Die Nationalbibliothek hatte am Donnerstag mitgeteilt, Weimer habe sich gegen den seit Jahren geplanten Erweiterungsbau entschieden. Eine Sprecherin Weimers nannte dafür am Freitag eine Reihe von Gründen. Die Kosten für den Bau lägen trotz Senkungen gegenüber der ursprünglichen Planung "immer noch bei 100 Millionen Euro".
Zudem zeichneten sich grundsätzliche Änderungen am bisherigen Sammelauftrag der Nationalbibliothek ab, die nach bisheriger Regelung zwei Exemplare jedes neu erscheinenden Medienwerks aufbewahren muss. Die "Modernisierungsagenda" der Bundesregierung sehe vor, dass künftig nur noch ein Exemplar gesammelt werden müsse, erklärte die Sprecherin.
Darüber hinaus verfolge Weimer Überlegungen, diese so genannte Pflichtablieferung an die Deutsche Nationalbibliothek künftig weitestgehend digital umzusetzen - und dies habe Auswirkungen auf den Flächenbedarf. Eine finale Entscheidung über die Definition des Sammlungsauftrags stehe aber noch aus, betonte die Sprecherin.
Deshalb sei es nun zu einer "Aussetzung" der Planung für den Erweiterungsbau gekommen, fügte sie hinzu. "Letztlich hängt das Vorhaben von den Ergebnissen der Haushaltsberatungen ab."
Der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, Peter Kraus vom Cleff, erklärte dazu: "Die Deutsche Nationalbibliothek gewährleistet mit ihrem Sammelauftrag die für das kulturelle Gedächtnis essenzielle Überlieferung von Büchern und Medien."
Der Hauptgeschäftsführer wandte sich gegen einen "handstreichartigen Stopp eines bereits geplanten und dringend nötigen Erweiterungsbaus" durch Weimer. Auch wandte er sich gegen eine nur noch digitale Archivierung: "Das gedruckte Buch ist ein Kulturgut und als beständige und langlebige Form der Wissensübermittlung unabdingbar."
"Gedrucktes Kulturgut ist unersetzlich", betonte auch der Bundesverband Druck und Medien (BVDM) in Berlin. "Gerade gedruckte Bücher - ebenso wie andere physische Medienformen - sind fundamentale Träger von Kultur, Wissen und Geschichte", betonte BVDM-Hauptgeschäftsführerin Kirsten Hommelhoff. "Sie sind nicht nur Inhalte, sondern auch materielle Artefakte, deren Ausgaben, Gestaltung, Haptik, Herstellungsweise und typografische Besonderheiten ein historisches Zeugnis ihrer Zeit darstellen."
"Uns ist die angespannte Haushaltslage des Bundes bewusst", sagte der Generaldirektor der Deutschen Nationalbibliothek, Frank Scholze, zu der Entscheidung Weimers und deren Begründung. Es sei jedoch gelungen, die Baukosten rund 30 Millionen Euro unter den ursprünglich bewilligten Kosten zu kalkulieren. Der Erweiterungsbau sei darauf ausgelegt, "wirtschaftlich und nachhaltig dringend benötigte Magazinflächen zu schaffen".
Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Kaiser, kritisierte Weimers Schritt und mahnte: "Diese Entscheidung sollte noch einmal überdacht werden." Kaiser verwies auch auf Weimers umstrittenes Vorgehen beim Deutschen Buchhandlungspreis, das schließlich zur Absage der Verleihung geführt hatte. "Auch vor dem Hintergrund der Diskussion zur Verleihung des Buchhandlungspreises wünsche ich mir, dass die Werte, die Literatur vermittelt, wieder ein stärkeres Gewicht bekommen und das Erbe der Buchstadt Leipzig mehr gewürdigt wird."
Noch schärfere Kritik kam von Linken-Fraktionschef Sören Pellmann, der den Wahlkreis Leipzig im Bundestag vertritt. "Herr Weimer ist entweder beim Kaputtkloppen der Kultur auf den Geschmack gekommen oder er hat irgendetwas gegen Leipzig", erklärte Pellmann. "Erst die Absage des Buchhandlungspreises, jetzt geht es der Deutschen Nationalbibliothek an den Kragen: Sieben Millionen Euro Planungskosten werden einfach in den Sand gesetzt."
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