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Kommentar

Ende für Musikpreis: Kollegah und Farid Bang sind schuld am Echo-Aus? So ein Schwachsinn!

Das war's mit dem Echo. Die Verleihung sei durch die Diskussion um Farid Bang und Kollegah zu stark beschädigt worden, heißt es als Begründung. Blödsinn, findet unser Autor. Der Echo ist an etwas ganz anderem kaputt gegangen. 

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Kollegah (r.) und Farid Bang bei der diesjährigen Echo-Verleihung in Berlin

DPA

Aus. Schluss. Vorbei. Der Echo ist von nun an Geschichte. Das hat der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) am Mittwoch auf seiner Homepage mitgeteilt. Während einer außerordentlichen Sitzung in Berlin habe sich der Vorstand des BVMI dazu entschieden, heißt es in dem Statement.

Es ist eine Reaktion auf die Kontroverse um den Preis für das als antisemitisch kritisierte Album "Jung, brutal, gutaussehend 3" der Rapper Farid Bang und Kollegah. Konkret störten sich viele an der Textzeile "Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen". Die Marke Echo sei durch die Debatte so stark beschädigt worden, dass ein vollständiger Neuanfang notwendig sei, so die Begründung für die Entscheidung. Als Folge werde nun der Musikpreis vollständig überarbeitet. Die Gremien wurden bereits aufgelöst und die Kriterien der Nominierung und Preisvergabe sollen in Zukunft vollständig verändert werden.

So weit. So nicht gut. Warum hat das so lange gedauert? Wieso haben die Veranstalter bis jetzt gebraucht, damit sich endlich etwas tut?

Bereits 2013 hätte sich etwas ändern müssen

Spätestens nach der Echoverleihung 2013 hätte ihnen ein Licht aufgehen müssen. Damals wurden die "Heimatliebhaber" Frei.Wild nominiert. Eine Band, die sich selbst als "überzeugt von bestimmten konservativen Werten" einordnet. Nicht wenige werfen Frei.Wild vor, Musik für Rechte zu machen. Das streitet die Band natürlich vehement ab. Trotzdem strich der Veranstalter nach Protesten anderer Bands Frei.Wild damals von der Nominierungsliste.

Der Echo zeigte Haltung. Allerdings hätte man anschließend weitere Schritte einleiten müssen, die Kriterien für Nominierungen und Vergabe verändern. Aber stattdessen blieb alles beim Alten. Das einzige Kriterium waren weiterhin die Verkaufszahlen. Die waren und sind bei Frei.Wild extrem gut. Und so wurden sie drei Jahre später in der Kategorie "Rock/Alternative National" mit einem Echo ausgezeichnet.

Erst bei der Verleihung im vergangenen Jahr änderte der Echo einige Dinge. Unter anderem gab es nun für jedes musikalische Genre eine Fachjury. Deren Stimme sollte ein deutlich höheres Gewicht bei der Vergabe ausmachen, hieß es zumindest. Zu spüren war davon allerdings nichts. Wie sonst erklärt sich, dass Farid Bang und Kollegah jetzt für das "Album des Jahres" nominiert waren?

Echo-Aus – eine heuchlerische Entscheidung

Unabhängig von der Diskussion um die Textzeilen: Rein musikalisch gesehen gehört "JBG 3" genreübergreifend gewiss nicht zu den fünf besten Alben des vergangenen Jahres in Deutschland. Dem würden die beiden Rapper wahrscheinlich noch nicht einmal widersprechen. Hätte man also die Kriterien dahingehend verändert, dass nicht allein die Verkaufszahlen Nominierungen und Vergabe ausmachen, wäre dem Echo die Diskussion um Farid Bang und Kollegah vermutlich erspart geblieben. 

Es sind deshalb nicht Farid Bang und Kollegah, die den Echo kaputt gemacht haben. Sie haben mit ihrem Preis das Fass, das ohnehin schon voll war, zum Überlaufen gebracht. Der Echo ist Opfer seines eigenen Systems geworden. Die Preisverleihung war, wie es Jan Böhmermann 2017 so schön sagte, eine "seelenlose Kommerzkacke". Die Debatte nun aber zu nutzen, um einen "vollständigen Neuanfang" zu verkünden, ist einfach nur heuchlerisch. 

Sorry, aber da ist, um Farid Bangs Wording aufzugreifen, fast jede Haltung definierter als die des Echo-Vorstands.

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