Mode Mode in der Pole-Position


Die Supermodels Eva Padberg und Elena K. bei der Formel 1: Mit den heißesten Teilen der Saison brachten sie in Monza die Rennfahrer auf Touren, und Teamchef Eddie Jordan drehte auf.

Eddie Jordan lässt sein Frühstück abräumen, auch die Maniküre ist erledigt, er macht eine einladende Geste: Herein. Da sitzt er also in seinem mobilen 1,5-Millionen-Euro-Büro, das sich bescheiden Motorhome (zu Deutsch Wohnmobil) nennt. Lederpolster, edle Hölzer, Dachterrasse mit Blick über das Fahrerlager. Hier arbeitet der 55-jährige Teamchef und zugleich letzte Rockstar der Formel 1.

Herr Jordan, Sie scheinen unseren Besuch zu genießen.

O ja, und diese Mädchen! Mein Gott, sind die schön. Wenn ich eine von den beiden zum Abendessen ausführen dürfte, ich wüsste nicht, für welche ich mich entscheiden würde.

Sind Sie nicht ein Profi in diesen Dingen? Immerhin verdankt Deutschland Ihnen den Begriff des Boxenluders.

Boxenluder? Was ist ein Boxenluder?

Mädels wie Katie Price, die im Auftrag Ihres Rennstalls ihre Plastikbrüste durch das Fahrerlager geschoben haben. Nie gehört?

Katie ist in der Tat zu einem Problem geworden. Wir hatten die mal für ein paar Fotos engagiert, und letztlich hat die sich dann beinahe umbenannt: in Jordan. Deswegen haben wir das auch irgendwann gestoppt. Aber was soll ich sagen? Sie ist ein nettes Mädchen, das Marketing für sich selbst macht. So was hat Tradition in England, denken Sie an Emma Noble. Die hat den Sohn eines Premierministers geheiratet.

Auch Sie haben eine erstaunliche Karriere gemacht. In einer Bank gelernt, Gebrauchtwagen vertickt, auf dem Markt in Dublin mit Fisch und Teppichen gehandelt. Und nun gehören Sie zu den 500 reichsten Briten. Was können wir von Ihnen lernen?

Die reichsten 500? Ich glaube, das hat sich schon wieder geändert.

Sie sind aber auch keiner der 500 ärmsten.

Um die Formel 1 ist in den vergangenen Jahren ein irrsinniger Hype gemacht worden, das bringt Geld, klar. In meinen Anfangsjahren stand ich noch kurz vor der Pleite. Als ich vor ein paar Jahren 50 wurde, habe ich mir überlegt, dass ich meiner Familie das Leben mit diesem finanziellen Risiko nicht mehr zumuten kann...

Wie alt sind Ihre Kinder?

23, 20, 17 und 14. Stellen Sie sich vor, mir passiert etwas. Also habe ich, in den guten Zeiten, ein paar Pfund aus dem Unternehmen genommen und einen Fonds für meine Familie angelegt.

Ein paar Pfund? Sie haben Anteile im Wert von 40 Millionen an eine Bank verkauft.

Na ja, ziehen Sie mal die Steuern davon ab.

Das Leben als Formel-1-Fahrer oder Teamchef stellen wir uns echt aufregend vor: Privatflugzeuge, Yachten und Villen an den schönsten Plätzen dieser Erde. Atemberaubende Frauen. Haben wir was vergessen?

Aufregende Frauen? Ich habe nur eine, seit 25 Jahren. Flavio Briatore war in der Zeit 25-mal verlobt.

Was, bitte, ist sein Geheimnis?

Das kann ich Ihnen nicht sagen, solange ihr Aufnahmegerät läuft.

Okay, wir schalten es ab.

Nein. Über Flavio darf ich nichts ausplaudern.

Erzählen Sie uns wenigstens, wie groß Ihre Sunseeker-Yacht ist?

Ach, alles lange her. Das Einzige, was mir geblieben ist, sind die vier Kinder und die Frau.

Jetzt enttäuschen Sie uns nicht!

Ehrlich, das Boot existiert zwar noch, aber als ein eigenes Geschäft: Es wird verchartert. Neulich sind ein paar Russen damit vor Porto Cervo rumgeschippert, im Moment liegt es vor St. Tropez. Es war ein Zugeständnis an die Mitarbeiter; ich konnte die Löhne zum Teil nicht mehr zahlen, da muss ich eben auch verzichten.

Kein Flugzeug mehr?

Ob Sie?s glauben oder nicht. Heute ist mein Glückstag, und jemand nimmt mich mit zurück nach England. Das erste Mal dieses Jahr, ansonsten immer mit Easyjet oder Ryanair.

Jetzt übertreiben Sie aber.

Ernsthaft. Wir haben sogar ein Bonussystem in der Firma eingeführt - derjenige, der am meisten gespart hat während der Woche, kriegt eine Belohnung. Ich erzähle Ihnen jetzt eine wahre Geschichte: Vor ein paar Monaten kam ein junges Mädchen in mein Büro und sagte, diese Woche werde sie den Preis gewinnen, weil sie das Team für 39 Pfund auf eine Maschine nach Frankreich gebucht hat. Und als ich mir das genauer angeschaut habe, waren das nicht 39 Pfund pro Person, sondern für alle 40 Leute.

Hoffentlich kommt unser Chefredakteur nicht auf solche Ideen. Was hat die Gute denn dafür gekriegt?

Eine kleine Belohnung und riesige Anerkennung vor versammelter Mannschaft.

