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+++ Japan-Katastrophe +++: Liveticker: IAEA rät zu größerer Evakuierungszone

Die IAEA empfiehlt eine Ausweitung der Evakuierungszone um das AKW Fukushima. Inzwischen hat der Wind in Richtung Tokio gedreht. Die Ereignisse im Liveticker.

+++ 17.22 Uhr: Merkel sagt Japan Unterstützung zu +++

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Japan Hilfe bei der Bewältigung der Atom-Krise und bei den Folgen des verheerenden Erdbebens zugesagt. In einem 20-Minuten dauernden Telefonat mit Ministerpräsident Naoto Kan habe der japanische Regierungschef Merkel zudem versichert, dass Japan die internationale Gemeinschaft weiter umfassend über das Krisenkraftwerk Fukushima unterrichten werde, wie die Nachrichtenagentur Kyodo meldet. Ein Regierungssprecher in Berlin bestätigt, dass Merkel mit Kan telefoniert hat. Über den Inhalt des Gesprächs war er nach eigenen Worten nicht informiert.

+++ 17.18 Uhr: IAEA empfiehlt Ausweitung der Evakuierungszone +++

Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA rät Japan zur weiteren Evakuierung eines Ortes in der Nähe des zerstörten Atomkraftwerks Fukushima. In dem 7000-Einwohner-Ort Iitate, im Nordwesten des Kraftwerks gelegen, hätten Teams der Atombehörde die höchsten Strahlungswerte gemessen, sagt der IAEA-Experte für nukleare Sicherheit, Denis Flory in Wien.

+++ 16.30 Uhr: Weitere Pumpen aus Deutschland kühlen AKW +++

Im Kampf gegen einen Super-GAU in der japanischen Atomruine Fukushima soll weitere Technik aus Deutschland helfen. Der Pumpenhersteller Putzmeister will vier zusätzliche Maschinen für die Arbeiten an den schwer beschädigten Reaktorblöcken schicken. Die erste Pumpe werde voraussichtlich bereits am Donnerstag mit einem Großraumflugzeug von Stuttgart aus nach Japan gebracht, teilt das Unternehmen in Aichtal in Baden-Württemberg mit. Die übrigen Maschinen sollen in den nächsten Tagen folgen. Eine erste Pumpe des Unternehmens hilft bereits seit mehr als einer Woche bei der Kühlung des Atomkraftwerks Fukushima 1.

+++ 15.41 Uhr: Obama sagt langfristige Hilfe zu +++

US-Präsident Barack Obama verspricht dem japanischen Premierminister Naoto Kan weitere Hilfe im Kampf gegen die Folgen der Erdbeben-Tragödie. Die beiden Politiker hätten bereits zum dritten Mal seit der Katastrophe am 11. März miteinander telefoniert, teilt das Weiße Haus in Washington mit. Sie hätten sich gegenseitig noch einmal versichert, im Umgang mit dem Nuklearunfall in Fukushima weiter eng zu kooperieren. Die USA würden auch langfristige Hilfe leisten, habe der Präsident klar gemacht.

+++ 15.39 Uhr: ASN ist für neue Risikobewertung +++

Die französische Atomaufsichtsbehörde (ASN) mahnt nach dem Unglück in Japan eine Neubewertung der Risiken für die Atomkraftwerke in Frankreich an. Eine Häufung mehrerer Gefahren wie Erdbeben und Überschwemmungen sei bisher nicht berücksichtigt worden, kritisiert ASN-Chef André-Claude Lacoste in Paris. "Wir müssen im Lichte dessen, was in Japan passiert ist, neu kontrollieren", fordert Lacoste bei der Vorstellung seines Jahresberichts zur Sicherheit der AKW im Parlament. Die ASN vertrete seit langem die Auffassung, dass niemand einen Atomunfall in Frankreich für immer ausschließen könne. "Wir besitzen keine ruhige Sicherheit, wer kann die auch haben, nach allem, was passiert ist?"

