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WM-Testspiel Deutschland gegen Armenien: Der Reus-Schock trübt die gute Laune

Marco Reus musste gegen Armenien verletzt vom Platz. Alles deutet auf das WM-Aus für den Dortmunder hin - ein schwerer Verlust. Nach der gelungenen WM-Generalprobe gibt es aber auch gute Neuigkeiten.

Von Felix Haas

Was gibt es nicht alles für gute Nachrichten für die Nationalmannschaft: Die WM-Generalprobe gegen Armenien ist geglückt, beim 6:1 gab es phasenweise schnelle Kombinationen, ein Hackentor und Miro Kloses Rekordtreffer. Auch sind Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger offensichtlich auf dem richtigen Weg. Beide konnten ohne Beschwerden spielen. Der viel kritisierte Mesut Özil gewann wieder Zweikämpfe und spielte feine Pässe, sein Arsenal-Buddy Lukas Podolski versprühte WM-Hunger, lief in 45 Minuten gefühlte einhundert Kilometer. Und André Schürrle spielte so, als wolle er ziemlich bald der neue Cristiano Ronaldo werden. Klingt doch super eigentlich. Die WM kann also kommen.

Doch ganz so einfach ist es leider nicht mit der guten WM-Laune. Das liegt vor allem an der 43. Testspiel-Minute. In der gab es dann nämlich eine ziemlich schlechte Nachricht. Marco Reus knickte nach einem Zweikampf mit dem linken Fuß um, wälzte sich mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Boden und verließ anschließend das Feld, ohne auftreten zu können. Der Dortmunder musste direkt zum Kernspin ins Krankenhaus gebracht werden.

Wie weit kommt Deutschland bei der WM?

Teilriss des vorderen Syndesmosdebandes

Es passt irgendwie zu dieser unrunden Vorbereitung, dass sich am Tag vor dem Abflug nach Brasilien, an dem Tag, an dem es eigentlich so viele positive Nachrichten gab, ein echter Leistungsträger verletzt. Noch in der Nacht verkündete der DFB die Diagnose: Teilriss des vorderen Syndesmosebandes oberhalb des linken Sprunggelenks. Normalerweise bedeutet das eine mehrwöchige Pause, also das bittere WM-Aus für den BVB-Star in letzter Minute. Noch will man sich bei der Nationalelf damit aber nicht abfinden. Eine endgültige Entscheidung soll im Laufe des Tages fallen.

Oliver Kahn hatte in seiner unnachahmbar-weisen Art schon während der TV-Übertragung geunkt: "Das sah nicht gut aus". Auch Bundestrainer Joachim Löw hatte höchst besorgt reagiert: "Ich habe in der Halbzeit gesehen, dass es schon geschwollen war und hoffe, dass er nichts an den Bändern hat", sagte Löw in einer ersten Reaktion im ZDF.

Reus war zuletzt in überragender Form, wurde von den Bundesliga-Spielern zum Spieler der Saison gewählt, und zeigte auch in den 43 Minuten gegen Armenien, dass er selbst in der deutschen Weltklasse-Offensivreihe heraussticht. Nicht wenige trauten dem 25-Jährigen bisher sogar zu, der Top-Star der WM zu werden.

Podolski und Schürrle bereits in Topform

Es gehört allerdings auch zu der Geschichte dieses Abends, dass ausgerechnet Reus' Stellvertreter groß aufspielten. Es waren wie schon gegen Kamerun André Schürrle (1:0 in der 52. Minute) und der starke Lukas Podolski (2:1, 71.), die mit viel Willen vorangingen, nicht nur die wichtigen Tore erzielten sondern auch für Tempo im deutschen Spiel sorgten.

Benedikt Höwedes (73.), der nun alleinige deutsche Rekordtorschütze Miroslav Klose mit seinem 69. Länderspieltreffer (76.) und Mario Götze (82./89.) sorgten vor 27.000 Zuschauern letztlich für das späte Torfestival und den deutlichen 6:1-Endstand.

So gab das Spiel Anlass zur Hoffnung: "Man hat gemerkt, dass wir heute etwas frischer waren. Aber wir werden versuchen, nochmal einen Schritt nach vorne zu machen", sagte Löw nach dem Spiel mit Blick auf die Titelmission und betonte: "Es ist Vorfreude dabei und Optimismus, aber auch ein Kribbeln und Anspannung. Ich sehe natürlich auch manche Schwierigkeit auf uns zukommen. Gerade in den K.o.-Spielen darf man sich keinen schwachen Tag erlauben."

"Haben gezeigt, was in uns steckt"

Auch Kapitän Philipp Lahm, der 45 Minuten ran durfte, sah eine gute Grundlage in der Leistung des Teams: "Wir können zufrieden sein, mit einem Sieg abzureisen und haben als Mannschaft ordentlich gespielt", sagte er. Podolski gab sich im Interview genauso aufgedreht wie auf dem Platz: "In der zweiten Halbzeit haben wir gezeigt, was in uns steckt", sagte er, fügte allerdings hinzu: "Bei der WM erwarten uns ganz andere Gegner, da müssen wir noch eine Schippe drauflegen",

Überwiegen jetzt also die guten Nachrichten vor der WM? Die Beantwortung der Frage hängt natürlich davon ab, ob Reus wirklich ausfällt, und ob er im Falle des Falles so effektiv ersetzt werden kann, wie es Podolski gegen Armenien getan hat. Für alle, die unabhängig von der Diagnose noch unschlüssig sind, gibt es aber eine Statistik, die auf der Seite der guten Nachrichten steht: Auch vor den WM-Titeln 1954, 1974 und 1990 feierte die Nationalelf Siege beim letzten WM-Test.

Von Felix Haas

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