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Reportage

Stammtischkämpfer: Rassismus im Alltag: So lernst du, wie du auf AfD-Sprüche reagieren kannst

Was tun, wenn in der Bahn ein Ausländer beschimpft wird? Oder wenn beim Familienessen rassistisch gehetzt wird? In vielen Städten in Deutschland kannst du dich jetzt zum "Stammtischkämpfer" ausbilden lassen - und deine Reaktionen schulen.

Von Katharina Weiß

Stammtischkämpfer

Was tun, wenn man mit Rassismus konfrontiert wird? Unsere Autorin bei ihrem Besuch bei den "Stammtischkämpfern".

Billiger Schnaps, dröhnender Punkrock und ein alter Stammtisch - das ist die "Uschi Nation" in Berlin Kreuzberg. Der gesellige Exzess hat in der Bar Tradition, aus ihr ging sogar ein Kulthit hervor: Ende der 70er schrieben die Gebrüder Blattschuss hier ihre berühmte Kneipenhymne "Kreuzberger Nächte (sind lang)". Nun ist es aber helllichter Tag in der Bar. Und die zweite Zeile des einprägsamen Gassenhauers kann im Kontext der Veranstaltung, die hier an einem Sonntagmittag stattfindet, überraschend neu interpretiert werden.

"Erst fangen sie ganz langsam an. Aber dann, aber dann." Das 'sie' wäre dann die steigende Zahl von Menschen mit rassistischem und rechtem Gedankengut, die auf Familienfeiern, bei Stammtischen und seit 2017 auch im Bundestag eine immer lauter werdende Stimme erheben. Und die uns alle vor die Frage stellen: Wie reagieren, wenn ganz offen fremdenfeindliche Sprüche geklopft werden?

Die Stammtischkämpfer wollen besser kontern lernen

Um diesen Sprüchen Paroli zu bieten, hat die Kampagne "Aufstehen gegen Rassismus" eine Seminarreihe ins Leben gerufen. Mit gezielten Übungen und rhetorischen Tipps will die Initiative interessierte Personen zu sogenannten Stammtischkämpfern ausbilden. Ziel ist, dass die Teilnehmer danach in diskriminierenden Situationen geschulter reagieren können.

Während der festgesetzte Zigarettengeruch der letzten Nacht noch an die Partystimmung in einem von Berlins wildesten Feierbezirken erinnert, liegt ansonsten eher Aufbruchsstimmung in der Luft. Die zwölf Menschen, die hier in einem Stuhlkreis zusammensitzen, trinken Apfelsaftschorle statt Bier und wollen endlich loslegen. Das Geschlechterverhältnis ist ausgeglichen, das Alter rangiert zwischen 20 und 70. Ein grauhaariger Neuköllner Lehrer sitzt neben einer Erstsemesterstudentin. Auch ein Motorradfahrer mit Vereinskutte und ein Pärchen mit bunten Dreadlocks, das samt großem Hund am Seminar teilnimmt, mischen sich in das Bild. Die meisten sind unzufrieden mit der Art und Weise, wie sie in der Vergangenheit auf rechte Äußerungen im Bekanntenkreis und im Alltag reagiert haben.

Warum schweigen wir so oft?

Geleitet wird das Seminar von Christian,  er arbeitet hauptamtlich bei "Aufstehen gegen Rassismus". Der erste Teil des Seminars beschäftigt sich mit behutsamer Ursachenforschung: Warum schweigen wir so oft, wenn wir eigentlich lieber laut aufschreien wollen? Was hält uns davon ab, auf diskriminierende Äußerungen besser zu reagieren? Eine Teilnehmerin spricht von "zu viel Verständnis" mit den Tätern. Sie versuche, sich so intensiv in Menschen mit hochproblematischen Aussagen hineinzuversetzen, um an die Wurzel ihrer Denkstruktur heranzukommen, dass sie am Ende ganz vergesse, deutlich und kompromisslos Position zu beziehen. Aber auch einfachere Mechanismen werden angesprochen. Den Familienfrieden oder das Arbeitsverhältnis nicht gefährden zu wollen oder ganz einfach der Überraschungsmoment werden als Gründe genannt.

