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CDU-Parteitag: Jusos schlagen Alarm: "Gegen welche Minderheiten wollen Sie stimmen?"

In Hamburg entscheidet die CDU über ihren neuen Parteivorsitz. Eine Wahl gegen Minderheiten statt für die Bevölkerung, finden die Jungen in der SPD - und sind froh, dass sie selbst bei dieser Wahl nicht dabei sein müssen.

Parteitag CDU Jusos

Der Landesvorsitzende der Jusos Hamburg, Alexander Mohrenberg, protestiert mit anderen jungen Sozialdemokraten gegen den politischen Kurs der Spitzenkandidaten für den CDU-Parteivorsitz

"Christliche Nächstenliebe? Nur mit der SPD!" Das ist die Message der Hamburger Jusos an diesem Morgen. Nach 18 Jahren mit Angela Merkel an der Spitze, will die CDU hier an diesem Freitag einen neuen Parteivorsitzenden oder eine Parteivorsitzende wählen. Es regnet in der Hansestadt, als die ersten Delegierten an der Messehalle eintrudeln.

"Alle drei Spitzenkandidaten hetzen gegen Minderheiten", sagt Alexander Mohrenberg, Landesvorsitzender der Jusos Hamburg. Dieser Aspekt sei weder in den Medien noch in der Partei selbst wahrgenommen worden. Annegret Kramp-Karrenbauer: gegen Homosexuelle. Friedrich Merz: gegen Arme. Jens Spahn: gegen Altersarmut. Statt Politik für die Mehrheit der Bevölkerung, gebe es hier Profilierung über Minderheiten-Bashing, so Mohrenberg.

Protest von der anderen Seite

Eigentlich wollten die jungen SPDler die Abgeordneten vor dem Eingang abfangen und mit dem "echten Leben" konfrontieren. Doch auch andere Gruppen und Verbände haben einen ähnlichen Plan. Menschen in Warnwesten, mit Plakaten und Bannern sammeln sich vor dem Eingang der Messehalle und auf dem Bürgersteig. Zwischen Vuvuselas und Trillerpfeifen erklingeln sich Radfahrer ihren Weg.

Auch wenn die Demonstration der Jusos angemeldet ist, muss die 20-köpfige Gruppe auf die andere Straßenseite umziehen. Spontan wechseln sie zu einer Art Guerilla-Taktik: Vereinzelt stellen sich die jungen SPDler mit ihren Schildern vor die Busse, in denen ein Teil der Delegierten ankommt oder fangen sie an der Ampel auf dem Weg zu Messehalle ab. Viele Abgeordnete laufen kommentarlos vorbei, schütteln den Kopf oder ringen sich ein Lachen ab. Einige nehmen Spielgeld und Flyer entgegen oder machen Fotos der Plakate. "Ich habe mich längst entschieden", sagt eine CDU-Abgeordneter und zeigt auf das Bild von Friedrich Merz

CDU-Parteitag Protest

Drei Kandidaten, eine Richtung: Die CDU betreibe Minderheiten-Bashing statt Politik für die Bevölkerung, findet Alexander Mohrenberg (r.), Landesvorsitzender der Jusos Hamburg.

Relativ spontan hat die Gruppe lebensgroße Plakate gedruckt mit Zitaten der drei Spitzenkandidaten. "Jeder hat im Alter das, was er zum Leben braucht" steht da unter dem Konterfei von Jens Spahn oder "Wenn wir (die Ehe) öffnen, sind andere Forderungen nicht auszuschließen: etwa eine Heirat unter engen Verwandten oder von mehr als zwei Menschen", unter dem Bild von Annegret Kramp-Karrenbauer. Daneben verteilen die Jung-Politiker Flyer und Spielgeld an die CDU-Delegierten, die gerade aus dem Gottesdienst im Hamburger Michel kommen und sich nun mit Schirm und Aktentasche den Weg durch die Menge bahnen.

"Die Jusos sind für eine fortschrittliche Politik", sagt Olcay Aydik, Landesgeschäftsführer der Jugendorganisation in Hamburg. Er hat den Protest organisiert und delegiert die Gruppe. Das sei auch der größte Unterschied zu den Jungen in der CDU: "Die JU ist nicht konservativ, sondern naiv", sagt Olcay. Sie hätten verpasst, neue Themen zu setzen.

Keine gute Wahl

Welcher Kandidat oder welche Kandidatin noch am besten für den Parteivorsitz geeignet wäre, darüber herrscht Uneinigkeit: Der 28-Jährige Johannes ist eher für Jens Spahn, Jana will sich gar nicht festlegen. Alle drei seien eine schlechte Wahl, so die 26-Jährige. "Ich bin mit allen Dreien unzufrieden", sagt auch der Landesvorsitzende Alexander. "Sie werden die Regierungsarbeit der SPD und die Vereinbarungen aus dem Koalitionsvertrag blockieren." Der Kitaausbau sei mit Merz nicht zu machen, Altersarmut mit Spahn nicht zu bekämpfen und AKK, wie sie alle Annegret Kramp-Karrenbauer nennen, sei eh eine Mini-Merkel.

Am Ende der Aktion stehen alle Jusos auf der anderen Straßenseite und auch die Proteste vor der Halle lichten sich langsam. Ob die Aktion etwas gebracht hat? "Wir haben viele Delegierte erreicht", sagt Alexander zuversichtlich. "Aber wir sind alle froh, dass wir heute nicht wählen müssen." Für die jungen Sozialdemokraten steht fest: Christliche Nächstenliebe? Ab jetzt muss das wohl die SPD übernehmen.