Dessous-Präsentation Tangas und Popöchen aus Draht


Heutzutage findet man fast in jeder weiblichen Wäscheschublade sexy Strings und Corsagen. Doch das war nicht immer so. Es ist noch gar nicht lange her, dass Liebestöter das "Untenrum" beherrschten, wie die Ausstellung "Reiz und Scham" zeigt.

"Das ist ein Cul de Paris, auch Pariser Popöchen genannt", erklärt die Museumsmitarbeiterin und zupft am Drahtgeflecht einer Modepuppe. Anfang des 19. Jahrhunderts band sich die modebewusste Damenwelt dieses seltsame Gestell gerne über das Hinterteil, um es fülliger und "knackiger" erscheinen zu lassen. Das französische Hinterteil ist eines von 250 Exponaten der Ausstellung "Reiz und Scham" in der einstigen Textilfabrik Cromford im nordrhein- westfälischen Ratingen.

Spitze 50er und platte 20er

In der Präsentation, die gekoppelt mit der Schau "Kleider und Körper seit 1850" in Euskirchen gezeigt wird, steht die weibliche Unterwäsche im Mittelpunkt. Während dazumal Reifröcke der letzte Schrei waren, wurde das "Darunter" im Laufe weniger Frauengenerationen einerseits praktischer, andererseits erotischer. Einige Stationen: Strumpfhalter, Seidiges für die "Femme fatale", panzerartige Mieder und Spitzentüten-BHs der 50er Jahre.

"Die Oberbekleidung hätte sich in den letzten 200 Jahren nicht weiterentwickeln können, wenn sich nicht auch die Unterwäsche verändert hätte", sagt Museumsmitarbeiterin Claudia Gottfried. "Damals wie heute modellieren Frauen ihren Körper durch Dessous. Im 19. Jahrhundert mit engen Korsetts, heute mit Push-Up-BHs."

Unterwäsche für Frauen von Männern

Die Exponate für die Ausstellung spürte Gottfried bei Unterwäschesammler in ganz Deutschland auf. Die große Überraschung: "Interessanterweise waren das alles Männer." In der Ausstellung fallen die simplen BHs der 20er Jahre ins Auge. "Damals wurde die Brust eher flach gedrückt. Erst später ging der Trend langsam zur größeren Oberweite", erzählt eine Textilrestauratorin.

Auffallend auch Uromas weite Baumwoll-Unterhosen, die um 1900 noch bis zu den Kniekehlen reichten. Verglichen damit müssen die modernen, winzigen String-Tangas fast mit der Lupe gesucht werden. "Der Trend geht eindeutig zu immer weniger Stoff", konstatiert eine Museumsmitarbeiterin. Da stecke wohl eine gründliche Veränderung der Frauenrolle hinter. Denn die Doppelbelastung von Familie und Beruf vertrage sich nicht mit engen Korsetts oder Pariser Popöchen.

DPA DPA

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