Praxis-Übung: Wer will den Rassisten spielen?

Wie trickreich das Verhältnis zwischen Opfer- und Täterrollen sein kann, wird schon bei der ersten praktischen Übung deutlich: Beim sogenannten "Kugellager" stehen sich die Teilnehmenden eins zu eins gegenüber. Die Aggressor-Seite bekommt eine Parole ausgehändigt und die andere soll darauf reagieren, bevor sie nach einem lauten Klatschen zum nächsten Aufregerspruch weitergeschoben wird. Unsagbares wie "Die Juden in Deutschland haben zu viel Einfluss" oder  "Seitdem die Flüchtlinge in Deutschland sind, können Frauen nicht mehr auf die Straße" gehen den Gruppenmitgliedern beim ersten Versuch schwer über die Lippen. Einige grinsen sich verlegen an.

Doch dann fließen die Parolen immer selbstbewusster, später wird eine Frau anmerken, dass sie es leichter fand, die rassistische Rolle zu verteidigen – alleine schon, weil die diskriminierenden Sprüche mit ihrer irrationalen Emotionalität ohne faktischen Wahrheitsbezug viel Raum für Spontanität lassen. Ganz im Gegensatz zur mühsamen, anti-diskriminierenden Defensivarbeit.

Der Mann mit den Dreadlocks gesteht sich ein: "Mir fehlt da noch die Reaktionsschnelligkeit. Aber vielleicht können wir zwei das ja Zuhause üben." Mit Blick auf seine Partnerin sagt er, halb im Scherz: "Ich wecke sie dann mitten in der Nacht auf und rufe 'Ausländer klauen unsere Arbeitsplätze‘." Auch wenn er die Runde damit erst einmal erheitert: Die Idee, im Freundeskreis nicht immer nur in der Blase zu argumentieren, sondern nach Absprache einen braun gesinnten "Advocatus diabolus" zu ernennen, an dem man sich in privaten Übungen abarbeitet, kann durchaus produktiv sein.

"Warum verkauft sich das Buch von Sarrazin so gut?"

Übungen wie diese sollen vor allem dazu befähigen, die Schrecksekunden zu überwinden, die oft auf eine überraschende Rassismusbombe folgen und viele  in eine Schockstarre zwingen. Ein Wundermittel gibt es nicht, aber eine Präsentation gibt den Stammtischkämpfern Strategien an die Hand, mit denen zumindest bei einem gewissen Personenkreis die Hoffnung auf einen Meinungswechsel besteht.

Oft hätte man es mit Menschen zu tun, die einen vermeintliche Tabubruch unterstützen. Das könnte dann so klingen: "Die AfD ist die einzige Partei, die sich traut, mal zu sagen, dass die Islamisierung eine Gefahr darstellt!“ Für dieses konkrete Beispiel, das auch einigen Teilnehmern schon begegnet ist, schlägt die Initiative folgende Reaktionen vor: "So ein Tabu gibt es nicht, diese Aussage wird ständig geäußert: Im Fernsehen, auf der Straße, in Büchern." Oder: "Wenn das ein Tabu ist, warum verkauft sich dann Sarrazins Buch so gut? Warum wurde er dafür nicht aus der SPD ausgeschlossen?“ Zu einigen dieser Themenfelder gibt die Initiative auch eine Broschüre heraus, bei der diese kleinen Beispielsätze durch knappe aber valide Hintergrundinformationen ergänzt werden. Dass sich Parteifunktionäre der AfD auch von den geschultesten Toleranz-Aktivisten nicht umstimmen lassen, ist dem Projekt "Aufstehen gegen Rassismus"  aber klar.

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Hauptsache, es wird widersprochen!

Statt utopischer Kampfeslust ist ein zentraler Punkt des Seminars: "Denkt über eure Ziele nach. Seid euch darüber klar, mit wem ihr diskutieren wollt und könnt." Neben der stillen Mehrheit gehören diesem Leitfaden nach vor allem die Unentschlossenen und die Sympathisanten zu jener Zielgruppe, bei der man "noch was machen" könne. Doch auch Rechte und Identitäre reißen sich um diese Menschengruppen – und zwar mit simpleren, wenn auch nicht mit besseren Argumenten. Daher lautet die grundlegende Devise dieser Seminare, dass keine diskriminierende Aussage unwidersprochen bleiben darf. Sofern keine Gefahr für Leib und Leben besteht.

