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EM-Qualifikation: DFB-Elf ringt Schottland ein 2:1 ab

Thomas Müller sei dank: Mit einem Doppelpack sorgte Müller für einen 2:1-Sieg der DFB-Elf gegen Schottland. In dem hart umkämpften Spiel musste Marco Reus einen besonderen Rückschlag hinnehmen.

Thomas Müller (l.), André Schürrle (M.) und Mario Götze (r.) bejubeln Müllers Treffer zum 2:1

Thomas Müller (l.), André Schürrle (M.) und Mario Götze (r.) bejubeln Müllers Treffer zum 2:1

Auf Weltmeister Thomas Müller war Verlass. Mit seinem vierten Tore-Doppelpack im DFB-Trikot sicherte der Münchner Angreifer der deutschen Nationalmannschaft beim 2:1 (1:0) gegen Schottland einen erfolgreichen Start in die lange Qualifikationsreise zur Fußball-Europameisterschaft 2016 in Frankreich. Der fünffache WM-Torschütze war am Sonntagabend vor 60.209 Zuschauern in Dortmund mit Kopf und Fuß erfolgreich (18./71. Minute). Für die mutigen Schotten traf der agile Außenstürmer Ikeci Anya (66.) zum 1:1.

Für Marco Reus endete die Partie schmerzlich. Der Dortmunder musste in der 90. Minute nach einem Foul von Charlie Mulgrew mit einer Knöchelverletzung humpelnd vom Platz. Für eine weitere Attacke sah Mulgrew in der Nachspielzeit die Gelb-Rote Karte. Acht Wochen nach dem triumphalen WM-Finale in Rio de Janeiro schaltete das Team von Bundestrainer Joachim Löw wieder erfolgreich um in den Pflichtspielmodus - Tempo und Motivation waren trotz einer Schwächephase nach der Pause wieder ganz anders als beim freundschaftlichen 2:4 vier Tage zuvor gegen Argentinien.

Nach der Demontage durch den angriffslustigen Vizeweltmeister erhielt die Defensive durch die Rückkehr von Jerome Boateng zwar wieder mehr Stabilität, agierte aber längst nicht fehlerfrei. Die überraschende Hereinnahme von Sebastian Rudy, der auf der rechten Abwehrseite den Vorzug vor Lokalmatador Kevin Großkreutz erhielt, erwies sich zunächst als kluger Schachzug von Löw. Der Hoffenheimer spielte bei seinem Startelf-Debüt unaufgeregt und zeigte gute Offensivaktionen. Mit seiner Unaufmerksamkeit vor dem Gegentor unterstrich er aber auch, dass er kein gelernter Abwehrmann ist.

DFB-Team startet gut ins Spiel

Auf der linken Seite konnte Erik Durm nach der Lehrstunde durch Wirbelwind Angel di Maria diesmal vor heimischem Publikum seine offensiven Qualitäten einbringen. Manuel Neuer, der die Mannschaft als Vertreter des verletzten Bastian Schweinsteiger wieder als Kapitän aufs Feld führte, bekam dank der Präsenz seiner Vorderleute Boateng und Benedikt Höwedes weniger zu tun, zeigte aber dennoch ein paar von den Fans bejubelte Libero-Einlagen.

Auf den Rängen gaben zunächst die sangesfreudigen schottischen Fans den Ton an, das Geschehen auf dem Rasen wurde von Beginn an von der deutschen Mannschaft diktiert. In der 8. Minute verpasste der völlig frei stehende Müller auf Flanke von Durm per Kopf das frühe Führungstor. Wenig später fing Gäste-Keeper David Marshall beim zweiten Kopfball-Versuch von Müller den Ball noch rechtzeitig ab, doch im dritten Anlauf war der Bayern-Stürmer endlich erfolgreich. Die butterweiche Hereingabe von Rudy köpfte Müller unhaltbar ein.

