Liza Minnelli (79) nimmt in ihren Memoiren kein Blatt vor den Mund. Die Autobiografie mit dem Titel "Kids, Wait Till You Hear This!" ist nun erschienen und sorgt weltweit für Aufsehen. Zu erzählen hat die Schauspielerin und Sängerin, deren Karriere in den 1960er Jahren am Broadway startete, zur Genüge.
Die Tochter von Hollywoodstar Judy Garland (1922-1969) und dem Regisseur Vincente Minnelli (1903-1986), die für ihre Rolle in dem Musicalfilm "Cabaret" (1972) einen Oscar erhielt, berichtet darin über ihre Karriere, ihre Abstürze, die Beziehung zu ihrer berühmten Mutter und ihr turbulentes Liebesleben.
Mit zwei Männern verlobt, mit einem anderen verheiratet
Wie das "People"-Magazin über das Buch berichtet, beschreibt Liza Minnelli darin auch ihre Verlobung mit dem Komiker Peter Sellers (1925-1980), die sie 1973 per Pressekonferenz verkündeten. Minnelli war damals jedoch noch mit ihrem ersten Ehemann, dem australischen Entertainer Peter Allen (1944-1992), verheiratet und mit Schauspieler Desi Arnaz Jr. (73) verlobt.
"Was habe ich mir nur dabei gedacht, eine Pressekonferenz abzuhalten, um das Ende einer Verlobung und den Beginn einer neuen zu verkünden? Mit einem Mann, den ich gerade erst kennengelernt hatte und kaum kannte?", schreibt Minnelli laut "People". Von Peter Allen lebte sie schon einige Zeit getrennt, die Scheidung wurde 1974 offiziell. Die stürmische Romanze mit Peter Sellers hielt dennoch nicht lange.
Minnelli heiratete dann 1974 den Produzenten und Regisseur Jack Haley Jr. (1933-2001), die beiden ließen sich 1979 scheiden. Im gleichen Jahr gab sie Mark Gero (73) das Jawort, mit dem Bildhauer war sie bis 1992 verheiratet. Ehemann Nummer vier wurde von 2002 bis zur offiziellen Scheidung 2007 David Gest (1953-2016), ein Konzertveranstalter. Das Paar hatte sich allerdings bereits 2003 getrennt, nur wenige Monate nach der Hochzeit mit über 1.200 Gästen. Die Trauzeugen waren Michael Jackson und Elizabeth Taylor. Im Buch kommt Gest offenbar alles andere als gut weg. "Ich war eindeutig nicht nüchtern, als ich diesen Clown geheiratet habe", soll es da etwa über ihn heißen. Die beiden lieferten sich einen langen Rosenkrieg.
Affäre mit Martin Scorsese
Ein weiterer Mann, der bei Minnelli eine so bleibende Erinnerung hinterlassen hat, dass er in ihrer Autobiografie erwähnt wird, ist Martin Scorsese (83). Während ihrer Ehe mit Jack Haley Jr. begann Minnelli 1976 eine Beziehung mit dem Regisseur. In ihrem Buch bezeichnet sie ihn laut "The Guardian" als einen "teuflisch gutaussehenden" Mann, "der meine Liebe zum Film teilte". Als sie Scorsese Jahre später bei den Oscars 2014 sah, schreibt Minnelli, sei sie auf ihn zugegangen, um ihn zu begrüßen. "Leider wandte er sich von mir ab. Sehr traurig."
Liza Minnelli brach betrunken auf einem Bürgersteig zusammen
Minnelli spricht auch offen über ihre Erfahrungen mit Alkoholmissbrauch. In ihrem Buch erzählt sie den Berichten zufolge von ihrem Tiefpunkt aus dem Jahr 2003, als sie gerade einen Entzug hinter sich hatte, aber wieder trank. Sie ist damals auf einem Bürgersteig in Manhattan zusammengebrochen, nachdem sie in einer Bar getrunken hatte. Minnelli erinnert sich, wie sie auf dem Boden lag, während Passanten über ihren Körper "hinwegstiegen oder um sie herumgingen".
Sie beschrieb den Vorfall als "demütigender" als ihre Aufenthalte in der Entzugsklinik. Sie wollte diese Geschichte jedoch erzählen, um zu zeigen, dass viele Menschen mit "dem gleichen Risiko eines Rückfalls" zu kämpfen haben. "Das Fazit ist, dass wir keine hoffnungslosen Fälle sind", schrieb sie. "Wir können gesund werden. Ich bin der lebende Beweis dafür." Seit 2015 hat sie mit Drogen und Alkohol komplett abgeschlossen.
Sie musste für ihre Mutter sorgen
Minnellis Beziehung zu Judy Garland war komplex. Minnelli ist sich offenbar bewusst, dass sie oft das Verhalten ihrer Mutter wiederholte, sei es in Liebesangelegenheiten oder in Bezug auf Suchtprobleme. Sie schreibt dem "Guardian" zufolge über ein verheerendes Ereignis in ihrer Kindheit, als sie Garland versehentlich gegen den Kopf trat und ihre Mutter sie "anschrie und anschrie". "Ich lernte, dass Mama, wenn sie wütend wurde, die furchterregendste Person in meinem Leben war. Heute habe ich nur noch einen einzigen Auslöser für Traumata. Und das ist der Schrecken schreiender Stimmen."
Außerdem wurde sie früh mit Garlands Suchtproblemen konfrontiert. Mit 13 sei sie die Betreuerin ihrer Mutter gewesen - "Krankenschwester, Ärztin, Pharmakologin und Psychiaterin in einer Person". Aber Minnelli empfindet rückblickend weiterhin viel Liebe und Bewunderung für ihre Mutter: "Mama hat mich leidenschaftlich geliebt, und bis heute liebe ich sie genauso sehr."