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Twitter-Thread: Professorin disst Millennials, doch dann wird sie überraschend in die Schranken gewiesen

In einem anonymen Brief klagt eine US-Assistenzprofessorin über Millennials. Sie seien schlechte Studenten und hätten kein Interesse an Bildung. Doch dann springt eine Twitter-Userin mit überraschenden Informationen in die Bresche.

Zwei junge Millennials vor einem Restaurant

Viele Dinge, die über Millennials gesagt werden, sind mit Sicherheit wahr – aber das ewige Generationen-Bashing muss irgendwie auch nicht sein, oder?

Unsplash

Glaubt man gewissen Menschen, sind Millennials im Grunde genommen die Quelle allen Übels. Wir sind arbeitsscheu, wollen alles haben, aber nichts dafür geben, leben eigentlich nur für Avocado-Toast und werden in absehbarer Zukunft Schuld an der Apokalypse sein. In einem anonymen Protokoll auf der "Times Higher Education"-Website fügt eine Assistenzprofessorin der Midwestern University im US-Bundesstaat Illinois nun noch einen weiteren Vorwurf hinzu: Amerikanische Millennials hätten keinerlei Interesse daran, für ihren Universitätsabschluss zu lernen – im Gegenteil. Sie verständen die Uni nicht als Ort, an dem es etwas zu Lernen gibt, sondern als "'Ich bin zertifiziert intelligent'-Tattoo, das es ihnen erlaubt, beruflich den amerikanischen Traum zu verfolgen".

(Anstatt sich darüber zu beschweren, sollte sie vielleicht mal versuchen, zu verstehen, dass die Anforderungen an unsere Generation in Sachen Arbeitsmarkt so viel größer sind, als noch vor ein paar Jahrzehnten, dass so gut wie keiner mehr die Möglichkeit hat, aus purem Interesse zu studieren. Das ist kein Desinteresse, das ist Überforderung.)

Twitter-Userin Jenny Bann stieß im Internet auf den Artikel und konnte nicht anders, als ihre eigene Einschätzung der Situation abzugeben. Sie schreibt: "Ich habe mal eine Sammlung von Aufzeichnungen über disziplinäre Maßnahmen gegenüber Schülern im 18ten Jahrhundert transkribiert. Lasst mich euch einen kurzen Überblick darüber geben, was die früher so gemacht haben."

Weshalb Millennials im Vergleich wirklich harmlos sind

Was folgt ist eine großartige Auflistung darüber, was Studenten zwischen 1700 und 1799 so alles verbockt haben – und das ist jede Menge. Ein Auszug:

  • Schwertkämpfe
  • Die Tochter der Vermieterin angraben, während sie betrunken waren
  • Ausschließlich in den Tanzunterricht gehen, um Mädchen kennenzulernen. Gesagt bekommen, dass sie nicht mit den Mädchen tanzen dürfen. Streit mit dem Tanzlehrer anfangen.
  • Besäufnisse, die so ausarteten, dass die Inneneinrichtung eines anderen Studenten zerstört wurde und dieser daraufhin "aus seiner Unterkunft geschmissen und seiner Kleidung enteignet wurde, um die Ansprüche des Vermieters zu begleichen"
  • Fernbleiben des Unterrichts mit der Entschuldigung, dass Studenten mit diesem speziellen Stipendium nur 1/3 ihrer Unterrichtsstunden besuchen müssen, was dazu führte, dass sich zwei Professoren durch die Regeln forsten mussten, nur um festzustellen, dass eine solche Regel nicht existiert.
  • Argumentieren, dass der Debattierclub der Uni nur ein "verstaubter Laden der Logik und Metaphysik" sei und dass es den Studenten besser tun würde, wenn sie einfach ins Theater gingen.


Jenny Bann beendet ihre kleine Geschichtsstunde mit einem Schlusssatz: "Ich kann verstehen, dass es nervt, wenn deine Studenten nicht lernen und ihre Essays aus dem Internet abschreiben, aber ich würde bezweifeln, dass sie die schlimmste Generation von Studenten sind, die die Universitäten gesehen haben."

GO! JENNY!

Die Professorin scheint den Bezug zur Realität verloren zu haben

In ihrem anonymen Artikel beschreibt die Assistenzprofessorin übrigens unter anderem den Fall einer Studentin, die sie "Susie" getauft hat: "Wie viele andere Studenten hat Susie mehr Stunden in ihr Semester gequetscht, weil sie hofft, dadurch mit weniger Schulden aus der Uni zu kommen. Aber das führt bei vielen Studenten dazu, dass sie zu viel auf einmal machen müssen, weil dazu auch noch bis zu 40 Stunden bezahlte Arbeit pro Woche kommen – und nicht zu vergessen die drei Stunden Netflix, die jeder Millennial braucht. Und nochmal so viel für Social Media. Und dann ja auch noch Zeit für Freunde. Und am Ende können sie sich nicht auf ihre Uniarbeit konzentrieren."

Erscheint es nur uns unlogisch, dass man einer jungen Studentin vorwirft, so wenig Schulden wie möglich anzuhäufen? Und entschuldigen Sie bitte Frau Professorin, dass man bei einer 40-Stunden-Woche plus Uni auch noch ab und zu mal auf dem Sofa sitzen muss. Und dass Netflix und Social Media simultan passieren, weiß sie ganz offensichtlich auch nicht. Also wirklich.

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jgs