+++ 15.04 Uhr: AKW soll mit Kunstharz besprüht werden +++

Ein ferngesteuertes Fahrzeug soll Trümmer in der havarierten Atomanlage Fukushima mit Kunstharz besprühen. So soll eine weitere Ausbreitung von gefährlicher Strahlung vermieden werden. Das meldet die Nachrichtenagentur Kyodo. Die japanische Regierung plane den Start der Notmaßnahme für Donnerstag. Das wasserlösliche Kunstharz soll radioaktive Partikel an den Trümmern "festkleben" und verhindern, dass sie vom Wind verteilt werden. Die Arbeiten am Krisenmeiler werden bisher durch verstrahlte Trümmer und Staub erschwert.

+++ 14.57 Uhr: Wind dreht auf Tokio +++

Der Wind in Japan hat seine Richtung geändert und weht in Richtung Tokio. Die radioaktiven Partikel vom Atomkraftwerk Fukushima werden nach der Prognose von Wetterforschern in der Nacht zum Donnerstag (Ortszeit) in den Großraum mit seinen rund 35 Millionen Menschen getragen. Es bleibt allerdings trocken, so dass sich die Radioaktivität nicht auf den Boden niederschlägt. "Es dauert nur ein paar Stunden, dann bildet sich ein Hochdruckgebiet und der Wind dreht wieder auf Südwest", sagt Meteorologin Tanja Dressel vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach.

+++ 14.28 Uhr: Opferzahlen steigen weiter +++

Nach dem verheerenden Erdbeben und Tsunami in Japan steigt die Zahlen der Toten weiter. Laut Polizeiangaben vom Mittwochabend (Ortszeit) wurden 11.257 Todesopfer bestätigt. Am Vortag waren es etwa 100 weniger. Mehr als 16.300 Menschen werden nach dem Beben vom 11. März noch vermisst. Dies meldet der staatliche Nachrichtensender NHK.

+++ 14.04 Uhr: Rauch über AKW Fukushima 2 +++

Am Kernkraftwerk Fukushima 2 ist etwa eine Stunde lang Rauch aufgestiegen. Das meldet die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf die Betreiberfirma Tepco. Der Rauch kam laut Tepco von einer Stromverteiler-Einheit in einem Turbinenraum im ersten Stock. Er sei dann wieder verschwunden. Genaue Angaben zur Ursache des Rauchs gibt es nicht. Fukushima 2 befindet sich etwa zehn Kilometer vom stärker beschädigten Krisen-AKW Fukushima 1 entfernt.

+++ 13.31 Uhr: Experte hält Evakuierungszone für ausreichend +++

Die Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung in der Nähe des havarierten Atomkraftwerks Fukushima 1 sind nach Einschätzung eines Strahlenexperten im Moment ausreichend. "Man muss immer abschätzen, ob das Risiko durch die Strahlenexposition höher ist als die Probleme einer Evakuierung", sagt Professor Michael Atkinson. Er bezieht sich dabei auf die 20-Kilometer-Zone um die Meiler, die die Bewohner auf Empfehlung der japanischen Regierung verlassen sollten.

+++ 13.09 Uhr: Flüge nach Japan legen Zwischenstopps ein +++

Angesichts der Lage in Japan unterbrechen viele Fluggesellschaften ihre Direktflüge dorthin und lassen ihre Flugzeuge in anderen Ländern versorgen. British Airways, Air France-KLM und Lufthansa legen auf dem Weg nach Japan einen Zwischenstopp in Seoul ein. Dort übernimmt der Betreiber des südkoreanischen Flughafens Incheon das Catering. Branchenangaben zufolge landet die australische Qantas in Hongkong zwischen.

Seit dem Beben am 11. März und der Angst vor einer Verstrahlung durch die Störfälle im AKW Fukushima ist der Luftverkehr nach Japan zurückgegangen. Mehrere internationale Firmen haben Reisebeschränkungen ausgegeben. Qantas kündigte bereits an, weniger Flüge nach Japan anzubieten und Stellen abzubauen, um höhere Kerosinkosten auszugleichen.

+++ 11.21 Uhr: Regierung prüft Notmaßnahmen in Fukushima +++

Die japanische Regierung erwägt Notmaßnahmen, um den Austritt von Radioaktivität aus dem schwer beschädigten Atomkraftwerk Fukushima 1 zu stoppen. Überlegt wird, die Reaktoren mit Spezialgewebe abzudecken. Das sagt Regierungssprecher Yukio Edano nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo. Um was für eine Art von Spezialgewebe es sich handeln könnte, erläutert er nicht.

