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Sexting: Aktfoto kostete sie den Job – Lehrerin spricht über den schlimmsten Tag ihres Lebens

Ein Aktfoto kostete Lauren Miranda ihren Job. Nun sprach die engagierte Lehrerin mit dem "Guardian" über den Vorfall und die heuchlerische, frauenfeindliche Reaktion ihrer Schule.

Eine Lehrerin ist wegen eines Aktfotos kein Vorbild, befindet der Schulbezirk (Symbolfoto)

Eine Lehrerin ist wegen eines Aktfotos kein Vorbild, befindet der Schulbezirk (Symbolfoto)

Getty Images

An einem ganz gewöhnlichen Tag brach die Welt von Lauren Miranda zusammen. Die junge Frau unterrichtete Mathematik auf Long Island, New York, als sie plötzlich in das Büro des Direktors zitiert wurde. Ein Aktfoto ging an der Schule herum. Der Direktor konfrontierte sie mit Bild – in Gegenwart ihrer Kollegen. Und tatsächlich: Sie war es. Dabei hatte sie das Bild nur einer Person geschickt, einem männlichen Kollegen, mit dem sie damals zusammen war.

Weltweite Diskussion

Seitdem steht Lauren Miranda im Zentrum eines Wirbelsturms. Erbittert wird die Diskussion über Bürgerrechte, Social Media und das Recht auf Sex geführt.

Nun sprach Lauren Miranda mit dem "Guardian" über den Schock. "Ich dachte einfach, das ist unmöglich. Ich war fast beleidigt, dass jemand dachte, es sei ein Bild von mir. Das ist eines dieser Dinge, über die man in der Zeitung liest. Man erwartet nie, dass es einen selbst trifft", sagte sie dem Blatt.

"Ich wollte nie etwas anderes tun", sagte sie über ihren Beruf. "Ich war so stolz auf mich und alles, was ich erreicht habe." Ihre ganze Karriere ging dahin, als sie von der Schule zuerst suspendiert und dann gefeuert wurde. In einem Moment waren ihre Verdienste nichts mehr wert, sie wurde wie eine Aussätzige behandelt. Inzwischen klagt Lauren Miranda gegen den Schulbezirk. Sie will ihren Job zurück und drei Millionen Dollar wegen Diskriminierung.

Lauren Miranda will nicht darüber "spekulieren", wer das Bild verbreitet hat. Sicher ist, dass sie das Bild nur an eine Person verschickt hat: "Ich habe niemandem außer einer Person die Erlaubnis gegeben, mein persönliches Bild zu haben." Ihre Klage hat gute Aussichten, denn der Bezirk feuerte Miranda, ohne zu prüfen, wie das Bild überhaupt in Umlauf kam. Der Kollege, dem sie das Bild einst schickte, wurde im Gegensatz zu ihr weder gefeuert noch diszipliniert.

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Gepostet von 102.3 WBAB am Donnerstag, 4. April 2019

In derartigen Fällen wird meist nur gegen die betroffenen Frauen vorgegangen, stellt sie erbittert fest. "Es sind immer die Jungs, die die Mädchen verletzen und die Mädchen, die die Hauptlast tragen", sagte Miranda der Zeitung. "Wenn so ein Bild so viel Aufregung verursacht, zeigt sich die Diskrepanz wie Frauen und wie Männer angesehen werden, und wie einfach Männer Frauen offen sexualisieren können. Das ist ein echtes Problem."

Sexting ist heute Standard

Dazu passt auch die scheinheilige Begründung der Schule. Wegen des eher harmlosen Aktbildes könne sie kein Vorbild mehr für die Schüler sein, teilte ihr die Schule mit. Die ganze Verantwortung darüber, wie dieses Bild in Umlauf kam, wird der Frau zugeschoben. Wie in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg wird Lehrerinnen auch heute noch ein entsexualisiertes Leben auferlegt. Dabei ist ein Aktfoto auf dem Handy heute eher der Normalfall als die Ausnahme. Die Sicherheitsfirma McAfee fand schon vor einigen Jahren heraus, dass 70 Prozent aller US-Bürger im Alter von 18 bis 24 Jahren sexuelle Fotos und Nachrichten erhalten.

Miranda lebt ein "sehr privates" Leben, nun befindet sie sich im Zentrum eines Sexting-Streits. "Am Ende kommt es hierauf an: Das Bild zeigt nur meinen Oberkörper – das ist nicht beleidigend", so Miranda. "Ein Typ hätte mein Problem nicht. Wenn ein männlicher Lehrer das gleiche Bild mit einem Handtuch um die Taille machen würde."

Quelle: "Guardian"

Kra