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Atomkatastrophe in Japan: Liveticker: Auch Meerwasser radioaktiv belastet

Die Situation im japanischen Katastrophen-Kraftwerk Fukushima 1 bleibt angespannt. Die Strahlengefahr wächst. Die Ereignisse im Liveticker.

+++ 19.22 Uhr: Offenbar auch außerhalb der Evakuierungszone hohe Strahlenwerte +++

Die Strahlungswerte in Fukushima sind nach Informationen der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA auch außerhalb der Evakuierungszone hoch. Nach Messwerten von Sonntag, auf die sich die IAEA beruft, lagen die Werte außerhalb der 20-Kilometer-Zone teils erheblich über der natürlichen Strahlung. "Da muss man sich etwas überlegen", sagte ein hochrangiger IAEA-Beamter auf die Frage, ob eine Erweiterung der Evakuierungszone notwendig sei.

Am Sonntag wurde nach IAEA-Informationen beispielsweise 58 Kilometer vom Atomkraftwerk entfernt eine Strahlung von 5,7 Mikrosievert pro Stunde gemessen. Der von der IAEA empfohlene Strahlengrenzwert für einen normalen Erwachsenen liegt bei 1 Millisievert (1000 Mikrosievert) pro Jahr

+++ 18.09 Uhr: Offenbar auch Meerwasser belastet +++

Nach der Katastrophe im Atomkraftwerk Fukushima 1 ist auch das Meerwasser radioaktiv belastet. In der Nähe der Anlage sei im Wasser ein deutlich höherer Wert an radioaktivem Jod aufgetreten, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo am Dienstag (Ortszeit). Auch der Cäsium-Wert im Wasser sei erhöht gewesen. Der Kraftwerksbetreiber Tepco erklärte, es sei aber noch zu früh, um die Auswirkungen der Verseuchung auf die Fischerei zu beurteilen.

+++ 17.57 Uhr: US-Soldaten in Japan erhalten Jodtabletten +++

Das US-Militär hat am Montag damit begonnen, Jodtabletten an in Japan stationierte amerikanischen Soldaten und deren Familien zu verteilen. Nach US-Medienberichten werden die Pillen zum Schutz vor Schilddrüsenkrebs durch radioaktive Strahlung auf vier verschiedenen Stützpunkten in Japan ausgegeben.

Es handele sich dabei um eine reine Vorsichtsmaßnahme, zitiert die Zeitung "Stars and Stripes" das US-Militär. Derzeit gebe es keine Hinweise darauf, dass US-Soldaten und deren Familien gesundheitsschädlicher Strahlung ausgesetzt seien. Sie sollten die Tabletten auch erst dann einnehmen, wenn sie ausdrücklich dazu aufgefordert würden.

+++ 17.27 Uhr: Behörde warnt vor jahrzehntelanger Verseuchung +++

Die radioaktive Verseuchung im Umkreis des japanischen Atomkraftwerkes Fukushima wird nach Einschätzung der französischen Atomaufsichtsbehörde (ASN) jahrzehntelang andauern. Aus dem beschädigten Kraftwerk im Nordosten Japans entwichen nun "in bedeutendem Maß" radioaktive Stoffe, und der radioaktive Niederschlag dauere an, stellte die Behörde am Montag fest. "Man muss sich deshalb darauf einstellen, dass Japan mit den Folgen dieses Niederschlags auf seinem Boden dauerhaft umgehen muss", sagte ASN-Leiter André-Claude Lacoste. Das Problem werde "Jahrzehnte und Aberjahrzehnte" bestehen bleiben.

+++ 16.30 Uhr: Angst vor verstrahltem Wasser - Verkaufsverbote für Milch +++

In den japanischen Krisengebieten steigt nach den Havarien im Atomkraftwerk Fukushima die Strahlenbelastung in Lebensmitteln und Trinkwasser. Für vier Präfekturen verhängte die Regierung am Montag ein Lieferverbot für Milch und mehrere Gemüsesorten. Ein komplettes Dorf in der Fukushima-Region darf kein Leitungswasser mehr trinken. Die Weltgesundheitsorganisation WHO ist über die Belastung von Lebensmitteln "stark besorgt", wie ein Sprecher in Genf sagte.

+++ 14.50 Uhr: Tepco hat Inspektionen geschwänzt +++

Knapp zwei Wochen vor dem schweren Erdbeben räumte AKW-Betreiber Tepco in einem jetzt bekanntgewordenen Schreiben an die Aufsichtsbehörde ein, in Fukushima regelmäßige Kontrollen unterlassen zu haben. Insgesamt 33 Ausrüstungsgegenstände seien nicht untersucht worden, teilte Tokyo Electric Power Co am 28. Februar in einem Bericht an die Aufseher mit, der auf der Internetseite des Unternehmens einzusehen war. Zu den nicht inspizierten Teilen gehörten unter anderem ein Motor und ein Notstromaggregat im Reaktorblock 1 der Anlage. Der Ausfall der Notstromversorgung gilt als Ursache für das Reaktor-Unglück.

+++ 14.35 Uhr: Über Fukushima-Block 2 wahrscheinlich Dampf, kein Rauch +++

Beim weißen Qualm über dem havarierten Block 2 des Unglückskraftwerks Fukushima 1 handelt es sich wahrscheinlich um Dampf und nicht um Rauch. Das meldet die japanische Nachrichtenagentur Kyodo. Der Dampf komme vermutlich auch nicht aus dem Abklingbecken. Die genaue Ursache war weiter unklar. Zuvor war bereits über Block 3 grauer Rauch aufgestiegen, der bis zum frühen Abend (Ortszeit) wieder verschwand.

