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Verfahren gegen Trump : Schiedsrichter, Sensenmann, Staatsanwalt: Diese drei spielen beim Impeachment Hauptrollen

Im US-Senat beginnt am Abend die heiße Phase des Amtsenthebungsverfahrens gegen US-Präsident Donald Trump. Drei Männer nehmen dabei zentrale Rollen ein.

Mitch McConnell (l.) John Roberts (M.) Adam Schiff

Wichtige Akteure beim Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump: Mitch McConnell (l.) John Roberts (M.) Adam Schiff

AFP / DPA

Das Amtsenthebungsverfahren gegen US-Präsident Donald Trump wegen Vorwürfen des Amtsmissbrauchs und der Behinderung des Kongresses in der Ukraine-Affäre geht am Dienstagabend im Senat in seine heiße Phase. Neben den Verteidigern des Republikaners spielen dabei vor allem drei Männer zentrale Rollen: der Oberste US-Richter John Roberts, der republikanische Mehrheitsführer im Senat Mitch McConnell und der Anklagevertreter der Demokraten Adam Schiff.

John Roberts: "Schiedsrichter" mit begrenztem Einfluss

Der Präsident des Obersten US-Gerichtshofs hat den Vorsitz über das Amtsenthebungsverfahren - und begibt sich damit vom Supreme Court mitten ins politische Schlachtfeld. Der konservative Jurist hat sein Richteramt einmal mit dem eines Schiedsrichters verglichen. "Schiedsrichter machen keine Regeln, sie wenden sie an." Seine Rolle sei deswegen "begrenzt".

Begrenzt ist sein Einfluss auch beim Amtsenthebungsverfahren: Der 64-jährige Harvard-Absolvent wacht in erster Linie über die Einhaltung der Regeln; die wichtigen Entscheidungen werden von den 100 Senatoren getroffen. Der Richter könnte aber bei Patt-Situationen - also bei einem Stimmenverhältnis von 50 zu 50 - den Ausschlag geben. Das könnte im Streit um eine Vorladung von Zeugen noch eine große Rolle spielen.

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Roberts ist seit 2005 Oberster US-Richter, ernannt wurde er vom damaligen republikanischen Präsidenten George W. Bush. Er gehört dem konservativen Lager an, allerdings machte er 2012 zusammen mit liberalen Richtern den Weg frei für die Gesundheitsreform des damaligen Präsidenten Barack Obama. Trump bezeichnete ihn deswegen vor seiner Wahl zum Präsidenten einmal als "absolute Katastrophe" und "Albtraum".

Auch nach Trumps Einzug ins Weiße Haus gab es einen Konflikt mit Roberts: Als der Präsident einen Bundesrichter als "Obama-Richter" kritisierte, widersprach Roberts öffentlich und verteidigte die Unabhängigkeit der Justiz.

Mitch McConnell: Trumps "Sensenmann" im Senat

Der republikanische Mehrheitsführer im Senat hat im Amtsenthebungsverfahren die Zügel in der Hand. Und der 77-jährige Politikveteran hat früh deutlich gemacht, dass er sich voll für Trump einsetzen will. Er sehe sich nicht als "unparteiischen Geschworenen", sagt der Senator für den Bundesstaat Kentucky. Vielmehr hat er eine "vollständige Koordination" mit dem Weißen Haus zugesagt.

Die Forderung der Demokraten nach Zeugenaussagen hat McConnell bislang abgeblockt: Es sei nicht Aufgabe des Senats, Versäumnisse der "schlampigen" Untersuchung des Repräsentantenhauses auszugleichen.

Der gewiefte Taktiker treibt die Opposition regelmäßig zur Weißglut. In seinem Amt als Mehrheitsführer hat er unzählige Gesetzesvorlagen der Demokraten blockiert. McConnell hat nichts gegen sein Image als "Sensenmann" einzuwenden. Jetzt will er dafür sorgen, dass der Prozess gegen Trump möglichst schnell über die Bühne geht und eine Amtsenthebung vom Tisch ist.

Für McConnell selbst steht einiges auf dem Spiel: Im November will er wiedergewählt werden - und die Wähler im konservativen Kentucky dürften den Senator auch am Impeachment-Prozess messen.

Adam Schiff: Ankläger mit Erfahrung als Staatsanwalt

Wohl kaum einer in Washington kennt das Ukraine-Dossier so gut wie der 59-jährige Abgeordnete aus Kalifornien, der das siebenköpfiges Anklageteam der Demokraten leitet. Als Vorsitzender des Geheimdienstausschusses des Repräsentantenhauses führte der Demokrat bereits die Untersuchung zur Ukraine-Affäre. Er beeindruckte dabei mit Ruhe, Präzision und fehlerfreien Reden ohne Notizen.

Die teils wüsten Attacken republikanischer Abgeordneter brachten Schiff nicht aus der Fassung - gerötete Wangen waren die heftigste Reaktion. Trump beschimpft den Ausschussvorsitzenden regelmäßig als "korrupt" und "krank", aber auch das perlt an Schiff ab.

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Geholfen haben Schiff bei der Untersuchung sicherlich seine Erfahrungen als Staatsanwalt. Er brachte unter anderem einen FBI-Agenten hinter Gitter, der für Russland spioniert hatte.

Der Abgeordnete und begeisterte Radsportler liebt Krimis und schrieb als junger Staatsanwalt selbst ein Drehbuch. Ein Angebot eines Produzenten lehnte er aber ab, weil er in die Politik gehen wollte. Im Jahr 2000 wurde er ins Repräsentantenhaus gewählt.

mad / Erik Schlüter, AFP