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Meinung

UN-Klimakonferenz: Deutschlands Versagen beim Klimaschutz: Wir streiken, weil ihr unsere Zukunft verpokert!

Auf der 24. UN-Klimakonferenz ist Deutschland mit leeren Händen eingetroffen. Auch sonst zeigt die Regierung kaum Ambitionen, etwas gegen die Klimakrise zu unternehmen. Wir fordern: Hört endlich auf, unsere Zukunft als verhandelbar abzutun!

Von Lena Puttfarcken und Luisa Neubauer

UN-Klimakonferenz

Aktivisten in Eisbärenkostümen fordern den Ausstieg aus der Kernenergie am Rande eines Protestes zur UN-Klimakonferenz in Kattowitz

Die 15-jährige Schwedin Greta Thunberg schafft das, was die Welt in den vergangenen Jahrzehnten verschlafen hat. Sie macht einfach. Und sie bringt die Dinge auf den Punkt: Wenn wir die Klimakrise heute nicht ernst nehmen, ist es morgen zu spät. Seit diesem Sommer, dem heißesten Sommer, den Schweden jemals erlebt hatte, streikt Greta für das Klima. Anstatt zur Schule zu gehen, sitzt sie immer freitags vor dem schwedischen Parlament. So lange, sagt sie, bis Schweden die eigenen Klimaziele im Rahmen des Pariser Klimaabkommens einhält. Seitdem gingen die Bilder des streikenden Schulmädchens um die Welt. Mittlerweile ist sie eine Ikone einer weltweiten Klimabewegung.

Ich, Luisa, habe Greta bei der Klimakonferenz in Katowice getroffen, dort wo in diesen Tagen unsere Zukunft verhandelt wird. Ich habe am Freitag mit ihr zusammen für das Klima gestreikt. Denn sie hat recht. Es ist absurd, dass wir nicht ununterbrochen – auf den Titelseiten, im Netz, im Bundestag – über diese Krise sprechen und mit anpacken.

Streik am Freitag vor dem Bundestag

Deshalb rufen auch wir am Freitag zum Streik auf: direkt vor dem Bundestag, um zwölf Uhr. Wie Greta wollen auch wir mit Jugendlichen streiken, mit Schülern, die von der aktuellen Klimapolitik einmal am meisten betroffen sein werden.

Wir sind Luisa und Lena, 22 und 23 Jahre alt, und werden 2050 mitten im Leben stehen, wenn das Weltklima aller Voraussicht nach ein anderes sein wird. Dann müssen wir mit den Entscheidungen leben, die heute andere für uns treffen. Es ist beängstigend mitzuerleben, wie unsere Zukunft verpokert wird - von Menschen, die die Konsequenzen nicht mehr erfahren müssen.

73 Prozent der Deutschen fordern einen schnellen Kohleausstieg. Und doch ändert sich nichts. Die kommenden Monate und Jahre werden darüber entscheiden, ob wir es in Deutschland schaffen, der Klimakrise in aller Ernsthaftigkeit Antworten entgegen zu stellen, die der Lage gerecht werden. Denn die Zeit läuft, und in wenigen Jahren wird es zu spät sein, den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 oder wenigstens 2 Grad zu begrenzen. Doch das müssen wir, denn unsere Zukunft steht auf dem Spiel.

Manche sagen, die Tatsache, dass Deutschlands Beitrag zu den globalen Treibhausgasen nur etwa 2 Prozent beträgt, würde uns aus der Verantwortung nehmen. Sollen doch China und die USA etwas unternehmen. Doch so funktioniert das nicht. Es liegt an Ländern wie Deutschland, durch konsequente CO2-Reduktionen zu zeigen, dass und wie Klimaschutz funktioniert - als Vorbild und um andere Staaten in Haftung zu nehmen. Und überhaupt: Hier geht es um unser aller Leben, wir sollten alles tun "wollen", was in unserer Macht steht.

Uns ist diese Dringlichkeit sehr bewusst. Der Regierung scheint es aber noch völlig unklar zu sein, welchen Stellenwert man dem Klimaschutz einräumen muss. Und so wird er wie ein weiteres politisches Problem behandelt, um das man sich eben kümmern sollte, wie man sich um den Ausbau einer digitalen Infrastruktur kümmert oder um bezahlbaren Wohnraum.  

So wichtig diese Themen auch sind, beim Klimaschutz geht es um mehr. Um alles, sozusagen. Die Zukunft unserer Generation ist nicht Verhandlungssache, bei der das Wirtschaftswachstum gegen Klimaschutz abgewägt werden kann.

Deutschlands Politik für ältere Generationen 

Doch zur Zeit wird mehr denn je deutlich, dass die Politik in Deutschland leider vor allem eine Politik für ältere Generationen ist. Während vergangene Woche in Polen die Klimaverhandlungen anfingen, wurde auf dem CDU-Parteitag dem Thema Klima längst nicht der Raum zugesprochen, den es nötig hätte – sondern genau genommen fast keiner. Die einzige echte Entscheidung des Parteitags in Sachen Klimaschutz: die Gemeinnützigkeit der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zu überprüfen. Das ist also der Weg, wie die aktuelle Regierungspartei mit unserer Zukunft umgeht.  

Die Politik sagt: Wir würden ja gern mehr für den Klimaschutz tun, aber in Deutschland sind den Menschen andere Dinge wichtiger. Dabei hat das Eurobarometer 2018 des Europäischen Parlaments ergeben, dass die Deutschen den Klimawandel als eines der wichtigsten Probleme im Vorfeld der Europawahl ansehen. Und selbst wenn die Menschen den Klimaschutz für ihr persönliches Wohlergehen nicht so wichtig nehmen – eine Regierung sollte es sich zur Aufgabe machen, ihre Bürger zu schützen, die jungen und die alten. So wie die Anschnallpflicht im Auto seit ihrer Einführung viele Leben gerettet hat, so muss auch Klimaschutz zur Pflicht werden.  

Die Politik sagt: Die Klimaziele bis 2020 können wir sowieso nicht mehr einhalten. Dabei hat eine Fraunhofer-Studie im Auftrag von Greenpeace in diesem Sommer ergeben, dass das schon noch machbar wäre – wenn man nur wollte. Die ältesten 14 Braunkohle-Blöcke müssten abgeschaltet werden, andere gedrosselt, Wind- und Solarkraft ausgebaut werden. Der Versorgungssicherheit in Deutschland würde dies keinen Abbruch tun.

UN-Klimakonferenz: Es geht um unsere Zukunft

Aber auch in anderen Bereichen könnte die Regierung noch viel weiter gehen. Warum zum Beispiel sind Flugtickets von einem Ende Deutschlands ans andere immer noch so viel billiger als eine Bahnfahrt? Auch in anderen Branchen, zum Beispiel in der Bauindustrie, gelten immer noch Standards, mit denen auch die Klimaziele von 2030 schwer zu erreichen sind. Denn die hat Deutschland noch nicht aufgegeben.

Weil wir uns nicht darauf verlassen können, dass die Politik von alleine dieser Krise gerecht wird, liegt es an uns, sie dazu zu drängen. Greta streikt am Freitag, damit Schweden seine Klimaziele einhält. Noch kann Deutschland die Ziele bis 2020 auch einhalten. Aber das müssen wir einfordern. Wir, die am wenigsten in der Klimapolitik zu sagen haben, aber am meisten davon spüren werden. Deshalb streiken auch wir, am Freitag vor dem Bundestag. Denn es geht um nicht weniger als um unsere Zukunft.

Baumhaus im Hambacher Forst