Der Mode-Trend II Einzelstücke für alle


Kleidung mit Charakter - bei den Kreationen von No Editions liegt der Luxus in der Individualität der Entwürfe.

Frau Lachelle, Herr Niessen, Sie produzieren unter dem Label No Editions Kleidungsstücke mit Drucken, die es nur ein einziges Mal gibt. Warum setzen Sie auf Exklusivität statt Massenproduktion?

NIESSEN: Zum einen reizte uns die künstlerische und technische Möglichkeit, zum anderen wollten wir eine Auseinandersetzung mit dem Käufer erzeugen. Konzerne wie H & M stellen aktuelle, preiswerte Kleidung her, die aber mittlerweile gedankenlos gekauft und dadurch nur noch als Wegwerfartikel konsumiert wird.

Limitierte Kollektionen gibt es doch inzwischen von so ziemlich jeder Modefirma…

LACHELLE: …aber die wirken immer so künstlich erschaffen. Wir wollen No Editions nicht als Marketingkonzept missbrauchen, sondern einzigartige Teile herstellen, indem wir über die Drucke etwas Persönliches kreieren.
NIESSEN: Außerdem haben alle Teile eine Seriennummer - bestenfalls entsteht darüber eine Beziehung zum Kleidungsstück.

Einzelstücke für alle - ist das der neue Luxus in einer globalisierten Welt?

NIESSEN: Wir denken, es geht nicht mehr darum, das Teuerste zu kaufen, sondern ein Stück Individualität. Man kann natürlich Individualität durch Luxusgüter herstellen, deren Preis die Konsumentenzahl automatisch beschränkt, aber das ist nicht unsere Intention. Verglichen mit Luxuslabels sind wir nicht teuer. Wir bieten sowohl T-Shirts für 80 Dollar als auch Abendkleider für 1600 Dollar an.

Wie entstehen Ihre Einzelstücke?

LACHELLE: Zuerst entwerfen wir die Kleidform…
NIESSEN: …das ist die Arbeit, die der normalen Kollektionsentwicklung am ähnlichsten ist.
LACHELLE: Die Kleidung ist wie eine Leinwand, die wir gestalten. Dafür benutzen wir die tägliche Sintflut von Informationen und Bildern: aktuelle Nachrichten, Kunstwerke, Texte oder grafische Elemente.

Wie funktioniert das technisch?

LACHELLE: Es hat sich im Digitaldruck viel getan. Uns ist es gelungen, eine spezielle Maschine und eine Drucktechnik zu entwickeln, die es uns ermöglicht, schnell sehr hochwertige, unterschiedliche Motive auf vorgefertigte Stoffe zu drucken.
NIESSEN: Für eine Druckserie erstellen wir häufig Hunderte verschiedene Designs, die wir dann wie einen Film zusammenschneiden: Am Ende sind wir meist bei 20, 30 Einzelstücken, die wir anbieten. Wir haben leider noch kein geeignetes Motiv gefunden für die unendliche Serie.

Interview: Ulrike von Bülow print

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