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Meinung

Karfreitag: Mittelalter here we go: Wann schafft ihr endlich das Tanzverbot ab?

Der Karfreitag ist ein "stiller Feiertag", an dem beispielsweise laute Musik und Tanz verboten sind. Solche Verbote seien sowas von Mittelalter, sagt unser NEON-Redakteur. Er fordert, dass das Gesetz geändert werden muss.

Menschen tanzen – das ist am Karfreitag zeitweise bis ganz in Deutschland verboten

Tanzen – das ist am Karfreitag verboten

Es ist genau ein Jahr her. Ich war mit ein paar Kollegen feiern – in einem Club bei Hamburg in Schleswig-Holstein. Es war ein richtig guter Abend. Wir hatten Spaß, haben getanzt, was getrunken, bis um 2 Uhr auf einmal die Lichter angingen und die Musik vom einen auf den anderen Moment ausging. "Es ist ein sogenannter stiller Feiertag. Deshalb gilt auch für uns ein allgemeines Tanzverbot", sagte der DJ durch ein Mikrofon. "Die Party ist zu Ende."

Ich hatte es natürlich voll verdrängt, dass Karfreitag war. Dennoch stand ich in diesem Moment da und dachte mir: Warum darf ich bitte nicht tanzen? Mir war und ist schon klar, dass das Verbot religiöse Gründe hat. Die Christen gedenken Jesu Tod. Deshalb soll dieser Tag angemessen und zurückhaltend verbracht werden. Aber kann das nicht jeder auf seine Art machen? 

Die kuriosesten Verbote am Karfreitag

Es ist 2018. Frauen sind emanzipiert und mit Männern gleichgestellt. Homosexuelle dürfen hierzulande endlich heiraten. Hautfarbe und Herkunft spielen im Alltag immer weniger eine Rolle. Deutschland ist so liberal wie noch nie. Trotzdem haben wir immer noch ein Tanzverbot, das aus einer Zeit stammt, in der Tanzen als moralisch bedenklich und unangemessen angesehen wurde. Und die einzige Grundlage dafür ist Artikel 140 des Grundgesetzes. Dieser besagt, dass Sonn- und Feiertage gesetzlich geschützt sind. Mehr Details sind in den Feiertagsgesetzen der Bundesländer festgelegt. Und die sind zum Teil absurd. 

Es gibt beispielsweise ein Umzugsverbot. Offiziell ist es nämlich nicht erlaubt, am Karfreitag umzuziehen. Wer sich nicht daran hält, für den kann das richtig teuer werden – bis zu 1000 Euro. Waschanlagen bleiben geschlossen. Öffentliche Sportveranstaltungen sind genauso verboten, wie Sachen auf dem Flohmarkt zu verkaufen. Das wohl absurdeste Verbot gibt es aber für Filme. Insgesamt sind rund 700 am Karfreitag verboten. Welche Filme davon betroffen sind, entscheidet die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK). Laut der werden die Filme untersagt, die "dem Charakter dieser Feiertage so sehr widersprechen, dass eine Verletzung des religiösen und sittlichen Empfindens zu befürchten ist". Soweit so gut. Nur macht diese Liste überhaupt keinen Sinn. Ein Kinderfilm wie "Heidi in den Bergen" ist zum Beispiel nicht erlaubt, wohingegen "Feuchtgebiete" kein Problem darstellt. Allerdings gilt das Gesetz nur für Kinos. Im Fernsehen dürften die Filme gezeigt werden.

Willkommen im Mittelalter

Nichtsdestotrotz: Wir leben in der Neuzeit und nicht im Mittelalter. Dieses Gesetz ist aber alles andere als zeitgemäß. Es diktiert Menschen, die nicht christlichen Glaubens sind, was sie an diesem Tag nicht machen dürfen. Kurz gesagt: Nicht-Christen wird in gewisser Weise ihre Freiheit diktiert. Dafür kriegen sie zwar einen Tag frei. Nur spielt das aus meiner Sicht überhaupt keine Rolle. Denn ich will selbst entscheiden, ob ich tanzen gehe, wann ich mein Auto wasche oder wann ich umziehe. Das hat niemand für mich zu entscheiden – zumindest nicht im Jahr 2018.