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Psychologe analysiert Eine zehnjährige Beziehung gleicht in der Wirkung der elterlichen Erziehung

Beziehung
Nach zehn Jahren Beziehung hat ein Partner einen wie die Eltern beeinflusst.
© IMAGO / Panthermedia
Erfahrungen in Beziehungen prägen uns auch in zukünftigen Beziehungen. Doch je länger man mit einer Person leiert ist, desto bedeutender wird dieser Effekt.

Wie wir uns in einer Partnerschaft verhalten, entsteht immer aus einer Mischung von Erziehung und Prägung sowie einer guten Portion eigener Erfahrung aus der Vergangenheit. Natürlich spielt aber auch der Charakter eines Menschen keine unerhebliche Rolle. Doch die Erfahrungen sind wandelbar und daher können sich die daraus resultierenden Verhaltensweisen auch im Erwachsenenalter noch erheblich verändern. 

Wurde man also als Kind viel alleine gelassen, kann das auch in einer Partnerschaft zu Verlustängsten führen. Oder wenn jemand schon von seinem Partner betrogen oder belogen wurde, so wird dieser vermutlich auch in einer neuen Beziehung skeptischer sein als jemand, der solche negativen Erfahrungen noch nicht erleben musste. 

Der Diplom-Psychologe Christian Hemschemeier sprach mit dem News-Portal "RND" über die Auswirkungen einer solchen Prägung. Der Psychologe arbeitet oftmals mit Paaren in Krisensituationen und hilft ihnen, Probleme zu erkennen. Da er durch seine Arbeit auf eine Menge Erfahrung zurückblicken kann, stellt er die These auf, dass Paare nach zehn Jahren Beziehung einen gegenseitigen Einfluss aufeinander genommen haben wie Eltern auf ihre Kinder. 

Prägung in der Beziehung kann von Alltag bis Trauma gehen

Es geht also psychologisch nicht ausschließlich um die Tiefe und Tragweite der Erlebnisse, die einen prägten, sondern auch darum, wie lange man mit jemandem eine feste Beziehung führte. Selbst wenn man sich nicht nur die negativen Nachwehen einer Partnerschaft betrachtet, so können es auch schon Alltagsgewohnheiten oder Verhaltensweisen sein, die man über einen längeren Zeitraum von dem jeweils anderen übernommen hat. 

Sollte es sich aber um alte Laster handeln, wie beispielsweise eine Panik, dass jemand nicht regelmäßig auf Nachrichten reagiert und man dahinter direkt ein Fremdgehen vermutet, weil man es bereits so erlebte, so hilft alles nichts, als gegen sich selbst anzukämpfen. Man sollte reflektieren, warum man so handelt und einen diese Situation überdurchschnittlich stark triggert. Hemschemeier rät dazu: "Das Wichtigste ist, zu erkennen, dass man Probleme einer alten Beziehung auf den neuen Partner projiziert und sich bewusst dafür zu entscheiden, dagegen anzukämpfen. Das kann man auf viele Art und Weisen machen, ob durch das Schreiben eines Tagebuchs oder durch Meditation."

Wichtigster Tipp ist aber immer: Erstmal durchatmen und nicht sofort reagieren. Viele Probleme sehen auch unausgesprochen nach 24 Stunden schon ganz anders aus.

Quelle: RND

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