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Zwischen Genialität und Wahnsinn: Paradiesvogel John Galliano

Als John Galliano 1996 bei Dior antrat, war das Entsetzen der französischen Presse groß. Dass dem "jungen Wilden", dem Exzentriker aus Großbritannien, das kreative Ruder bei einem der nobelsten Modehäuser der Welt anvertraut wurde, wirkte schockierend und vor allem gänzlich "unfranzösisch".

Als John Galliano 1996 bei Dior antrat, war das Entsetzen der französischen Presse groß. Dass dem "jungen Wilden", dem Exzentriker aus Großbritannien, das kreative Ruder bei einem der nobelsten Modehäuser der Welt anvertraut wurde, wirkte schockierend und vor allem gänzlich "unfranzösisch". Niemand rechnete damit, dass Galliano mehr als 15 Jahre bei Dior bleiben würde. Niemand rechnete allerdings auch damit, dass der heute 50-Jährige wegen angeblicher judenfeindlicher Pöbeleien "unehrenhaft" entlassen werden würde.

Denn eigentlich schien vom wilden Gebaren zu Beginn seiner Karriere nur seine Liebe zur Verkleidung übrig geblieben zu sein. Mal trat der stets sportgestählte und ziemlich selbstverliebt wirkende Modemacher am Ende seiner Schauen als Pirat auf den Laufsteg, mal als Napoleon. Ansonsten entzückten seine in üppigen Details schwelgenden Kollektionen die Modepresse. Allerdings stellte sich in den vergangenen Jahren zunehmend Langeweile ein.

Doch galt der in Gibraltar als Juan Carlos Antonio Galliano Geborene in Paris längst als Institution. Sein Handwerk verstand er hervorragend - schließlich hat er in der Londoner Kreativschmiede Central Saint Martins College of Art & Design studiert. Neben dem Studium jobbte er als Ankleidehilfe im Theater und machte sich in der Clubberszene der 80er-Jahre zudem einen Namen mit selbst kreierten Kostümierungen. Die Liebe zum Dramatischen setzte sich in seiner Arbeit fort. Galliano machte mit irren Schauen-Settings Furore, auf der Rennbahn oder in einem improvisierten Roma-Lager. Die Models wirkten stets wie Traum-, manchmal auch Alptraum-Gestalten.

Beobachter hatten häufig den Eindruck, der Mann schwebe zwischen Genialität und Wahnsinn. Andere beschrieben den medienscheuen Designerstar jedoch als scheu und sensibel. Doch hinter der schillernden Maske kam nun eine grobe Fratze zum Vorschein.

DPA / DPA