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Meinung

Überzogene Vorwürfe: Aufregung um Astra-Werbung: Ein schlechter Scherz ist noch lange kein Rassismus

Die Hamburger Biermarke Astra geht mit ihrer Werbung seit Jahren an geschmackliche Grenzen. Aber noch nie war die Empörung so groß wie über ein aktuelles Motiv. Das ist leider völlig übertrieben.

Neue Astra-Werbung polarisiert - das sagen die Twitter-User

Der weiß traditionell immer ganz genau, was richtig und was falsch ist. Das grenzt auch mal an Besserwisserei, aber das ist in Ordnung, weil viele Fans des Kiezklubs das Herz am rechten Fleck haben. Manchmal gehen die Paulianer aber selbst Sympathisanten mit ihrem missionarischen Eifer auf den Geist. Und in der aktuellen Aufregung um eine Werbung des Getränkeherstellers Astra ist der Verein dann doch deutlich übers Ziel hinausgeschossen.

Von vorne: Astra ist für seine provozierenden Plakate bekannt. Auf dem aktuellen ist ein Mann abgebildet, der indischer oder pakistanischer Herkunft sein könnte. Der Mann ist als Nixe abgebildet: Anstelle seiner Beine hat er einen hellblau geschuppten Nixenschwanz. Ansonsten trägt der Mann ausschließlich ein gelbes Bikini-Oberteil in Zitronenform. Ihm wird der Spruch: "Wolle Dose kaufen" in den Mund gelegt.

Astra: Kann man witzig finden, muss man nicht

Kann man witzig finden, muss man aber wirklich nicht. Dem Autor dieser Zeilen ist es zum Beispiel im Gegensatz zu manch anderem Plakat der Kampagne ein bisschen zu stumpf, aber er hat ohnehin keinen Sinn für platte Comedy. Noch weniger Sinn hat er aber für Rassismus, den er für die größte Geißel unserer Zeit hält. Und nun, in der hastig entfachten Debatte um das Astra-Motiv, wird beides plötzlich vermischt.

Denn der FC St. Pauli, der sich immerhin von Astra sponsorn lässt, hat das Plakat via Twitter hart verurteilt: "Astra, wir haben was dagegen! Rassismus ist nicht lustig und nicht akzeptabel." Das ist natürlich völlig übertrieben und wird in den Kommentaren zum Posting auch hitzig diskutiert.

" ist nicht in Ordnung, aber man muss auch die Größe haben, verschiedene Humorsorten zu tolerieren", schreibt ein User. "Der Oberlehrerverein mal wieder", kommentiert ein anderer. Viele fragen sich, wo hier denn genau der Rassismus zu erkennen sei. Einige User empfehlen dem Verein dagegen, die Zusammenarbeit mit Astra zu beenden.

Das Motiv polarisiert also, es gibt zwei Meinungen dazu. Weshalb es die völlig falsche Konsequenz ist, dass Astra die Plakate nun abhängen ließ. Denn Fakt ist: Weder die verantwortliche Werbeagentur Philipp und Keuntje noch die Carlsberg-Brauerei, zu der die Marke Astra gehört, haben es verdient, so pauschal mit dem schweren Vorwurf des Rassismus beschädigt zu werden.

Der Protagonist ist cool mit der Aktion

Carlsberg lässt in einer Stellungnahme im "Hamburger Abendblatt" wissen, dass jede Person oder Gruppe, die für die Kampagne porträtiert werde, vorab um ihre Meinung befragt werde: "In diesem Fall war es unser indischer Mitbürger Monty, der in Hamburg längst Kultstatus genießt und ein 'Like' für die Kreation vergab."

Heißt: Der Protagonist des Plakats ist cool mit der Aktion. Diese Meinung sollte relevanter sein als die Empörung der anderen. Und es ist ein krasses Zeichen gegen Toleranz, die eigentlich auch vom FC St. Pauli so ausdauernd gepredigt wird, wenn das Plakat deshalb gleich aus dem Verkehr gezogen wird. Wir sollten wirklich dringend an unserer verloren gegangenen Fähigkeit arbeiten, andere Meinungen auszuhalten. Denn andernfalls befinden wir uns auf dem besten Weg, die humorloseste Generation aller Zeiten zu werden.

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