Sie zerstören unsere Illusionen.

Ihre Klischeevorstellung von der Formel 1 gibt es ja auch noch, aber da müssen sie im Fahrerlager ein paar Meter weiter gehen.

Wie wachsen denn Ihre Kinder auf? Auch in und mit dieser Scheinwelt?

Jein. Natürlich haben sie viel mitgekriegt von der Formel 1, aber sie sind normal geblieben. Meine älteste Tochter hat gerade ihr Studium abgeschlossen und arbeitet in einer Londoner Bank als Aktienhändlerin. Die nächste fühlt sich Irland mehr verbunden und ist zum Studieren dorthin gezogen. Sie wohnt jetzt bei ihrer Großmutter.

Wir sehen hier Paul-Smith- und Gucci-Einkaufstüten rumstehen. So schlecht kann?s Ihnen gar nicht gehen.

In der Paul-Smith-Tüte sind Socken drin und ein paar Flaschen Aceto Balsamico, die ich hier gekauft habe. Und, okay, die Gucci-Klamotten sind ein Geschenk für meine Frau. Ich habe eine alte, enge Beziehung zu den Gucci-Leuten, deshalb kriege ich auch einen Super-Discount.

Interessieren Sie sich für Mode?

Schon, aber ich verstehe dieses Geschäft einfach nicht. Da ändert sich alles so wahnsinnig schnell. Nehmen Sie Gucci. In einem Jahr könnte ich den ganzen Laden leer kaufen, im Jahr drauf gefällt mir gar nichts. Ganz ehrlich, was eure Mädels hier tragen, das gefällt mir, das kann ich noch nachvollziehen. Aber die Klamotten, die auf den Laufstegen präsentiert werden, wer soll denn das tragen? Und wenn Sie in Mailand shoppen gehen, versuchen all die Pradas und Guccis genau diese Sachen zu verkaufen. Ist doch irre.

Kommt Ihre Frau zu allen Rennen mit?

Nur zu dreien. Silverstone, weil die Rennstrecke gleich auf der anderen Straßenseite von unserer Fabrik liegt. Monaco wegen der Party. Und Monza zum Shoppen, weil Mailand um die Ecke ist. Da machen wir auch immer noch ein paar Tage Familienferien draus - einen richtigen Sommerurlaub kriegst du nicht in der Formel 1.

Der alte Mythos der Formel 1 erzählt von schnellen Autos, Glamour und Sex. Stimmt das überhaupt noch?

Nein. Dieses Business ist seriös geworden. Und langweilig. So langweilig wie Profisport an sich. Wir brauchen wieder neue Charaktere. Verrückte. Große Stars. Das Geschäft ist aber so seriös geworden, dass du dir Verrücktsein nicht leisten kannst. Wir haben keinen Muhammad Ali mehr oder John McEnroe oder Beckenbauer. Ich kenne gar keinen mehr, der in eurer Fußballnationalmannschaft spielt.

Wir kennen die auch nicht alle.

Sehen Sie! Es fehlen einfach Persönlichkeiten. Bei dem Druck durch Trainer oder Sponsoren können sich die Sportler gar nicht entfalten. Kein Wunder, dass die Einschaltquoten zurückgehen. Natürlich braucht man gerade in der Formel 1 Disziplin. Trotzdem muss sie sich verändern, attraktiver werden, offener für die Fans.

Wie meinen Sie das?

Die Leute müssen die Chance haben, die Fahrer zu treffen, anzufassen. Da muss mehr Rock ?n? Roll sein, abends Konzerte an der Strecke, solche Sachen. Wir brauchen mehr Unterhaltung als den Lärm von Motoren, wir brauchen Glamour. Sie sehen doch, was los ist, wenn Ihre Girls im knappen Röckchen durchs Fahrerlager stöckeln - die Fotografen drehen durch.

Ihr Giancarlo Fisichella hat uns ja etwas enttäuscht. Der hatte richtig Angst vor den Models. Er hat gesagt, er sei verheiratet...

Früher hätten die Fahrer ein Date für später ausgemacht. Hier war mal mehr Atmosphäre, mehr Würze, verstehen Sie? Ich spiele in einer Rockband, wir treten bei fast jedem Rennen auf. Und was sagen die Leute? Eddie ist nicht seriös genug. Unsinn! Was ich nach 20 Uhr mache, ist meine Sache. Ich gehe nicht in mein Zimmer und ziehe eine Linie Koks durch, ich spiele mit meiner Band V-Ten zu Wohltätigkeitszwecken, das liebe ich. Neulich sind wir in Silverstone aufgetreten vor 12 000 Leuten, als Vorgruppe von Status Quo.

Und welches Instrument spielen Sie?

Schlagzeug, leider. Im Hintergrund.

Hat Ihnen Ihr flippiges Image eine Marktnische in der Formel 1 gesichert?

Sagen wir so, unsere Publicity übertrifft öfter unsere Leistung auf der Strecke. Unsere Autos haben eine andere, eine aggressivere Farbe, wir verbreiten Spaß. Unser Stil ist aufregender. Und: Wir können Rennen gewinnen.

Und was ist die Botschaft?

Meine Biografie sagt den Leuten: Hey, der Typ kommt aus einfachen Verhältnissen und jetzt besitzt er eins von zehn Formel-1-Teams. Aber wenn ich nach Hause komme, muss ich wieder der normalste Vater der Welt sein. Sonst machen die mich fertig daheim.

Interview: Markus Götting/Elke Reinhold


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