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WINDSOR-AFFÄRE: Queen will Skandal untersuchen lassen

Die von allen Seiten kritisierte Queen geht in die Offensive: Eine unabhängige Kommission soll im ausufernden Skandal um die Enthüllungen des früheren Diana-Butlers Paul Burrell für schnelle Aufklärung sorgen.

Das britische Königshaus will im ausufernden Skandal um die Enthüllungen des früheren Diana-Butlers Paul Burrell (44) in die Offensive gehen. Nach Krisensitzungen ihrer Beraterstäbe haben sich Königin Elizabeth II. (76) und Prinz Charles (53) laut Medienberichten entschlossen, die Vorgänge um den Butler-Prozess und seine Folgen von einer unabhängigen Kommission untersuchen zu lassen. Es wäre das erste Mal, dass sich die Königsfamilie von außen auf die Finger gucken ließe, bemerkte die »Times« am Dienstag.

Thronrede mit viel Pomp

Die Queen sei »fassungslos« über die jüngsten Entwicklungen. Besonders die Enthüllung über die angebliche Vergewaltigung eines Kammerdieners durch einen engen Vertrauten von Charles habe ihr »zugesetzt«, berichtete die »Times«. Die Monarchin wolle eine schnelle Aufklärung, um weiteren Schaden abzuwenden.

Ungeachtet der Probleme will die Königin an diesem Mittwoch mit viel Pomp im Parlament die alljährliche Thronrede mit dem Regierungsprogramm verlesen. Am Donnerstag, dem 54. Geburtstag von Charles, ist sogar ein schicker Empfang im Londoner Hotel »Ritz« geplant, mit dem sich die Queen bei allen Beteiligten für den Erfolg der Feiern zu ihrem 50. Thronjubiläum bedanken will. »Das ist leider alles inzwischen in so weite Ferne gerückt«, klagte ein Hofbeamter.

Charles ist nach Angaben von Hofbeobachtern »zutiefst verzweifelt und traumatisiert« über die jetzige Situation. Das Leben im St. James-Palast, seinem Londoner Sitz, sei »wie gelähmt«. Eine große Mehrheit der Briten ist nach Umfragen der Meinung, dass der Thronfolger und seine Mutter in den Burrell-Prozess eingriffen, um peinliche Enthüllungen zu verhindern.

Die Vergewaltigungsanschuldigungen des Kammerdieners George Smith hätten die Royals in »tödliche Gefahr« gebracht, schrieb der »Mirror« am Dienstag. Der Skandal, so habe ein Höfling berichtet, werde in Königskreisen als »noch schlimmer« angesehen als die Abdankungskrise von 1936.

Lukratives Geschäft

Die von einer prominenten Richterin geleitete Kommission soll die gesamten Hintergründe des Prozesses gegen Burrell untersuchen, dem ursprünglich der Diebstahl von mehr als 300 Gegenständen aus dem Besitz von Prinzessin Diana vorgeworfen worden war. Als die Queen sich überraschend daran erinnerte, dass Burrell ihr vor fünf Jahren von der Übernahme der Andenken erzählt hatte, platzte der Prozess.

Burrell, der gegenwärtig mit seiner Frau die USA bereist, hat auch dort Geschäfte über den Verkauf seiner Geschichte abgeschlossen. Nach einem Bericht der »Washington Post« zahlt der Fernsehsender ABC dem Butler zwischen 300 000 und 350 000 Dollar (297 000 bis 347 000 Euro) für die Senderechte der in Großbritannien bereits ausgestrahlten Dokumentation »Dianas Rock« (Dianas Fels). Auch die Sender NBC und CBS seien um Interviews bemüht.

Auf einer Pressekonferenz in New York erklärte Burrell, er wolle mit den Einnahmen aus seinem Vertrag nur Schulden tilgen und verhindern, dass er sein Haus verliert. »Mir ging es nie ums Geld«, sagte Burrell. »Ich wollte nur Wahrheit und Gerechtigkeit.«