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Fashion-Show: Barcelona entdeckt die Mode

Während sich in Mailand die Stardesigner bei der Herrenmodewoche noch die Klinke in die Hand geben, kontert Barcelona mit gleich zwei Newcomer-Modeschauen. Und hat damit die jungen Designer auf seiner Seite.

Welche Stadt genießt schon das Privileg, zwei anerkannte Modemessen gleichzeitig zu erleben? In Barcelona finden in dieser Woche die Streetfashion-Messe Bread & Butter und die Laufsteg-Show Pasarela Barcelona statt. Die spanische Modeszene erlebt einen beispiellosen Boom. Einzelhandelsketten wie Zara oder Mango, die vor wenigen Jahren kaum jemand gekannt hatte, breiteten ihr Netz von Filialen in Rekordzeit fast über die ganze Welt aus.

Die Bekleidungsgruppe Inditex, das Mutterhaus von Ketten wie Zara oder Bershka, ist mittlerweile mit fast 2700 Läden in 61 Staaten vertreten. 2005 eröffnete der Konzern die Rekordzahl von über 400 neuen Geschäften. Der unaufhaltsame Siegeszug der großen Ketten ist jedoch nur die eine Seite der spanischen Mode. Die Kehrseite bildet der Bereich der Haute Couture. Bei der Mode für die Reichen und Schönen sowie beim schöpferischen Design kämpfen die Spanier seit Jahren vergebens darum, den Anschluss zur Weltspitze zu gewinnen.

Kreativität nicht "Made in Spain"

"Was die großen Ketten verkaufen, ist keine Kreativität 'made in Spain'", betont die Zeitung "El Periódico". "Zara oder Mango produzieren Kollektionen, deren Design von dem inspiriert ist, was im Vorjahr in den Modeshows gezeigt wurde und was man in den Szenevierteln der Weltmetropolen trägt."

Die Metropolen Barcelona und Madrid können als Modeplätze mit Paris oder Mailand nicht konkurrieren. Dies wird auch bei den zwei aktuellen Messen in Barcelona deutlich. Bread & Butter ist keine spanische Erfindung, sondern eher ein "mediterraner Ableger" einer Messe, die ihren Hauptsitz in Berlin hat. Die Pasarela Barcelona ist das Überbleibsel der großen Gaudí-Modewoche, der die Subventionen gestrichen wurde und die seither in stark geschrumpfter Version von privaten Geldgebern fortgeführt wird.

Shows mit Steuergeldern finanziert

Barcelona hatte jahrelang mit Madrid erbittert darum gerungen, welche Stadt bei der Mode die Nummer eins in Spanien ist. Die Regierungen Kataloniens und der Region Madrid gaben Millionenbeträge für Subventionen aus. In Barcelona erhielten namhafte Designer über 100.000 Euro für die Präsentation ihrer Kollektionen. Die Gaudí-Modewoche, benannt nach dem Architekten Antoni Gaudí (1852- 1926), brachte es auf ein Budget von 3,2 Millionen Euro, fast so viel wie die Messe in Mailand.

Allerdings waren die Laufstegshows in der katalanischen Metropole zu 82 Prozent mit Steuergeldern finanziert worden. In Madrid liegt der Anteil der Subventionen bei 68 Prozent, in Paris bei 50 und in Mailand bei 10 Prozent. In New York gibt es überhaupt keine staatlichen Hilfen. Ein von der katalanischen Regierung in Auftrag gegebener Bericht kam zu dem Ergebnis, dass trotz aller Subventionen das erhoffte Echo ausblieb. In der internationalen Fachpresse spielten Barcelonas Gaudí-Modewochen kaum eine Rolle. Die Regierung entschied daraufhin, der Show in diesem Jahr den Geldhahn abzudrehen.

"Das Dilemma in Spanien besteht darin, dass wir die Mode gerade erst entdeckt haben", erläutert ein Mitarbeiter der Modefirma Devota & Lomba. "In Frankreich gibt es eine alte Tradition von Luxus. In Italien und Frankreich ist die Großfinanz in die Mode eingestiegen, hier in Spanien nicht." Spanier und Spanierinnen, die viel Geld für Kleidung locker machen, geben traditionell ausländischen Marken den Vorzug. "Die Leute haben das Gefühl, dass diese Marken ihnen irgendwie Schutz geben", meint der Designer Antonio Miró.

Hubert Kahl/DPA / DPA