Außerdem wird geprüft, wie das radioaktiv verseuchte Wasser in Gräben und Kellern der Anlage am schnellsten abgepumpt werden kann.

+++ 11.12 Uhr: Japan ordnet Überprüfung aller AKW an +++

Die japanische Regierung ordnet die dringende Überprüfung aller Atomreaktoren des Landes an, um Katastrophen wie derjenigen im Kernkraftwerk Fukushima vorzubeugen. Ein Schreiben in diesem Sinn richtet der Minister für Wirtschaft, Handel und Industrie, Banri Kaieda, an die Chefs der neun regionalen Stromversorger sowie an zwei weitere AKW-Betreiber. Die derzeit abgeschalteten oder im Bau befindlichen Atomanlagen dürften nicht ohne vorherige Kontrolle in Betrieb gehen, sagt der Minister bei einer im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz. Das stark erdbebengefährdete Japan verfügt über 50 Atomreaktoren, die alle in der Nähe des Meeres liegen.

+++ 11.07 Uhr: Radioaktives Jod im Osten Russlands +++

Erstmals werden in der Luft im Osten Russlands Spuren von radioaktivem Jod-131 aus dem havarierten japanischen Atomkraftwerk Fukushima 1 nachgewiesen. Die Behörden in der Region Primorje rund um die Stadt Wladiwostok beruhigen jedoch die Menschen: Die Konzentration sei 100 mal niedriger als die für Menschen verträgliche tägliche Dosis. Es bestehe keine Gefahr für die Gesundheit, sagt Wladimir Kusnezow von der Akademie für Naturwissenschaften in Moskau.

Zahlreiche Menschen im Osten Russlands glauben den Beteuerungen der Regierung aber nicht. Sie hatten sich nach den Explosionen in Japan bereits panikartig mit Jod-Tabletten eingedeckt.

+++ 11.04 Uhr: Tepco meldet optimistischen Zwischenstand +++

Die Lage in allen sechs Reaktoren im havarierten Atomkraftwerk Fukushima hat sich nach Einschätzung des Betreibers Tepco verbessert. Trotzdem seien die Reaktorblöcke 1 bis 4 weiter noch nicht unter Kontrolle. Diese Einschätzung gibt Tepco nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo ab.

+++ 10.59 Uhr: Regierung will alle Reaktoren stilllegen +++

Alle sechs Reaktoren im Kernkraftwerk Fukushima sollen nach dem Willen der japanischen Regierung nie mehr ans Netz gehen. Dies teilt Regierungssprecher Yukio Edano nach Berichten der Nachrichtenagentur Kyodo mit. Der Kraftwerksbetreiber Tepco hatte zuvor erklärt, er wolle nur die Reaktoren 1 bis 4 dauerhaft stilllegen. Die zwei anderen Reaktoren seien noch operationsfähig.

+++ 10.12 Uhr: Radioaktive Spuren in südkoreanischen Lebensmitteln +++

Die südkoreanischen Behörden entdecken geringe Spuren radioaktiver Substanzen in Lebensmitteln aus Japan. In 14 von 244 getesteten Produkten seien radioaktives Jod und Cäsium nachgewiesen worden, teilt die koreanische Nahrungs- und Arzneizulassungsbehörde (KFDA) in Seoul am mit. Die Lebensmittel seien zwischen dem 19. und 29. März importiert worden. Die gemessenen Werte in den 14 Produkten, darunter Melonen, Brot, Kekse und Vitamine, lägen jedoch weit unter der zulässigen Höchstgrenze für Cäsium und Jod. Für die Gesundheit der Verbraucher bestehe keine Gefahr.

+++ 9.53 Uhr: Tepco denkt über weiteren Reaktor-Betrieb nach +++

Die Reaktorblöcke 1 bis 4 in Fukushima 1 sollen nach Angaben der Betreiberfirma Tepco verschrottet werden. Ob den Reaktoren 5 und 6 dasselbe Schicksal bevorsteht, will das Unternehmen prüfen. Darüber will Tokyo Electric Power mit der Regierung und den Anwohnern beraten. Auch ob Fukushima 2 wieder ans Netz gehen soll, will Tepco nach Anhörung der Meinung der Regierung entscheiden. Es sei schwierig, die Lage an den beschädigten Reaktoren korrekt zu bewerten, teilt Tepco mit. Es werde vermutlich ziemlich lange dauern, um eine endgültige Stabilisierung zu erreichen. Ein Sarkophag nach dem Beispiel von Tschernobyl sei eine Möglichkeit. Es habe in der Frage aber noch keine Entscheidung gegeben.

