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Modetrends: Auferstehung des Altmeisters

Als Cristobal Balenciaga sein Modehaus 1968 schloss, verbarrikadierte sich Mona von Bismarck vor Trauer in ihrem Zimmer. Dass Balenciaga fast 40 Jahre später sein großes Comeback feiern würde, hätte damals niemand für möglich gehalten.

"Die Mode wird nie mehr sein, was sie einmal war." Dieser Aufschrei ging durch die Modewelt, als Cristobal Balenciaga 1968 sein legendäres Pariser Couture-Haus schloss. Angesichts der damaligen gesellschaftlichen Umwälzungen meinte der spanische Designer, dass kein Platz mehr sei für Luxus und Eleganz. Was würde er, der kurz darauf starb, wohl heute über sein erstaunliches Comeback sagen? Mit der neuen, klaren Linie, die die nun in die Läden kommende Wintermode prägt, ist auch der Name "Balenciaga" wieder in aller Munde. Der architektonische Aufbau seiner Entwürfe begeistert gerade jüngere Designer, und so ist das Spiel mit Form und Volumen das große Thema der Saison.

Schlichte Eleganz

Schlichte, doch atemberaubend geschnittene Tageskleider sowie prachtvolle Abendroben waren Balenciagas Markenzeichen. Er brachte die Matrosenbluse in Mode, lancierte Cape-Boleros sowie Tunika- Kleider und schuf durch Stehkragen, abgerundete Kanten und hoch geschwungene ovale Formen den Inbegriff vornehmer Eleganz. Gerade diese Ei-Form ist jetzt wieder "en vogue".

Nicolas Ghesquière nutzte sie in allerlei Varianten für die Mode im Herbst/Winter 2006/07, ob bei kurzen zweireihigen Mänteln in strahlendem Weiß, Röcken mit steif abstehenden Volants oder schmalen Kleidern aus geprägter Seide. Ghesquière ist seit 1998 Chefdesigner des Hauses Balenciaga und gilt inzwischen als unangefochtener Trendsetter der Mode-Elite. So deutlich wie in dieser Saison hat er den Altmeister noch nicht zitiert. Modernität bringen schmale Hosen, superkurze Röcke und Plateausohlen.

Albert Kriemler, Designer und Chef des Schweizer Labels Akris, ist ebenfalls ein Schnittkünstler, und die leicht elliptische Form seiner kostbaren pelzverbrämten Mäntel und kühnen Stehkragen-Jacken ergibt mit schmalen Hosen oder Röcken eine bestechende neue Silhouette. Elliptische Rundungen sah man auch bei Chloé, Hussein Chalayan oder Saint Laurent. Und bei fast allen Balenciaga-Verehrern kommt noch ein Schuss Courrèges und 60er-Jahre-Futurismus hinzu. Balenciagas Schüler André Courrèges übersetzte seinerzeit dessen Geometrie in lineare Formen, fügte ihr viel Sexyness, grafische Muster, flache Stiefel und nicht zuletzt den Minirock hinzu.

"Unser aller Meister"

Passend zur neuen Balenciaga-Begeisterung zeigt das Pariser Modemuseum noch bis Ende kommenden Januars eine große dem Designer gewidmete Ausstellung mit 160 Exponaten. Ihre fantastische Verarbeitung macht klar, warum ein Stardesigner wie Christian Dior den Spanier als "unser aller Meister" bezeichnet hat. Eine andere Schau in Paris hat schon im vergangenen Frühjahr die Verbindung Balenciagas zu einer Stil-Ikone seiner Zeit beleuchtet. Sie zeigte zahlreiche Kleider, die der "Architekt der Mode" für die elegante Gesellschaftsdame Mona von Bismarck kreiert hat.

Der gebürtige Baske, der selbst aus einfachen Verhältnissen stammt, zog Prominente wie Barbara Hutton, Marlene Dietrich und Ingrid Bergman an. Als er - 42-jährig - 1937 auf der Flucht vor dem Spanischen Bürgerkrieg nach Paris kam, war er in seiner Heimat schon berühmt. Und in den rund 30 Jahren, in denen er die französische Mode dominierte, feierte er einen Erfolg nach dem anderen. Die Arbeit war seine Leidenschaft, über das Privatleben des stillen und vornehm wirkenden Meisters weiß man wenig.

Begründer der Mode-Zukunft

Als er sein Modehaus zumachte, soll sich Mona von Bismarck aus Kummer drei Tage lang in ihrem Zimmer eingeschlossen haben. Balenciaga selbst zog wieder nach Spanien, wo er 1972 starb. Dass seine Entwürfe Pop-Generation und Hippie-Mode unbeschadet überdauert haben, beweist sein jetziges Revival. Ein Satz der Fotografen Cecil Beaton über Balenciaga gilt nach wie vor: "Er hat die Zukunft der Mode begründet."

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Stefanie Schütte/ DPA / DPA