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Österreich: Abschiebung statt Ausbildung: keine Lehre für Asylbewerber

Viele junge Menschen suchen in Österreich Asyl. Mithilfe eines Gesetzes sollten sie leichter eine Lehrstelle finden und die Wirtschaft unterstützen. Doch damit ist jetzt Schluss.

Ein Tischler schleift eine Holzplatte ab

Keine Zukunft: Junge Asylsuchende können in Österreich keine Ausbildung mehr beginnen

Getty Images

In unzähligen Berufen fehlen Auzubildende – und das nicht nur in Deutschland. Auch in werden Dachdecker, Maschinenbauer oder Installateure dringend gesucht. Daher entschied die österreichische Regierung 2013, dass sich Asylbewerber unter 25 Jahren auf Lehrstellen bewerben können. Beschränkt war das ganze auf sogenannte Mangelberufe: Dazu gehören unter anderem Koch, Tischler oder Mechaniker.

Abgeschoben trotz Ausbildung

Die amtierende Regierung hat diese Regelung nun gekippt. Die Koalition aus der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) unter Bundeskanzler Sebastian Kurz will einen anderen Weg gehen und setzt auf Abschiebung. Fälle, in denen bereits abgelehnte dank eines Ausbildungsplatzes bleiben durften, hatten im Land für Diskussionen gesorgt.

Eine bereits begonnene Lehre soll nun kein Grund mehr sein, um im Land zu bleiben. Auch junge Azubis, die gerade eine Lehre in einem Mangelberuf absolvieren, sollen umgehend abgeschoben werden, wenn sie einen negativen Asylbescheid erhalten haben. Um die fehlenden Stellen auszugleichen, will die Regierung zukünftig auf arbeitslose Asylberechtigte zurückgreifen: Menschen, denen offiziell ein Bleiberecht in Österreich zugestanden wurde. Geplant ist auch, die Plätze mit Kandidaten aus Drittländern zu besetzten, also Ländern, die nicht Mitglied der Europäischen Union sind.

Regelung in Deutschland

In Deutschland können Asylsuchende eine Ausbildung beginnen, wenn sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen: Sie müssen mindestens drei Monate in Deutschland leben und eine Lehre in einem staatlich anerkannten Beruf beginnen. Dies ist auch möglich, wenn noch nicht über ihr Asylverfahren entschieden wurde. Sollte das Gesuch auf abgelehnt werden, kann man im Einzelfall trotzdem in Deutschland bleiben – es greift die sogenannte 3+2-Regelung. Danach dürfen Auszubildende drei Jahre ihre Lehre absolvieren und zwei weitere Jahre in Deutschland arbeiten, ohne abgeschoben zu werden.

Als Asylsuchende oder Asylbewerber bezeichnet man Menschen, die in einem anderen Staat oder Gebiet Asyl beantragen. Sie suchen also Schutz vor politischer, religiöser oder einer anderen Art von Verfolgung. In einem Verfahren wird dann geprüft, ob ihnen Zuflucht gewährt wird. In der EU wurden im letzten Jahr knapp 650.000 Asylanträge gestellt, etwas mehr als 22.000 davon in Österreich. In sind in diesem Jahr bisher knapp 94.000 Asylanträge eingegangen.

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lau