Weil sie mit ihrer direkten Positionierung gegen die AfD gegen das Neutralitätsgebot verstoßen, bleibt dem Projekt übrigens staatliche Förderung versagt. Trotzdem sind politische Parteien involviert. Zu den Unterzeichnern des Aufrufs gehören unter anderem Die Linke und die Jusos, aber auch der Chaos Computer Club und verschiedene Antifa-Verbände. Die Aktivisten im Umfeld der Kampagne treten gemäßigt und beinahe akademisch auf – wobei eine gewisse Identifikation mit dem linksextremen Spektrum für viele Menschen aus dem Netzwerk der Initiative kein Schreckgespenst ist.

Diese Seminare gibt es in mittlerweile in ganz Deutschland. Neben Metropolen wie Berlin, Hamburg und München sind auch kleinere Städte wie Esens, Traunstein oder Riesa dabei. Passend zum Titel findet die Ausbildung auch häufig in Kneipen statt. Dass Lokale, die hierfür pro bono ihre Pforten öffnen, meistens selber kaum Probleme mit AfD-Mitgliedern am Stammtisch haben, verleiht der Sache natürlich einen Hauch von Ironie. "Viele fragen uns, warum wir das ausgerechnet in einer Bar in Kreuzberg machen, deren Wände ohnehin mit Antifa-Stickern beklebt sind. Katholiken würden angeblich katholisch gemacht“, erzählt Christian.

Doch er findet, dass der Erfahrungsaustausch und das Üben innerhalb eines politisch eher homogenen Raums den Teilnehmern eine gewisse Sicherheit verleiht. Die Welt da draußen ist nach Ansicht vieler Anwesender mittlerweile zu großen Teilen Feindesland – aber in der "Uschi Nation" ist die linke Welt noch in Ordnung. Dort geht's weiter mit dem praktischen Seminarteil: Das große Finale steht an. Wie in einem Theaterstück stellt die Gruppe eine U-Bahn-Szenerie nach, in der zwei Personen rassistischen Müll über einem dunkelhäutigen Menschen ausschütten, der ohne Begleitung unterwegs ist. Die anderen Teilnehmer üben, mit dieser Situation umzugehen.

Nicht jede Reaktion wird als hilfreich empfunden

So reagiert der ältere Motorradfan auf die Diskriminierung etwa, indem er plötzlich aufsteht und sich schnell neben das weibliche Opfer setzt. Das Problem: In dem Moment weiß die betroffene Frau nicht, welche Gesinnung er hat. Sein Körper versperrt ihr nun den Fluchtweg. In so einer Situation wäre es besser gewesen, so erklärt Christian, zuerst mit dem Opfer verbal Kontakt aufzunehmen und erst einmal körperlichen Abstand zu wahren. Die Frage "Brauchst du Hilfe?" käme viel zu selten. Man müsse die diskriminierten Personen stärker miteinbeziehen und eine Situation herstellen, in der sie sich mit der angebotenen Hilfe auch wohl fühlen.

Verschiedene Ansätze werden in mehreren Durchgängen probiert und hinterher aus allen Perspektiven ausgewertet. Seminarleiter Christian achtet mit viel Fingerspitzengefühl darauf, dass das Theaterstück nicht zum Klamauk verkommt: "Es geht nicht darum zu zeigen, wer den besten Rassisten spielen kann." Wenn die beiden rechten Rollenspieler dann davon sprechen, "dass ihnen dieser stinkende, dunkelhäutige Dreck“ da vorne ziemlich auf den Zeiger geht, ist ohnehin keinem mehr zum Lachen zumute.

Als Christian die Runde am Ende des Tages verabschiedet, sagt er mit wenigen Worten, was wie ein lautloses Motto zwischen den Zeilen des "Stammtischkämpfer"-Seminars mitschwang: "Schön, dass ihr da wart. Schade, dass es nötig ist."

Weitere Informationen zu den Seminaren und zum Bündnis "Aufstehen gegen Rassismus" findet ihr hier.

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.