VG-Wort Pixel

Greta Thunberg, "DariaDaria" und Co. Hört endlich auf, Weltverbesserer wegen ihrer Unperfektheit zu bashen!

Shitstorms gegen nachhaltige Influencer
Shitstorms lauern für Influencer und Weltverbesserer mittlerweile hinter jeder Ecke
© Screenshot: Instagram/DariaDaria; Fabrice Coffrini/AFP
Menschen (und besonders Influencer), die versuchen, die Welt ein bisschen besser zu machen, werden beim kleinsten "Fehler" von einem Shitstorm überrollt. Das muss aufhören, findet unsere Autorin.

Influencer haben einen schlechten Ruf – dabei können sie die Welt auch zum Guten beeinflussen. Viele nutzen mittlerweile ihre Berühmtheit in den sozialen Netzwerken dafür, ihren Followern Themen wie Nachhaltigkeit, aber auch Feminismus oder Anti-Rassismus näherzubringen. Klar, sie sind durch ihre schiere Reichweite Vorbilder – aber eben auch nur Menschen. Trotzdem rauscht bei jedem kleinsten "Fehler" ein Shitstorm an, wie er absurder nicht sein könnte. Wer zum Beispiel als Umweltschützer nicht zu 100 Prozent nachhaltig lebt, wird gebashed. Dabei ist das Quatsch.

Auch Influencer sind nicht perfekt

Wenn eine Frau wie Madeleine Daria Alizadeh (besser bekannt als "DariaDaria"), die auf Instagram über nachhaltiges Leben informiert, eine Süßkartoffel im Ofen zubereitet, dann ist das kein (!) Skandal. Natürlich ist es nicht sehr nachhaltig, den Ofen wegen einer so kleinen Portion anzustellen, aber niemand ist perfekt – und vor allem sollte Perfektion nicht der Anspruch sein, um etwas kritisieren zu dürfen. Diese Frau macht wahrscheinlich mehr für die Umwelt als alle Hater, die sofort aufschreien und mit dem Finger auf sie zeigen. Trotzdem bekam sie für ihr harmloses Süßkartoffel-Rezept Gegenwind.

An dieser Stelle hat unsere Redaktion Inhalte aus Instagram integriert.
Aufgrund Ihrer Datenschutz-Einstellungen wurden diese Inhalte nicht geladen, um Ihre Privatsphäre zu schützen.
DATENSCHUTZ-EINSTELLUNGEN
Hier können Sie die Einstellungen für die Anbieter ändern, deren Inhalte sie anzeigen möchten. Diese Anbieter setzen möglicherweise Cookies und sammeln Informationen zu Ihrem Browser und weiteren, vom jeweiligen Anbieter bestimmten Kriterien. Weitere Informationen finden Sie in den Datenschutzhinweisen.

Auch die junge Klimaaktivistin Greta Thunberg wird immer wieder im Netz für ihr Engagement wie auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos angegriffen. Der Tenor: "Sie ist nur ein dummes Kind, das von ihren Eltern gezwungen wird." Dabei schafft es die Schülerin, was vielen Politikern nicht gelingt: mit ihren Auftritten sehr viele Menschen zu erreichen und für das Thema Umweltschutz zu sensibilisieren. "Ich will nicht, dass ihr voller Hoffnung seid. Ich will, dass ihr in Panik geratet, dass ihr die Angst spürt, die ich jeden Tag spüre," sagt Greta zum Beispiel - und macht mit solch prägnanten Sätzen den Klimawandel emotional erlebbar. Statt Respekt dafür hagelte es auf Instagram Kritik, weil sie ihr mitgebrachtes Essen auf dem Weg nach Davos (sie ist 65 Stunden mit dem Zug gefahren statt zu fliegen!) in einer Plastikverpackung transportiert hat. Leute – ist das euer Ernst? Wegen einer Tüte Toastbrot und einer Schale Salat wird ihr ganzes Engagement infrage gestellt?! 

An dieser Stelle hat unsere Redaktion Inhalte aus Instagram integriert.
Aufgrund Ihrer Datenschutz-Einstellungen wurden diese Inhalte nicht geladen, um Ihre Privatsphäre zu schützen.
DATENSCHUTZ-EINSTELLUNGEN
Hier können Sie die Einstellungen für die Anbieter ändern, deren Inhalte sie anzeigen möchten. Diese Anbieter setzen möglicherweise Cookies und sammeln Informationen zu Ihrem Browser und weiteren, vom jeweiligen Anbieter bestimmten Kriterien. Weitere Informationen finden Sie in den Datenschutzhinweisen.

Mir scheint es, dass Menschen, die sich für etwas engagieren, immer kritischer beäugt werden als solche, die gar nichts machen. Oft wirkt es, als würde nur darauf gewartet, dass man etwas falsch macht. Das ist vielleicht auch der Grund, warum sich viele Promis und Personen in der Öffentlichkeit weigern, überhaupt zu irgendetwas Stellung zu beziehen. Wer einmal den Stempel "Öko" auf der Stirn kleben hat, der darf für den Rest seines Lebens nie wieder etwas Unökologisches tun, scheint es.

Widmet euch lieber den Ignoranten, Rassisten und Anti-Feministen

Jeder, der sein Verhalten reflektiert und versucht, es Mitmenschen oder der Umwelt zuliebe zu verändern, ist tausendmal besser, als jeder, der gar nichts tut. Und ich spreche hier nicht von Menschen, die nicht das Privileg haben, nur noch im Biomarkt einkaufen zu gehen oder Primark zu boykottieren, sondern von denen, die sagen: "Ist mir alles scheißegal."

Liebe Internet-Trolle, Hater und Besserwisser: Spart euch eure Shitstorms gegen Leute, die einfach nur versuchen, die Welt ein bisschen besser zu machen. Konstruktive Kritik ist vollkommen okay, aber meint ihr nicht, dass eine "DariaDaria" auch selbst weiß, dass ihr Leben nie vollkommen nachhaltig sein kann? Mein Vorschlag: Verwendet eure Zeit und Energie lieber darauf, Ignoranten, Anti-Feministen und Rassisten das Leben schwer zu machen. Und fragt euch manchmal: Muss ich meine Meinung dazu jetzt wirklich kundtun? Nur weil man es kann, sollte man nicht alles kommentieren – außer mit Liebe natürlich!


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker