HOME
NEON-Hochzeitskolumne

Ja, ich will ... aber anders: Wir wollen doch nur heiraten! Wie das Standesamt unser Endgegner wurde

Was viele nicht wissen: Einen Termin für die standesamtliche Hochzeit kann man in vielen Ämtern erst ein halbes Jahr vorher machen. Das stellte unsere Autorin und ihren Verlobten vor einige Herausforderungen. Wie sie es trotzdem geschafft haben.

Hochzeitskolumne: So schwer ist es, einen Termin beim Standesamt zu bekommen

Einen Termin für die Hochzeit beim Standesamt zu bekommen, ist gar nicht so einfach

Getty Images

NEON-Redakteurin Denise heiratet im Juni – und ist damit in ihrem Freundeskreis eine der ersten. Da gibt es erstmal tausende Fragen, auf die sie eine Antwort sucht. Die wichtigste: Wie will ich eigentlich heiraten? In der NEON-Hochzeitskolumne "Ja, ich will ... aber anders" erzählt sie von der Planung einer Feier gegen das Klischee.

Es kann doch nicht so schwer sein, einen Hochzeitstermin beim Standesamt zu bekommen, oder? Das dachten mein Verlobter (ich hasse dieses Wort) und ich zumindest. Tja, auf dem Land stimmt das vielleicht – aber in Städten wie Hamburg ist der Run auf die besten Termine genau so schlimm, wie man sich ihn früher immer vorgestellt hat. Doch die Konkurrenz war nicht unser Problem, sondern die deutsche Bürokratie. 

Jeder, der sich schon mal ein bisschen im Hochzeitskosmos bewegt hat, weiß: Locations müssen mindestens ein Jahr im Voraus gebucht werden. Und jeder, der schon mal eine Party mit mehr als zehn Menschen geplant hat, weiß: Freunde müssen mindestens ein Jahr im Voraus eingeladen werden. Für uns war das kein Problem. Wir hatten es mit dem Heiraten sowieso nicht eilig, also suchten wir uns einfach ein Datum im Frühsommer raus, luden die ersten Gäste ein und suchten potentielle Locations raus. Das Datum stand also recht schnell: Samstag, der 15. Juni 2019. Fehlte nur noch ein wichtiger Baustein, damit es nicht nur eine Party, sondern eine Hochzeit wird: Das Standesamt. 

Standesamtliche Hochzeit mit Hindernissen

Was viele vielleicht nicht wissen: Einen Termin für die standesamtliche Hochzeit kann man in vielen Städten erst ein halbes Jahr vorher machen. Wenn man die Trauung im Standesamt also am selben Tag zelebrieren möchte wie die Party, hat man ein Problem: Location ist schon gebucht und Einladungen verschickt – aber ob man seinen Wunschtermin bekommt, erfährt man erst ein halbes Jahr vorher. Im Grunde pokert man also, denn man hat ja als angehendes Brautpaar sonst keine Sorgen ... Bei uns kam erschwerend noch dazu, dass nur drei Standesämter in Hamburg Samstagstrauungen überhaupt anbieten. Wir dachten, Samstage seien für Hochzeiten normal – an deutschen Ämtern aber scheinbar nicht. 

Ein Standesamt fiel schon mal raus, da es nur Bürger aus dem Stadtteil annimmt. Und die zwei anderen bieten nur jeweils einen Samstag im Monat für Hochzeiten an. Welcher das ist, wird natürlich auch nicht im Voraus verraten. Das wäre ja auch viel zu einfach! Um unsere beinahe nicht mehr existenten Chancen noch zu verringern gibt es außerdem ein unlogisches System bei den beiden Ämtern: Vorrang haben zuerst die Leute, die im Stadtteil wohnen; danach alle Brautpaare von außerhalb Hamburgs; und ganz zum Schluss sind die übrigen Hamburger dran – also wir. Yay! 

