Wer steckt hinter... ...dem Lacoste-Krokodil?


1927 nähte sich René Lacoste ein Krokodil auf sein Tennishemd - und schuf damit das erste Mode-Emblem. Heute führt sein Enkel Philippe die Familientradition fort.

Seine erste Begegnung mit einem echten Krokodil hatte Philippe Lacoste im Central Park. Lacoste war 2003 nach New York gekommen, um einer Premiere beizuwohnen: Zum ersten Mal sollte das französische Label, vor allem bekannt für seine Polohemden, sich auf der hiesigen Modenschau präsentieren. "Im Zoo des Central Park stellte man mir einen chinesischen Alligator vor", erinnert sich Lacoste, "er war 1,50 Meter groß. Näher als dort möchte ich einem Krokodil niemals kommen."

Was wäre das für eine Überschrift: "Lacoste fürchtet sich vor Krokodilen!" Doch Philippe Lacoste arbeitet nun mal nicht als Raubechsenforscher, sondern als Textilunternehmer, und ein Krokodil gehört für ihn nicht in Schnappweite, sondern auf ein Hemd, oben links, knapp über dem Herzen. Dorthin, wo es sein Großvater einst aufnähte. Der 37-Jährige wirkt, wie er sagt, als "Außenminister" des Familienunternehmens mit Hauptsitz in Paris. Gegründet wurde die Firma 1933 von René Lacoste (1904-96), einem ehemaligen Tennisspieler, der in den 20er Jahren dreimal die French Open und zweimal Wimbledon gewann.

Das Krokodil wurde zum ersten Logo der Modewelt

Aus jener Zeit stammt auch der Beiname "Le Crocodile". René erhielt ihn nach einer Wette, bei der ein Koffer aus Krokoleder als Einsatz fungierte. Der Spitzname wurde 1927 zum Label, als Lacoste sich ein Krokodil auf sein Tennishemd nähte - und somit das erste Logo in der Modewelt erfand: Nie zuvor war ein Kleidungsstück mit einem Markenemblem verziert worden. René Lacoste erklärte das Krokodil auf seine Weise: "Es spiegelt meinen Kampfgeist wider: Niemals die Beute hergeben!"

Mit dem Polohemd, intern mit den Artikelnummern 1212 (für Männer) und 1512 (für Damen) geführt und gefertigt aus 230 Gramm Baumwolle, wurde La Chemise Lacoste, so der ursprüngliche Firmenname, berühmt; schon in den 30er Jahren sollen 300000 Pikeestücke verkauft worden sein. Später prangte das Krokodil auf der Brust von Dwight D. Eisenhower, Winston Churchill, Aristoteles Onassis sowie von Jackie Kennedy, Grace Kelly und Romy Schneider.

Heute gibt's die Hemden auch in Pink

Als das Krokoshirt in den 80er Jahren zum Lieblingsstück von jungen Schnöseln avancierte, die außerdem gern seinen Kragen hochklappten, geriet der gute Ruf der Firma ins Schlingern; erst die Verpflichtung des Designers Christophe Lemaire im Jahr 2001 führte zu einer Wiedergeburt des Labels in der Modewelt. "Früher pflegten wir unseren College-Stil mit braven Schnitten und Farben", sagt Philippe Lacoste rückblickend, "heute sind wir adrett mit einem Twist." Frei übersetzt: Lacoste-Hemden ähneln einer Tochter aus gutem Hause, die sich immer auch ein paar reizende Frechheiten erlauben darf.

Die Familie Lacoste zählt aktuell 35 Mitglieder; ihr Oberhaupt ist nun Michel, der Vater von Philippe, der seinen Sohn beauftragt hat, als das Gesicht der Marke zu fungieren. 65 Prozent des Unternehmens befinden sich in Familienbesitz; der andere Teil gehört der Schweizer Maus Frères Holding.

Philippe Lacoste macht seit seinem Erlebnis in New York übrigens einen Bogen um Terrarien: Krokodile sind ihm unheimlich.

Oliver Creutz print

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