)

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