Halloween-Einkauf Leichenteile für jeden Geschmack


Halloween steht vor der Tür - da heißt es in den USA, sich besonders gruselig zu verkleiden. Wer etwas wirklich Originelles braucht, geht zu Abracadabra in Manhattan - dem größten Halloween-Shop Amerikas.

Sensenmänner und überlebensgroße Skelette begrüßen den Besucher am Eingang, Fledermäuse, Haie und Vampire hängen von der Decke, in einem Wasserglas schwimmt ein Hirn. Neben der Kasse liegt ein deutscher Soldatenhelm aus dem Ersten Weltkrieg, ausgegraben auf einem Schlachtfeld. Staunend bahnen sich die Besucher einen Weg durch das Chaos von Masken, Kostümen, Puppen und Tierfiguren. Wer müde wirkt, kann sich auf einem elektrischen Stuhl ausruhen. "Der sieht aber echt aus", sagt eine Touristin und zeigt auf einen Papagei. Im nächsten Moment bewegt sich der Vogel, und sie weicht erschrocken zurück. "Ja, hier kann man manche Überraschung erleben", sagt Paul Blum (56). Er ist Besitzer des Halloween-Himmels.

Die Schatzkammer des Grusels

Das Licht ist schummrig, es tropft aus der Decke und riecht nach Motten und Moder. Aber für Fans ist es eine Schatzkammer. 80.000 Einzelstücke lagern hier, vom zweieinhalb Meter großen Yeti bis zum Reagenzglas für die Giftküche. "Alle zehn Minuten bekommen wir was Neues rein", erzählt Blum. Auf die 12 000 Kostüme greifen auch schon mal Hollywoodstudios und Broadway-Theater zurück. In den beiden letzten Wochen vor Halloween macht er ein Drittel seines Jahresumsatzes. Die Renner in dieser Saison sind Darth-Vader-Masken, Teufelshörner und Gladiatorenpanzer.

Angefangen hat alles 1981. "Ich brauchte dringend Geld, aber niemand hatte einen Arbeitsplatz für mich. Ich hatte noch genau 200 Dollar. Und weil es gerade vor Halloween war, hab ich 170 davon in Hüte mit einem Messer drin investiert. So habe ich aus den 170 Dollar in kurzer Zeit 5000 Dollar gemacht." Auf Flohmärkten begann er, Kostüme, Monsterfiguren und andere Horror-Utensilien zu sammeln. "Eine Zeit lang habe ich überlegt, ein Geschäft in Florida zu eröffnen. Aber dann dachte ich: „Nein, das muss die Welt sehen.“ Und so bin ich nach New York gekommen."

Die Konkurrenz ist mörderisch

In den letzten fünf Jahren allerdings hat sich vieles verändert. "Das Geschäft ist nicht mehr, was es war, die Konkurrenz ist mörderisch." Jeder Supermarkt hat jetzt ein ansehnliches Sortiment an Halloween-Artikeln. Zwischen Windeln und Brotaufstrich finden sich Schädel-Kollektionen, leuchtende Skeletthände für den Vorgarten, Friedhofsmodelle und sogar "Marcus die Leiche mit 7 Lichtern je Körperteil". "Natürlich alles billige Massenware", meint Blum verächtlich. Die großen Ketten haben ihm seine engsten Mitarbeiter abgeworben: "Ich kann niemandem mehr trauen. Die wollen hinter meine Geheimnisse kommen."

Blum ist zwar stolz auf seinen Laden ("Bei mir findet jeder das Leichenteil, das er sucht."), betrachtet ihn als Gesamtkunstwerk. Aber eigentlich hat er sich noch nicht mal als Kind für Halloween interessiert, und jetzt macht er erst recht nicht mit bei der makabren Maskerade: "Ich verbringe schon mein ganzes Leben zwischen diesem Plunder, und, ehrlich gesagt, ich mach’s nicht, weil ich ein Freak bin - ich bin ein Geschäftsmann." Dennoch hat er sich im Laufe der Jahre so seine Gedanken darüber gemacht, was die Leute an seinem Horror-Krempel so reizt: "Das ist das Disney-Prinzip - Eskapismus, Flucht aus der Wirklichkeit." Er selbst aber will endlich das wahre Leben genießen: "Ich hab den ganzen Laden gerade bei eBay angeboten - für 1,2 Millionen Dollar. Mal sehen, ob jemand verrückt genug ist, zuzugreifen."

Christoph Driessen/DPA


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