+++ 9.33 Uhr: Japan braucht milliardenschweren Nothaushalt +++

Japans Regierung wird einem Zeitungsbericht zufolge für den Wiederaufbau nach der Naturkatastrophe im April einen milliardenschweren Nothaushalt ins Parlament einbringen. Der erste Sonderetat habe wahrscheinlich einen Umfang von umgerechnet mehr als 17 Milliarden Euro, berichtet die Tageszeitung Nikkei ohne Angaben von Quellen. Um die Folgen der Dreifach-Katastrophe Erdbeben, Tsunami und Atom-GAU zu bewältigen, brauche die Regierung wohl noch zwei weitere Sonderhaushalte. Offizielle Schätzungen beziffern den Schaden an Straßen, Häusern, Fabrikanlagen und der Infrastruktur auf über 300 Milliarden Dollar.

+++ 7.15 Uhr: Tepco-Chef im Krankenhaus +++

Der Chef des japanischen AKW-Betreibers Tepco ist ins Krankenhaus eingeliefert worden. Das Ruder an der Spitze von Japans größtem Energieversorger habe nun der Chef des Verwaltungsrats, Tsunehisa Katsumata, übernommen, teilt ein Firmensprecher mit. Seit Beginn der Atom-Krise vor fast drei Wochen ist Konzernchef Masataka Shimizu selten in Erscheinung getreten und hat damit für Verwirrung gesorgt. Als Grund für seine Einlieferung in eine Klinik gibt Tepco Schwindelanfälle an.

+++ 5.48 Uhr: Greenpeace misst erhöhte radioaktive Strahlung +++

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace misst eine erhöhte radioaktive Strahlung in der Region um das havarierte Atomkraftwerk Fukushima und fordert eine Ausweitung der Evakuierungszone. So sei in dem Ort Iitate, 40 Kilometer nordwestlich des Kraftwerks, eine Strahlenbelastung von bis zu zehn Microsievert in der Stunde festgestellt worden. Um Tsushima seien sogar 100 Microsievert pro Stunde gemessen worden. Das teilt die Organisation auf einer Pressekonferenz in Tokio mit, die im Internet übertragen wird.

+++ 4.57 Uhr: Hohe Strahlung im Meerwasser +++

Das Meerwasser nahe dem Katastrophen-AKW Fukushima enthält 3355 mal so viel radioaktives Jod wie gesetzlich erlaubt. Die für nukleare Sicherheit verantwortliche japanische Behörde erklärt jedoch, diese Verstrahlung werde voraussichtlich zunächst keine gravierenden gesundheitlichen Folgen für Menschen haben, weil die Anwohner evakuiert seien und in der Region derzeit nicht mehr gefischt werde. Das in hoher Konzentration gefundene Jod 131 habe eine Halbwertzeit von acht Tagen. Deshalb werde die Radioaktivität bereits deutlich abgenommen haben, falls verstrahlte Fische in die menschliche Nahrungskette gelangen sollten.

+++ 4.50 Uhr: Radioaktives Wasser in Block 1 geht zurück +++

Das radioaktive Wasser im Keller des Fukushima-Reaktors 1 geht deutlich zurück. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo ist der Wasserstand auf die Hälfte gesunken. Das verseuchte Wasser stand zeitweise bis zu einen Meter hoch in den Kellern der Turbinenhäuser.

+++ 0.39 Uhr: Frankreich schickt Experten nach Japan +++

Der französische Atomkonzern Areva wird fünf Nuklear-Experten in das havarierte japanische Kernkraftwerk Fukushima schicken. Die Spezialisten sollen die japanischen Arbeiter dabei unterstützen, das radioaktiv verseuchte Kühlwasser aus den teilweise zerstörten Reaktorblöcken herauszupumpen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf Radio France.

mlr/DPA/Reuters/AFP / DPA / Reuters