HOME

OSCAR-STYLE: Mode als schillernde Eigenwerbung

Stars, die in der Oscar-Nacht stilistisch daneben greifen, haben schlechte Karten für den Rest des Jahres. Den Schwarzen Peter zog im vergangenen Jahr die isländische Sängerin Björk.

Gewagte Kurven und Einblicke, extravagante Frisuren und glitzernder Schmuck werden auch diesmal wieder auf dem roten Teppich zu sehen sein, wenn am 24. März in Los Angeles die Oscars vergeben werden. Welche Raffinessen Top-Designer wie Chanel, Yves Saint Laurent, Oscar de la Renta oder Versace entwerfen, um die Stars und sich selbst zum Gespräch von ganz Hollywood zu machen, kann manchmal wichtiger sein als die Film-Trophäe selbst.

Kein Pardon für schlechten Geschmack

Schauspielerinnen, die an diesem Abend stilistisch daneben greifen, haben schlechte Karten für den Rest des Jahres. Den Schwarzen Peter zog im vergangenen Jahr die isländische Sängerin Björk, als sie im Schwanenkostüm auftauchte. »Unmöglich« urteilten die konservativen Stylisten und prangerten sie immer wieder gern als abschreckendes Beispiel an.

Die Zeit der modischen Mäßigung ist vorbei

Modische Zurückhaltung aus Respekt für die Opfer der Terroranschläge wie noch bei den »Emmys« im November, als die Veranstalter um »elegante Geschäftsgarderobe« baten, ist jedenfalls nicht mehr angesagt. Spätestens seit den »Golden Globes« im Januar, wo Nicole Kidman im hochgeschlitzten schulterfreien Abendkleid auftrat, fühlte sich die Glamour-Welt vom Diktat befreit: »Sie wollen alle atemberaubend aussehen und das werden sie auch«, versprach Designer Mark Badgley vom Modeteam Badgley Mischka, das Stars wie Jennifer Lopez und Julie Christie in edle Stoffe hüllt. Auch die für einen Oscar nominierte Halle Berry gehört zu seinen Kundinnen.

Vielfalt ohne Grenzen

»Es ist Zeit für viel Fantasie«, befindet der Hollywood-Stylist Cary Fetman, der Stars wie Heather Locklear, Sting und Julia Louis- Dreyfus berät. Er sagt für die Oscar-Gala sogar auffallende Abendkleider im »Cinderella-Stil« voraus, hieß es im Magazin »People«.Zwei spektakuläre Entwürfe sind bereits im Gespräch: Das Fünf-Millionen-Dollar-Kleid (5,68 Millionen Euro) der Designerin Anne Bowen und die Pumps von Stuart Weitzman im Wert von einer Million Dollar. Beide Stücke sind mit wertvollen Diamanten besetzt. Bisher steht noch nicht fest, wer darin glänzen darf. Bowen jedenfalls hatte in früheren Jahren Hollywood-Größen wie Catherine Zeta Jones, Elizabeth Hurley, Kim Cattrall und Cindy Crawford eingekleidet. Sängerin Faith Hill hat sich für die Weitzman-Schuhe in die Reihe gestellt. Eines ist klar: Wer auch immer in den Genuss der kühlen Steine kommen wird, sollte sich aus Sicherheitsgründen auch gleich ein paar grimmig dreinschauende Bodyguards besorgen.

Lieber Beinkleider als Schwan am Hals

Für alle andern gilt: Um aufzufallen, müssen die Damen in diesem Jahr zu Beinkleidern greifen. Das jedenfalls ist der Tipp, den Fetman seinen Klientinnen gibt: »Jemand mit einem sehr sicheren Händchen für Stil kann Hosen tragen. Vielleicht gibt es auch einen, der sich traut Cocktail-Länge zu präsentieren. Alles, was gegen die strikte Oscar-Regel vom langen Abendkleid geht, wird Furore machen«. Auch seine Kollegin, die Stilberaterin Rachel Zoe Rosensweig, erwartet kürzere Längen und Kleider im »Audrey Hepburn Stil«. Modischer Fauxpas sind nach Rosensweigs Meinung hauchdünne Stoffe mit viel Durchblick, das solle man sich für die MTV-Preisverleihung aufheben. Mit einem Schwan um den Hals wird wohl sowieso keine mehr auftauchen.

Wenig Aufmerksamkeit für Männer

Kaum beachtet werden übrigens die Herren auf dem roten Teppich, denn sie tragen fast ausschließlich Uniform: einen gut geschnittenen Smoking. So galt es schon als erfrischende Ausnahme, als Jack Nicholson 1972 ein buntes Kunst-Shirt statt des weißen Hemds unter seinem Frack trug.

Carla S. Reissman