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Reportage der Woche

Zoophilie: Tierquälerei oder wahre Liebe? Torben führt eine Beziehung mit seinem Hund

Vor sechs Jahren wurde Torben zum ersten Mal bewusst, dass er sich sexuell zu Tieren hingezogen fühlt. Mittlerweile lebt er in einer Beziehung mit einem Hund. Für ihn ist es Liebe, für andere Tierquälerei. Ein Blick auf Zoophilie. 

Zoophilie: Torben liebt seinen Hund, aber ist es wirklich Liebe?

Der Hund gilt als bester Freund des Menschen. Für Torben* ist sein Hund nicht nur sein Freund. Er ist sein Partner. Denn der Anfang 30-Jährige ist zoophil. Das heißt, er fühlt sich sexuell zu Tieren hingezogen. Sechs Jahre ist es her, dass ihm das zum ersten Mal bewusst wurde. Mittlerweile lebt er in einer Beziehung mit seinem Hund. Für ihn ist es Liebe. Für viele andere Tierquälerei.

NEON hat mit Torben, der Tierschutzorganisation Peta Deutschland und einem Sexualforscher vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf über Zoophilie gesprochen.

Für Peta ist Zoophilie Tierquälerei

Wie viele Menschen in Deutschland wirklich zoophil sind, ist nicht bekannt. Edmund Haferbeck, der Leiter der Wissenschafts- und Rechtsabteilung bei Peta Deutschland, geht von 8000 bis 15.000 Menschen aus, die Dunkelziffer ist wohl hoch. "In Deutschland sind es vor allem Pferde und Hunde, die für zoophile Handlungen missbraucht werden", sagt der Anwalt.

Für die Tierschutzorganisation und viele andere Menschen ist ausgelebte Zoophilie Tierquälerei. Und das hat laut Herrn Haferbeck einen einfachen Grund: "Kein Mensch kann wirklich beurteilen, ob das einem Tier gefällt oder nicht. Und deshalb ist alles, was übers 'normale' Kraueln, Kuscheln und Herumtollen hinausgeht, verboten und für das Tier mit erheblichen Leiden verbunden."

Grundsätzlich stimmt der Gesetzgeber dieser These zu. Nach dem Tierschutzgesetz ist es untersagt, "ein Tier für eigene sexuelle Handlungen zu nutzen oder für sexuelle Handlungen Dritter abzurichten oder zur Verfügung zu stellen und dadurch zu artwidrigem Verhalten zu zwingen". Wer gegen dieses Gesetz verstößt, muss mit Geldstrafen von bis zu 25.000 Euro rechnen.

Zoophile haben den Wunsch nach Entstigmatisierung

Die Sache ist: Wo kein Kläger, da kein Richter. Zumal Torben sich ohnehin nicht von dem Gesetz angesprochen fühlt. Er sagt, dass die Beziehung mit seinem Hund nicht artwidrig sei. Ganz im Gegenteil, für ihn ist Zoophilie eine normale sexuelle Orientierung, vergleichbar mit Homosexualität. Allerdings steht Torben damit im Widerspruch zur Auffassung der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die stuft Zoophilie als gestörte Sexualpräferenz ein – und somit als Verhaltensstörung.

Sexualforscher Johannes Fuß vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf kann Torbens Argumentation dennoch nachvollziehen: "Ich glaube, da schwingt auch immer der Wunsch nach Entstigmatisierung mit", sagt Fuß. "Denn diesen Weg, den die homosexuellen Menschen gegangen sind, also dass es gesellschaftlich akzeptiert wurde, ist ein Traum, den viele Menschen mit a-typischen Sexualitäten haben."

Ob man trotzdem bei Zoophilie von Liebe sprechen kann, was sich im Umgang mit dem Thema ändern muss – und wie Torbens Umfeld eigentlich über seine Neigung denkt, erfahrt ihr in der Video-Reportage (oben im Player) oder auf Youtube.

* Der Name ist der Redaktion bekannt und wurde aus Gründen des Personenschutzes geändert.