Der 28. der Weltrangliste zog sich bei deutschem Ballbesitz weit zurück und versuchte aus einer massiven Abwehr heraus schnell zu kontern. Das wäre den Gästen in der 14. Minute beinahe gelungen, als ein abgefälschter Schuss von Barry Bannan knapp am deutschen Gehäuse vorbeiflog. Wesentlich effektiver war indes das immer wieder von Toni Kroos mit Diagonalbällen auf die Außen angekurbelte deutsche Offensivspiel. Allerdings versäumten es Götze und Co., sich noch vor der Pause mit dem eigentlich verdienten zweiten Treffer für ihren Angriffsschwung zu belohnen.

Vier Minuten stand es 1:1

So scheiterten Marco Reus (22.) und Kroos (24.) jeweils aus der Distanz, Russell Martin klärte beim Schuss von Andre Schürrle kurz vor der Linie (27.). Vier Minuten vor dem Pausenpfiff verhinderte der starke Marshall nach Schürrles Flanke mit blitzschnellem Reflex ein weiteres Eigentor und hielt seine Mannschaft damit im Spiel.

Ein Moment der Unkonzentriertheit hätte zu Beginn der zweiten Halbzeit beinahe zum Ausgleich geführt. Steven Naismith setzte sich im Strafraum energisch durch, schob den Ball aber zum Glück für die deutsche Abwehr um Zentimeter am Pfosten vorbei (48.). Während die Schotten nun ihre Angriffsbemühungen verstärkten und allmählich die Kontrolle über das Spiel gewannen, ließ die Löw-Elf im Spiel nach vorne die letzte Entschlossenheit vermissen. In der 51. Minute vergab Schürrle überhastet aus bester Schussposition, zehn Minuten später scheiterte Reus an Marshall.

Mit einem Fehlpass im Mittelfeld leitete Götze den zu diesem Zeitpunkt nicht einmal unverdienten Ausgleich ein, bei dem Anya seinem Gegenspieler Rudy entwischte und frei vor Neuer eiskalt blieb. Doch die Elf von Gordon Strachan konnte sich nur vier Minuten über den Ausgleich freuen, denn Müller gelang im Anschluss an eine Ecke von Reus das 2:1. Der Münchner war im Nachsetzen erfolgreich, nachdem Höwedes den Ball zuvor mit einem überharten Einsteigen erkämpft hatte, und erzielte sein 24. Tor im 57. Länderspiel.

Reaktionen des DFB-Teams:

Thomas Müller:
"Es war das erwartet enge Kampfspiel, ich kann mit dem Ergebnis sehr gut leben. Wir haben es in der einen oder anderen Situation verpasst, das Ergebnis höherzuschrauben. In der zweiten Halbzeit waren wir nicht mehr so souverän, wie wir uns das vorgestellt haben."

Manuel Neuer:


"Es war das Wichtigste, dass wir mit drei Punkten in die Qualifikation starten. Wie wir das gemacht haben, ist eigentlich egal."

Bundestrainer Joachim Löw:


"Für mich war klar, dass es ein schweres Spiel wird, deshalb bin ich mit den drei Punkten zufrieden. Die Außenverteidiger haben es heute sehr ordentlich gemacht. In der Defensive sind wir in der zweiten Halbzeit etwas geschwommen und haben die Kontrolle über das Spiel verloren."

Zur Verletzung von Marco Reus: "Er ist wieder umgeknickt. Es ist das gleiche Fußgelenk. Die erste Diagnose zeigt, dass es nicht ganz so schlimm ist wie vor der WM. Aber man muss die Kernspin-Untersuchung am Montag abwarten. Ich hoffe, dass es nicht so schlimm ist."

Christoph Kramer:


"Die Schotten sind ein ganz unangenehmer Gegner, von daher sind die drei Punkte heute ganz wichtig."

Stimmen zum Spiel auf Twitter:

tkr/Klaus Bergmann/Heinz Büse/DPA / DPA

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