HOME
Meinung

Überschätzter Superstar: Neymars Brasilien – das nervigste Team dieser WM

Brasilien, die große Fußballnation. Fünfmaliger Weltmeister. Land der Ballzauberer und Legenden. Wie könnte man sie als wahrer Fan des Sports nicht lieben? Nun ja. Vor allem dank ihres Superstars Neymar fällt es uns bei dieser WM verdammt schwer.

Neymar

One-Man-Show: Neymar bei der Fußball-WM während des zweiten Vorrundenspiels von Brasilien gegen Costa Rica

Brasilien, das ist nicht einfach der Name einer Nation. Brasilien, das ist für Fußballfans auf der ganzen Welt ein Zauberwort. Es steht für fünf Weltmeistertitel, für legendäre Spieler wie Pelé, Garrincha, Sócrates, Ronaldo, für große Kunst mit dem Fußball. Brasilien als Favoriten auf den WM-Titel zu nennen, das ist ungefähr so gewagt, als würde man den Bayern eine gute Chance auf den deutschen Meistertitel einräumen. 

Als Fußball-Feinschmecker muss man Brasilien einfach lieben. Aber warum eigentlich? Warum sagt keiner, wie es wirklich ist: Alleine wegen ihres Superstars Neymar ist das Team von Trainer Tite das nervigste der Fußball-WM 2018 in Russland. Wohl selten in der Geschichte des Fußballs hat es ein überschätzteres Idol gegeben als den 26-Jährigen, der 2017 mit seinem Wechsel zu Paris St. Germain zum teuersten Transfer aller Zeiten wurde.

Neymar: Hang zu Arroganz und Unsportlichkeit

220 Millionen Euro betrug die damalige Transfersumme, die heute untrennbar mit dem Namen Neymar verbunden ist. Natürlich ist kein Mensch der Welt so viel Geld wert. Aber wenn im unmoralischen Fußballgeschäft schon so viel gezahlt wird, dann doch bitte wenigstens für Spieler, die es sportlich rechtfertigen können. Aber nicht für Neymar, der schon in der französischen Liga vor allem mit Überheblichkeit und respektlosem Verhalten gegenüber Kontrahenten auffiel.

Beim Turnier in Russland hat er vor aller Welt seinen Hang zu Arroganz und Unsportlichkeit in einem einzigen Spiel, der zweiten Vorrundenpartie gegen Costa Rica, auf ein neues Level gehoben. 90 Minuten reichten aus, um Neymar alle Qualitäten, die ihn zu einem wahren Idol befähigen würden, abzusprechen. Dumm nur, dass er damit nicht nur seinem eigenen Ruf schadet. Sondern auch dem Ruf der großen Fußballnation Brasilien. Er schadet großartigen Mitspielern wie Marcelo oder Coutinho. Die ganze Mannschaft erscheint im Kollektiv unsympathischer, weil Neymar mit seiner unwürdigen One-Man-Show alle Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Dabei geht es weniger um seine fußballerischen Fähigkeiten, die zwar nie das Niveau eines Messi oder Cristiano Ronaldo erreichen, aber trotzdem außergewöhnlich sind. Es geht um die Attitüde: Neymar vereint in seinem Verhalten auf dem Platz alles, was einen großen Champion eben nicht ausmacht.

Er neigt zur oben bereits erwähnten Verhöhnung von Gegenspielern, er diskutiert ausdauernd mit dem Schiedsrichter, neigt zur Schwalbe und lässt sich selbst gegen einen "kleinen" Gegner beim Torjubel zur martialischen Geste hinreißen. So geschehen gegen Costa Rica. Außerdem beschimpfte er seinen Mannschaftskapitän Thiago Silva, weil dieser nach einer Behandlungspause im Rahmen des Fair Play den Ball zurückspielte. Nach dem Spiel weinte Neymar dann in sein Trikot - aus Freude, aus Erleichterung, man weiß es nicht. Aber wohl kaum aus Scham. Das Mitleid der neutralen Fans konnte er zu diesem Zeitpunkt jedenfalls längst nicht mehr erwarten.

Vielleicht sind alle Mätzchen auch bloß ein Schutzmechanismus, vielleicht ist der Druck einfach zu groß und Neymar weiß sich in seiner undankbaren Rolle als Botschafter der größten Fußballnation nicht anders zu helfen. Seine Tränen nach dem Spiel könnten auch darauf hinweisen, so sie denn überhaupt echt waren. 

WM: Duell zwischen Deutschland und Brasilien?

Im Achtelfinale könnte die deutsche Nationalmannschaft auf Brasilien treffen, sollten sich beide Teams qualifizieren - was noch längst nicht sicher ist. Aber wäre im Falle eines frühen Duells der beiden erfolgreichsten WM-Nationen auch ein frühes Scheitern der deutschen Elf wahrscheinlich? Nein.

Erstens ist Tites Truppe längst nicht so überragend, wie sie von vielen Experten gehandelt wird. Zweitens werden die Brasilianer großen Druck verspüren, sich für die 1:7-Schmach von 2014 zu revanchieren. Sollten seine Mitspieler also genau so schlecht mit Druck umgehen können wie Neymar, sollte die Mannschaft von Jogi Löw nicht allzu besorgt sein.

Eine Kombo zeigt llinks Joachim Löw mit einer Espresso-Tasse am Mund und rechts Ägyptens Stürmer Mohamed Salah beim Training