Berliner Modewoche Auf dem Catwalk durchs Brandenburger Tor


Im Juli findet die erste "Mercedes Benz Fashion Week Berlin" statt, für die der Veranstalter IMG bereits Topdesigner wie Vivienne Westwood gewinnen konnte. stern.de sprach mit IMG-Europachef Christian Pirzer über die Erfolgsaussichten.

Bei der letzten Modewoche im Januar wurde noch um jeden Besucher gebangt, im Juli geben sich jetzt die Star-Designer die Klinke in die Hand. Wie haben Sie das geschafft?

Wir haben einfach unsere Kontakte genutzt. IMG organisiert ja Modenschauen auf der ganzen Welt, unter anderem die äußerst erfolgreiche New Yorker Fashionweek. Außerdem haben wir weltweit die größte Modelagentur und vertreten Top-Models wie Kate Moss, Heidi Klum oder Gisele Bundchen. Wenn ein Mode-Designer uns kennt, aus Amerika, oder auch durch den Modelservice, weiß er, dass unsere Arbeit Substanz hat. Schließlich haben wir ja auch die nötige wirtschaftliche Kraft.

Da laborieren die Berliner jahrelang vor sich hin, dann tritt ein finanzkräftiger Investor auf den Plan und schon erinnert sich selbst Karl Lagerfeld an seine deutschen Wurzeln.

Berlin hat schon lange eine wahnsinnige Anziehungskraft, viele Designer fühlen sich der Stadt verbunden, auch Vivienne Westwood zum Beispiel durch ihre Lehrtätigkeit an der UdK. Was bisher fehlte, war nur ein angemessener Rahmen für die Schauen. Jetzt sind alle sehr positiv und wollen dabei sein. Uns ging es grundsätzlich darum, ein Mode-Event in Deutschland zu etablieren. Bisher gibt es so eine Veranstaltung nicht, obwohl der deutsche Modemarkt irrsinnig groß ist. Und da war schnell klar, dass Berlin der ideale Standort ist.

Haben Sie Berlin schon länger beobachtet?

Wir beschäftigen uns seit 1,5 Jahren mit dem Thema. Berlin ist dynamisch, kreativ, jung und seit der Wende eine absolute Millionenmetropole. Dazu muss man sagen, dass der Wirtschaftssenator und letztlich auch der Regierende Bürgermeister von Anfang an sehr positiv auf uns reagiert haben. Es ist ja nicht einfach, direkt am Brandenburger Tor so eine Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Sensationell, dass unser Laufsteg durch das Brandenburger Tor geht - ein absolutes Novum. Da haben wir gesehen, diese Stadt will das auch.

Die Macher der Modemesse Bread&Butter empfanden Berlin als weniger entgegenkommend.

Keine Ahnung, was damals zur Verhandlung stand. Vielleicht lag es auch ein bisschen an unserem Konzept. Wir nehmen natürlich auch sehr viel Geld in die Hand. 1,5 Mio. Euro wird uns die Veranstaltung dieses Jahr kosten. Die Stadt Berlin selbst investiert eine halbe Million Euro. Sicherlich auch, weil wir dem Senat aufgezeigt haben, welche Wirtschaftkraft so eine Modewoche hat. Allein eine New York Fashion Week bedeutet einen Effekt von 250 Mio. Dollar, an Übernachtungen, an Steuereinnahmen,...

Die New Yorker Modewoche kann man natürlich nicht mit Berlin vergleichen.

Stimmt. In Berlin haben wir nur einen Catwalk, auf dem wir von Donnerstag bis Sonntag etwa fünfzehn Schauen zeigen. In New York laufen in einer Woche unzählige Modenschauen auf vier Laufstegen parallel. Da haben wir in Berlin noch einen langen Weg vor uns. Trotzdem wollen wir eine Plattform bieten, die sich weltweiten Rang erwirbt. Langfristig soll es eine Mischung werden aus international bekannten Designern und jungen Berliner Modemachern, an die wir auch einen Preis vergeben.

Ein Problem könnte allein der Termin sein. Die Prêt-à-porter-Schauen in den Modemetropolen laufen immer im Frühjahr und im Herbst. Die Modewoche, vom 12. bis zum 15. Juli, liegt zwischen den Saisons.

Es ist mittlerweile generell so, dass die Herbstschauen eigentlich fast schon zu spät liegen. Darum ist es möglich, dass wir mit unserem Termin Vorreiter sind und genau dieses Problem lösen. Viele Designer zeigen Pre-Kollektionen, manche werden auch zweimal zeigen. Auch das lohnt sich, denn Berlin ist das Sprungbrett nach Skandinavien und in den Osten. Russland wird für große internationale Labels immer wichtiger. Da steckt ein irrsinniges Potential drin und das kann sich Berlin zunutze machen.

Genauso wie IMG?

Wir verdienen an den Sponsorenverträgen. Unterhalb von Mercedes wird es noch fünf weitere Sponsoren geben. Wir haben übrigens schon lange kein Produkt mehr so gut an Sponsoren verkauft wie die deutsche Modewoche.

Das klingt so, als ob Sie dieses Experiment bald wiederholen?

Das nächste Mal wollen wir im Januar praktisch direkt vor der Modewoche in New York zeigen und dann in Zukunft immer im Juli und im Januar im Wechsel. Wir haben mit allen Sponsoren 3-Jahres-Verträge, mit Mercedes Benz sogar einen 5-Jahres-Vertrag. Sie sehen, so schnell werden die Berliner uns nicht mehr los.

Interview: Anne Petersen

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