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Attentäter von Toulouse: Scharfe Kritik an Ermittlungen

Nach der Erschießung des islamistischen Serienattentäters von Toulouse ist deutliche Kritik an den Ermittlungen und dem Polizeieinsatz laut geworden.

Nach der Erschießung des islamistischen Serienattentäters von Toulouse ist deutliche Kritik an den Ermittlungen und dem Polizeieinsatz laut geworden. Verteidigungsminister Gérard Longuet kritisierte, dass die Ermittlungen zunächst in die falsche Richtung gelaufen seien, wodurch "beträchtliche Zeit" verloren wurde. Der mutmaßliche Attentäter Mohammed Merah starb am Donnerstag bei einem Feuergefecht mit der Polizei. Die US-Behörden hatten ihn schon länger als Terrorverdächtigen im Visier. Im Zentrum dvon Toulouse sprengten Spezialisten am Abend ein verdächtiges Paket.

"Wir haben beträchtliche Zeit verloren, weil bestimmte Leute auf alle Fälle wollten, dass nur in eine Richtung ermittelt wird und nicht in alle Richtungen", sagte der Verteidigungsminister dem Fernsehsender Canal+. Dabei bezog er sich auf die anfängliche Annahme der Ermittler, dass der Täter ein rassistischer Soldat oder Ex-Soldat sein könne. Aufgrund dieses Verdachts seien 20.000 Akten der Armee ausgewertet worden. "Das kostet Zeit", sagte Longuet. Nun müssten die "Lehren" aus dem Fall gezogen werden.

In den USA stand Mohammed Merah wegen mutmaßlicher Verbindungen zu Terrorgruppen bereits "seit einiger Zeit" auf der US-Flugverbotsliste, wie aus Geheimdienstkreisen verlautete. Dennoch sagte der Chef des französischen Inlandsgeheimdienstes DCRI, Bernard Squarcini, der Zeitung "Le Monde", es sei "unmöglich" gewesen, Merah schon früher aufzuspüren. Der 23-jährige algerischstämmige Franzose war dem Geheimdienst zwar bekannt, vor allem weil er 2010 und 2011 in Afghanistan und Pakistan war. Eine verstärkte Überwachung des Islamisten, der sich als Al-Kaida-Mitglied bezeichnete, gab es aber nicht.

Nach seiner Rückkehr aus Afghanistan 2010 habe es eine Ermittlung dazu gegeben, doch habe Merah weder ideologischen Aktivismus gezeigt noch Moscheen besucht, sagte Squarcini. Auch Regierungschef François Fillon verteidigte das Vorgehen gegen den Attentäter: "Die Tatsache, einer salafistischen Organisation anzugehören, ist an sich kein Verbrechen", sagte Fillon dem Radiosender RTL.

Kritik gab es auch am Polizeieinsatz gegen Merah, der am Donnerstag nach einer 32-stündigen Belagerung von einem Scharfschützen erschossen worden war. "Wer wartet denn schon 30 Stunden, wenn es keine Geiseln gibt? Der ganze Einsatz scheint wie eine Vorführung der Dummheit", sagte der frühere Chef der israelischen Elite-Polizei, Alik Ron, der Zeitung "Maariv".

Der Einsatz sei "ohne klares taktisches Schema" erfolgt, bemängelte auch der Gründer der französischen Polizei-Einsatzgruppe GIGN, Christian Prouteau. Es müsse gefragt werden, warum es der Eliteeinheit Raid nicht gelungen sei, einen einzelnen Mann lebend zu fassen, sagte Prouteau der Zeitung "Ouest France".

In Toulouse ging die Suche nach möglichen Komplizen Merahs weiter. Sein älterer Bruder Abdelkader bestritt, die Terrorpläne des 23-Jährige gekannt zu haben. Dabei soll der 29-Jährige nach Angaben von Zeugen noch stärker im islamistischen Kampf engagiert sein als sein Bruder. Der Polizeigewahrsam gegen Abdelkader Merah, seine Mutter und seine Freundin wurde bis Sonntag verlängert. Dann müssen die drei freigelassen werden oder es muss ein Ermittlungsverfahren eingeleitet werden.

Mohammed Merah hatte innerhalb weniger Tage insgesamt sieben Menschen erschossen, darunter drei Kinder und einen Religionslehrer vor einer jüdischen Schule. Am Freitagmittag versammelten sich in Toulouse hunderte Menschen zum Gedenken an die Opfer.

In Toulouse und Umgebung gilt weiterhin erhöhte Alarmbereitschaft für die Sicherheitskräfte. Am Abend sprengten Spezialisten ein verdächtiges Paket im Zentrum von Toulouse.

AFP / AFP