+++ 13.28 Uhr: Tepco zahlt womöglich Entschädigung für Bauern +++

Der Betreiber des stark beschädigten Kernkraftwerks Fukushima Eins will womöglich eine Entschädigung an Bauern in der Region zahlen. Wie die Nachrichtenagentur Kyodo am Montagabend (Ortszeit) berichtete, habe Tepco das angedeutet. Für vier Präfekturen hat die Regierung ein Lieferverbot für Milch und mehrere Gemüsesorten verhängt. In der Gegend um das havarierte Atomkraftwerk wurden unter anderem verstrahlte Milch und verstrahlter Spinat gefunden. Das Lieferverbot gilt für die Regionen Fukushima, Ibaraki, Tochigi and Gunma.

+++ 13.10 Uhr: Bald wieder Strom für Block 4 +++

Die Regierung teilt mit, Reaktorblock 4 werde sehr bald mit Strom versorgt. Es wird gehofft, dass so die Kühlanlage wieder anspringt.

+++ 12.50 Uhr: Feuerwehr muss Arbeit aussetzen +++

Feuerwehrleute haben nach Angaben der japanischen Regierung ihren Einsatz zur Kühlung von Reaktorblock 3 ausgesetzt, nachdem nun doch wieder Rauch zu sehen war.

+++ 12.30 Uhr: Internationale Atomenergieorganisation IAEA weiter in Sorge +++

Die Lage in Japan bleibt infolge der Probleme am AKW Fukushima I nach Einschätzung der Internationalen Atomenergieorganisation IAEA "sehr ernst". Zugleich erklärt der japanische Chef der UN-Behörde, er habe keine Zweifel, dass die Krise gemeistert werde.

+++ 11.55 Uhr: Zunächst keine neue Rauchentwicklung in Block 3 +++

Die Nachrichtenagentur Kyodo meldet unter Berufung auf Japans Atomsicherheitsbehörde, es steige kein Rauch mehr aus Block 3 auf.

+++ 10.03 Uhr: Japan verbietet Milchlieferung aus Fukushima +++

Die japanische Regierung zieht Konsequenzen aus Warnungen über wahrscheinlich erhöhte Strahlenwerte in Lebensmitteln aus den verseuchten Gebieten. Sie verbietet die Lieferungen von Frischmilch aus der Präfektur Fukushima sowie von Spinat aus mehreren angrenzenden Bezirken.

+++ 9.27 Uhr: Japan kann Kosten stemmen +++

Japan kann die enormen Kosten für den Wiederaufbau der durch das Jahrhundertbeben zerstörten Infrastruktur nach Einschätzung der Ratingagentur Moody's stemmen. "Die japanische Regierung hat die finanzielle Kraft und Kreditwürdigkeit, um mit der Katastrophe fertig zu werden", sagt Moody's-Experte Thomas Byrne am Montag. Die Kosten dürften doppelt so hoch ausfallen wie nach dem schweren Erdbeben von Kobe 1995. Experten schätzen den Schaden auf mehr als 170 Milliarden Euro. Die Regierung hat bereits einen Nachtragshaushalt angekündigt, der zu einem Großteil über neue Schulden finanziert werden dürfte.

+++09:08: AKW Fukushima teilweise evakuiert+++

Teile des havarierten japanischen Atomkraftwerks Fukushima sind evakuiert worden. Die Arbeiter, die sich in der Nähe des Reaktors 3 befunden haben, seien in Sicherheit gebracht worden, weil grauer Rauch aus dem Reaktorgebäude aufsteige, teilte der Betreiber Tepco mit. In den Brennelementen dieses Reaktors befindet sich hochgefährliches Plutonium.

+++05:30: Reaktoren 5 und 6 wieder am Stromnetz+++

Japans Atombehörde bestätigt, dass die Reaktorblöcke fünf und sechs wieder ans Stromnetz angeschlossen wurden. Der Druck in Reaktor drei steigt wieder. Japans Gesundheitsminister warnt Anwohner im Gebiet des AKW Fukushima davor, Leitungswasser zu trinken. Die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete unter Berufung auf das Gesundheitsministerium in Tokio, Messungen in Iitate hätten Werte von 965 Becquerel Jod pro Liter Leitungswasser ergeben. Der Grenzwert liege aber bei 300 Becquerel, heißt es auf der Website des Dorfes Iitate, das innerhalb der 30-Kilometer Zone um das AKW Fukushima liegt.

+++01:24: Kühlung mit Wasserwerfern wird fortgesetzt+++

Die Einsatzkräfte im Atomkraftwerk Fukushima haben die Kühlung von beschädigten Reaktoren mit Wasserwerfern fortgesetzt. Die Feuerwehrmänner und Soldaten der japanischen Streitkräfte besprühten die Reaktorblöcke drei und vier mit Meerwasser. 350.000 Menschen harren noch in Notunterkünften aus. Zehntausende verbrachten eine weitere Nacht in bitterer Kälte und Regen.

+++00.20 Uhr: Wieder Erdbeben in Region Fukushima+++

Ein weiteres Erdbeben hat am frühen Montagmorgen (Ortszeit) die Präfektur Fukushima im Nordosten von Japan erschüttert. Wie die Nachrichtenagentur Kyodo meldete, hatte es eine Stärke von 4,7. Angaben zu Verletzten oder Schäden gab es nicht. Demnach war das Beben auch in unmittelbarer Nähe des havarierten Atomkraftwerks Fukushima Eins zu spüren.

Über die Ereignisse in Fukushima haben wir Sie schon in den letzten Tagen informiert. Den Liveticker zum Nachlesen finden Sie hier.

kbe/DPA / DPA