Alternative: Freie Trauung

Wie gut, dass wir an diesem Punkt schon gar keine Hoffnung mehr hatten. Es musste also eine Alternative her. Denn die Party sollte definitiv am 15. Juni stattfinden – ob mit oder ohne Wisch. Aber ganz ohne Hochzeitsfeeling wollten wir unsere Gäste dann auch nicht feiern lassen. Wir hatten zwar ohnehin schon unser Budget überschritten, entschieden uns dann aber für eine freie Trauung in unserer Location (übrigens ein bekannter Club im Herzen der Hamburger Schanze). Aus unserer Erfahrung kann ich jetzt schon mal sagen: Lasst euch nicht von billigen Angeboten täuschen. Der Redner oder die Rednerin sind essentiell für eine Trauung. Dabei solltet ihr nicht sparen. Und vor allem: Trefft euch vorher, um zu checken, ob die Chemie zwischen euch dreien stimmt. So haben wir eine ganz tolle Traurednerin für uns gefunden. 

Aber nun zurück zu dem Standesamt-Dilemma. Schließlich brauchten wir auch mit freier Trauung noch einen offiziellen Trauschein. Das mit dem Samstag hatten wir ja schon aufgegeben, also wollten wir die Standesamt-Sache gerne am Freitag davor erledigen. Dann brauchen unsere Familien nicht zweimal anzureisen. Ansprüche an diese Art der Trauung hatte und habe ich noch immer nicht. Von standesamtlichen Trauungen bei Freunden weiß ich: Auch ein nettes Gedicht vom Standesbeamten macht aus einem Amtsgang keine richtige Hochzeit. Zumindest in den meisten Standesämtern nicht. Wenn die Brautpaare wie Vieh durch die Gänge geschleust werden, kommt eher keine Romantik auf. 

Standesamt 2.0

Der Freitag jetzt also. Hm, nächstes Problem: Das Standesamt in unserem Stadtteil nimmt Anträge für Trauungen nur schriftlich an. Man darf weder anrufen, noch vorbeikommen. Man muss die nötigen Dokumente ausdrucken, ausfüllen, einscannen und per Mail verschicken. Klingt super easy (ist es auch, wenn man sich erstmal durch das Beamtendeutsch gequält hat) – aber viel Spaß beim wochenlangen Warten, ob man den Termin wirklich bekommt. Vor allem: Was ist die Alternative? Nochmal einen Antrag stellen? Sind bis dahin nicht alle anderen Termine auch schon weg?

Ich weiß es nicht. Denn glücklicherweise haben wir tatsächlich einen Termin am Freitag bekommen. Und dieser Freitag ist in zwei Tagen. Vielleicht werden meine sehr niedrigen Erwartungen ja sogar übertroffen. Ich werde euch berichten.

Jede Woche gibt es eine neue Folge der NEON-Hochzeitskolumne "Ja, ich will ... aber anders". Alle bisherigen Kolumnen findet ihr hier:

Teil 1: "Ich heirate meinen ersten Freund: Warum ich keine Angst habe, etwas zu verpassen"

Teil 2: "Selbst ist die Braut: Darum habe ich gerne auf einen klassischen Heiratsantrag verzichtet"

Teil 3: "Ich hatte eine Verlobung ohne Antrag – brauche ich also überhaupt einen Ring?"

Teil 4: "Ringfoto und kitschige Liebesschwüre? Warum ich meine Verlobung nicht auf Instagram geteilt habe"

Teil 5: "Ist Heiraten eine Umweltsünde? Wie deine Hochzeit ganz einfach nachhaltiger wird"

Teil 6: "Keine Lust auf 08/15-Hochzeit? Bei diesen Einladungen sagt garantiert kein Gast ab"

Teil 7: "Danke, Theresia! Wegen deiner 'Hochzeit' habe ich keine Angst mehr vor meiner eigenen"

Teil 8: "Zwischen Rauchbomben, Eukalyptus und Pokémon: Wie viel Trend verträgt eine Hochzeit?"

Teil 9: "Von Braut zu Braut: fünf Tipps, mit denen du vor deiner Hochzeit nicht zur Bridezilla wirst"

Hochzeit: Was bringt ein Ehevertrag?