HOME

Stern Logo Stern-Stimmen

P. Köster: Kabinenpredigt: Warum der Nationalelf die Zuschauer weglaufen

Zwei Spiele, zwei Siege. Die Länderspielwoche war erfolgreich für die DFB-Auswahl. Nur leider lässt das die Zuschauer inzwischen reichlich kalt. Selbst schuld, findet stern-Stimme Philipp Köster.

Fußballer der Nationalelf vor einer Tribüne mit Zuschauern

Beim Länderspiel-Klassiker Deutschland gegen England war das Stadion nicht ausverkauft - sind die Fans übersättigt?

Auf dem Papier war es eine sehr erfolgreiche Woche für die Nationalmannschaft. Erst den alten Rivalen England mit 1:0 besiegt und Lukas Podolski ehrenvoll in die Frührente verabschiedet. Und dann auch noch bei eisigen Temperaturen Aserbaidschan in der WM-Qualifikation geschlagen, den Dortmunder Bankdrücker Andre Schürrle resozialisiert und die Tabellenführung in der WM-Qualifikationsgruppe gesichert – man muss keinen niederländischen Pass haben, um diese komfortable Situation schätzen zu wissen.

Trotzdem war die Stimmung im deutschen Lager nur bedingt heiter. Der Sieg gegen die Engländer – glücklich und letztlich unverdient. Das 4:1 in Baku – ein glanzloser Pflichtsieg nach merkwürdig fahriger Anfangsphase, in der die deutsche Mannschaft den spieltaktisch limitierten Gegner durch Fehlpässe und nachlässiges Deckungsverhalten aufgebaut hatte. Da bemühte Joachim Löw nicht zu Unrecht die alte Hausfrauenweisheit, nach der "nicht alles Gold" sei, was glänzt. Unbeabsichtigt hat Joachim Löw damit jedoch auch den allgemeinen Status Quo der Nationalelf beschrieben. Denn abseits der beherrschbaren sportlichen Probleme ist der Status der DFB-Auswahl als strahlende und glitzernde Lieblingsmannschaft der Deutschen inzwischen arg angekratzt.

Der Glanz der Nationalelf ist weg

Nur zwei der letzten acht Heimspiele waren ausverkauft. In Dortmund kamen am Mittwoch nur 60.000 Zuschauer, was nicht ganz so trist wirkte wie der ebenfalls bei weitem nicht ausverkaufte Borussia-Park in Mönchengladbach beim Abschiedsspiel von Bastian Schweinsteiger.  Und demnächst beim Quali-Kick gegen die Feierabendtruppe aus San Marino ist der Spannungsfaktor derart übersichtlich, dass man schon sehr fußballverrückt sein muss, um sich das in Nürnberg im Stadion anzuschauen - und nicht daheim gelangweilt mit Erdnüssen in der Hand auf dem Sofa.

Die Nationalmannschaft als heißester Scheiß – das war einmal. Was natürlich auch den DFB-Funktionären aufgefallen ist. Oliver Bierhoff hat am Wochenende der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ein Interview gegeben, in dem er vor der Übersättigung des Publikums warnt und die Situation des Fußballs mit den Jahren vor der großen Bankenkrise vergleicht. Warten auf den großen Knall, quasi.

Fußball-Angeberwissen Die größten Skandale der Bundesliga

Warten auf den großen Knall

Das war nun ein richtig lustiges Interview. Denn natürlich hat Bierhoff vollkommen recht. Angesichts der allgemeinen Übersättigung und des alltäglichen Live-Fußballs bleiben die Anhänger inzwischen gerne mal zu Hause, wenn es entweder wie gegen England um nichts geht oder der Gegner voraussichtlich ordentlich verprügelt wird wie San Marino. Und mit jedem Spaßturnier mehr, jedem zusätzlich erfundenen Sponsoren-Cup, jeder neuen klebrigen Marketingmaßnahme steigt die Gefahr, dass es den Zuschauern zuviel wird und sie sich womöglich eine andere Freizeitbeschäftigung suchen.

Aber dass ausgerechnet Bierhoff nun das Klageweib gibt, ist schon heiter. Denn der Manager der Nationalelf war im letzten Jahrzehnt eine der treibenden Kräfte der wirtschaftlichen Optimierung. Die deutsche Nationalmannschaft ist im Jahre 2017 ein perfekt durchkommerzialisiertes Produkt, bis hin zum versponsorten Fanklub und zum selbst erfundenen Spitznamen gibt es so gut nichts, was nicht monetär verwertet wird. Länderspiele sind heute Klatschpappen-Events, überraschungsfrei inszeniert wie Musicals.

Bierhoff muss bei sich selbst anfangen

Wenn es Bierhoff also ernst meinen würde mit der Kritik, würde er bei sich und der Nationalmannschaft anfangen. Er könnte sich fragen, ob der offizielle Fanklub wirklich unbedingt Werbung für einen Brausehersteller machen muss. Ob die Tickets für Länderspiele nicht doch zu teuer sind, normale Eintrittskarten für den Kirmeskick gegen San Marino kosten 25 bis 80 Euro. Und ob es Sinn ergibt, der Nationalelf einen Spitznamen aufzudrücken, den niemand jenseits offiziellen Marketingkanäle ernsthaft benutzt, es sei denn mit spöttischem Unterton.

Stattdessen zieht der Fußball-Zirkus weiter. Und Bierhoff trommelt schon wieder für die nächsten Stationen. Dass die U21-EM und der herrlich egale Confed-Cup nahezu zeitgleich stattfinden? Nicht ideal, aber "eine Riesenchance für uns als deutschen Fußball" und natürlich wie überhaupt immer "eine große Auszeichnung".

In Bierhoffs Welt ist eben alles Gold, was glänzt.


Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.