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Ikone einer Region: Der Letzte seiner Art: Keiner verkörperte das Ruhrgebiet wie Rudi Assauer

Wenn einer von Schalkern und Dortmundern gleichermaßen geschätzt, wenn nicht gar geliebt wird, dann muss er die Mentalität der Menschen in der Region verstanden haben: Rudi Assauer war für das Ruhrgebiet eine Symbolfigur.

Rudi Assauer: "Gute Reise, lieber Rudi": Stars trauern um Schalke-Legende

Werner Kampmann ist im Ruhrgebiet eine Ikone. Der Zigarre rauchende Zampano aus dem Filmklassiker "Bang Boom Bang" wird heiß geliebt und gern zitiert. Kampmann, genial verkörpert vom verstorbenen Diether Krebs, ist Kult, weil er unnachahmlich den starken Mann markiert – ob als Chef seiner Spedition oder am Spielfeldrand beim örtlichen Fußballverein.

Es ist kaum vorstellbar, dass Regisseur und Drehbuchautor Peter Thorwarth nicht auch an Rudi Assauer dachte, als er die Figur entwarf. Die Zigarre, die markigen Sprüche, die seelenruhige Selbstgewissheit sind dafür untrügliche Zeichen. Assauer mag nicht so breit und nicht so bräsig gewesen sein, erst recht nicht kriminell wie Kampmann, aber ansonsten sind beide Brüder im Geiste.

Rudi Assauer

Schalker Fans im Jahr 2009 mit einem Plakat für Rudi Assauer: "Ohne dich ist alles doof"

Rudi Assauer: "Die Alte ist schwer in Ordnung"

Sie verkörpern einen Machertypen, der im Ruhrgebiet über Jahrzehnte weit verbreitet war und längst vom Aussterben bedroht ist: den Macho mit Herz – cool, gewieft, geschäftstüchtig. Vor allem aber ein Mann, der sagt, was er denkt und dessen Wort Gewicht hat.

Das entspricht der Mentalität der Menschen in der Region, die es nicht mögen, wenn verlogen rumgelabert wird. Es klingt längst wie ein Klischee, aber der Ruhrgebietler ist Malocher, der ein ganzes Leben lang hart arbeitet und keine Zeit hat für Höflichkeitsfloskeln. Wer geradeaus ist, ist hier klar im Vorteil. Beim lecker Pilsken an der Bude um die Ecke redet man Klartext. Klartext wie Kampmann. Und Rudi Assauer.

Dabei wird sich natürlich auch mal im Ton vergriffen, das liegt in der Natur der Sache. Weshalb es ein Rudi Assauer im heutigen Klima politischer Überkorrektheit nicht leicht hätte. Der Mann, der seine damalige Lebensgefährtin Simone Thomalla im (mit der Goldenen Kamera prämierten) Werbespot das Bier aus dem Keller holen ließ und urteilte: "Vom Fußball hat sie keine Ahnung, aber sonst ist die Alte schwer in Ordnung" – über diesen Mann würde heute ein Shitstorm ergehen.

Und so gerät der tragische Tod des Rudi Assauer nach langer Alzheimer-Krankheit zur Zäsur. Mit seiner bundesweiten Prominenz war er vielleicht der Letzte seiner Art, denn keiner verkörperte das Ruhrgebiet mit allen Makeln so authentisch wie Rudi Assauer. Manche mögen es nostalgische Verklärung nennen, wenn im Pott heute alle um ihren "Stumpen-Rudi" trauern. Aber das sind Menschen, die keine Ahnung haben, wie man zwischen Rhein und Weser tickt.

Symbolfigur für Schalker und Dortmunder

Assauer steht für das alte Ruhrgebiet, das es zum großen Teil nur noch in der Erinnerung der Leute gibt: das Ruhrgebiet der Zechen und der Kohle, der Buden und der Raucherkneipen. Das Ruhrgebiet aus "Bang Boom Bang", aber auch das Ruhrgebiet aus dem aktuellen Hape-Kerkeling-Kinohit "Der Junge muss an die frische Luft".

Es passt deshalb perfekt zur Symbolfigur, dass die verhassten Schalker und Dortmunder ihn gleichermaßen schätzen, wenn nicht gar lieben: Für den BVB absolvierte er in den 60ern als Spieler über 100 Partien, aus dem skandalträchtigen FC Schalke 04 machte er später als Manager eine der führenden Adressen im deutschen Fußball. Mehr kann ein Junge des Ruhrpotts, der in Herten aufwuchs, den Menschen der Region nicht hinterlassen.

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