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Interview: Diane von Fürstenberg: Jetzt geht's den Fälschern an den Wickel

Die Modemacherin Diane von Fürstenberg will nicht länger hinnehmen, dass ihre Kleider tausendfach kopiert werden. Hier sagt sie den Ideendieben den Kampf an.

Frau von Fürstenberg, Sie haben sich in den Kampf gestürzt gegen Fälscher und andere Ideendiebe in der Modeindustrie.

Die Botschaft lautet, dass mit uns - damit meine ich meine Firma und alle Designer, die ich als Präsidentin des Council of Fashion Designers of America vertrete - nicht mehr zu spaßen ist. Ideenklau ist nach dem Drogenhandel die zweitgrößte illegale Industrie. Wer unsere Ideen klaut, wird gejagt und zur Strecke gebracht.

Welche Übeltäter haben Sie bislang erledigt?

Wir haben einige Dutzend Klagen abgeschickt - etwa an die englischen Modeketten Topshop und River Island.

Was haben diese Firmen verbrochen?

Mein Label DVF ist berühmt für seine Drucke, Stoffmuster und Wickelkleider. Diese Firmen haben unsere Entwürfe kopiert. Das nehmen wir nicht mehr hin.

Wie reagierte Topshop auf Ihre Klage?

Die hatten mehrere Kleider mit unseren Prints kurz nach unserer Modenschau im Sortiment. Üblicherweise antworten diese Firmen mit einem Angebot: Ein paar Prozent Gewinnbeteiligung, und wir sollen die Sache vergessen. Die Ketten haben ein Budget für diese Angelegenheiten, denn bei hohen Stückzahlen sind die Profite größer als eventuelle Strafen. Aber wir lassen uns auf diese Deals nicht mehr ein. Topshop kann nicht ein identisches Design nehmen, es massenhaft produzieren und zum Topshop-Preis anbieten.

Topshop näht immerhin sein Label ein. Andere Kopierer täuschen vor, es handle sich um ein echtes DVF-Produkt.

Die New Yorker Firma Joanna Ha bietet im Internet Kleider aus irgendeiner Fabrik in China an, in die mein Label eingenäht ist. Wir haben Joanna Ha auf eine Million Dollar Schadensersatz verklagt.

Wie kommen Sie den Fälschern auf die Spur?

Unser Anwalt, der schon für Hermès, Montblanc, Cartier gearbeitet hat, empfahl uns Agenturen, die darauf spezialisiert sind, das Internet auf verdächtige Angebote abzusuchen. Besonders bei Ebay waren wir erfolgreich: Am Anfang fanden wir 14.000 gefälschte DVF-Artikel, jetzt sind es meistens nur noch ein paar hundert.

Und wer hilft sonst bei Ihrer Kampagne?

Wir beschäftigen verdeckte Ermittler in China und anderen Ländern, die für uns Fabriken aufspüren, aus denen die Fälschungen stammen. Wir haben auch Informanten bei unseren eigenen Herstellern eingeschleust - es gibt Leute, die unsere Designs an Fälscher verkaufen.

Aber liegt das Hauptproblem nicht bei den Kunden? Die wollen günstig Dinge kaufen, die aussehen wie vom teuren Designer.

Wir müssen das Publikum aufklären. Der Punkt ist: Wir geben nicht enorme Summen für gutes Design aus, damit andere es zu Geld machen. Nehmen wir eine beliebte Rubrik in Modezeitschriften: Da wird ein teures Designer-Outfit neben eine fast identische Kopie für einen Bruchteil des Preises gestellt. Das ist streng genommen eine Aufforderung zum Betrug.

Können Sie und Ihre Helfer diesen Kampf überhaupt gewinnen?

Sie könnten behaupten, auch der Krieg gegen den Terror sei nie endgültig zu gewinnen. Sollen wir deswegen tatenlos zuschauen? Einige Modeketten wie H&M und Zara haben den Wert des Designs seit Jahren erkannt. Sie investieren in ihre Teams und arbeiten mit einigermaßen fairen Mitteln.

Und was tut die Politik?

Die asiatischen Regierungen begreifen langsam, wie wichtig das Urheberrecht ist. Wenn wir die Leute, die die Ideen liefern, nicht beschützen, entstehen bald keine Ideen mehr, die man klauen könnte.

Interview: Lars Jensen

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