"Gelbe Briefe" handelt von dem gefeierten Künstlerehepaar Derya und Aziz aus Ankara, das ins Visier des türkischen Staates gerät. Über Nacht verlieren sie ihre Arbeit und ihre Wohnung und gehen mit ihrer 13-jährigen Tochter nach Istanbul. Während sich Aziz mit Gelegenheitsjobs durchschlägt und an seinen Überzeugungen festhält, sucht Derya nach einem Ausweg, der sie finanziell unabhängig macht. Nach und nach vergrößert sich die Distanz zwischen ihnen und ihrer Tochter.
Bereits für seinen Kinofilm "Das Lehrerzimmer" hatte Catak zahlreiche Auszeichnungen erhalten, unter anderem den Deutschen Filmpreis. Auch für den Oscar war "Das Lehrerzimmer" 2024 nominiert.
Der Silberne Bär für die beste Hauptrolle ging in diesem Jahr an die Schauspielerin Sandra Hüller für ihre Rolle im Film "Rose" des österreichischen Regisseurs Markus Schleinzer. Der Schwarz-Weiß-Film ist im 17. Jahrhundert angesiedelt und handelt von einer Frau, die sich als Mann ausgibt. Die überzeugende Stärke dieser Hauptrolle wäre nicht möglich ohne Hüllers großes Talent gewesen, sagte Jury-Mitglied Ewa Puszczyńska. "Es ist schwer, sich irgendjemand anderen in dieser Rolle vorzustellen."
Der Silberne Bär für die Beste Regie ging an den britischen Filmemacher Grant Gee für "Everybody Digs Bill Evans", der von dem Jazz-Pianisten Bill Evans erzählt. Der Film erinnere an die Tradition der Jazzfotografie, sagte Wenders bei der Preisverleihung. Er sei "eine der schönsten Bildkompositionen, die wir seit Langem gesehen haben."
Der Silberne Bär für den Großen Preis der Jury ging an den türkischen Regisseur Emin Alper für seinen Film "Kurtulus (Salvation)". Als beste Nebendarsteller wurden die 76-jährige Schauspielerin Anna Calder-Marshall und der 88-jährige Schauspieler Tom Courtenay für ihre Rollen in "Queen at Sea" ausgezeichnet. Der Film des britischen Regisseurs Lance Hammer, in dem es um eine demenzkranke Frau und ihre Familie geht, erhielt auch den Silbernen Bären für den Preis der Jury.
Der Silberne Bär für das beste Drehbuch ging an Geneviève Dulude-de Celles für ihren Film "Nina Roza", den Silbernen Bären für eine herausragende künstlerische Leistung bekamen die Regisseure Anna Fitch und Banker White für "Yo (Love is a Rebellious Bird)".
Zu Beginn der Preisverleihung ging Festivalleiterin Tricia Tuttle auf die Kritik mehrerer Filmschaffender an der Berlinale in Bezug auf den Gaza-Konflikt ein. Kritik zu üben sei Teil der Demokratie, betonte Tuttle. "Wir respektieren, dass Menschen ihre Stimme erheben, selbst wenn wir nicht jeder Behauptung, die über uns aufgestellt wird, zustimmen."
Ein Festival wie die Berlinale könne die Konflikte der Welt nicht lösen, sagte Tuttle. "Aber es kann Raum schaffen für Komplexität, für Zuhören und dafür, einander zu vermenschlichen."
Mehr als 80 Filmschaffende, darunter Stars wie Javier Bardem und Tilda Swinton, hatten in einem offenen Brief das "Schweigen" der Berlinale zum Gaza-Krieg kritisiert. Sie zeigten sich "entsetzt" über das "institutionelle Schweigen" des Festivals und "bestürzt" über dessen "Beteiligung an der Zensur von Künstlern, die Israels andauernden Völkermord an den Palästinensern im Gazastreifen ablehnen".
Auch bei der Preisverleihung selbst spielte das Thema eine Rolle. So beklagte die libanesische Regisseurin Marie-Rose Osta, die für ihren Kurzfilm "Yawman ma walad" ("Someday a Child") auszeichnet wurde, dass der Waffenstillstand nicht eingehalten werde und zahlreiche Kinder im Libanon und in Gaza von israelischen Bomben bedroht würden. Der syrisch-palästinensische Regisseur Abdallah Alkhatib, der für sein Debüt "Chronicles from the Siege" einen Preis erhielt, beschuldigte die Bundesregierung, sich am Genozid Israels zu beteiligen.
Die Berlinale ist das wichtigste Filmfestival in Deutschland und eines der bedeutendsten weltweit. Bei der 76. Ausgabe konkurrierten 22 Filme im Wettbewerb um den Goldenen und die Silbernen Bären. Zum Auftakt des Festivals am 12. Februar war die malaysische Schauspielerin und Oscar-Preisträgerin Michelle Yeoh mit dem Goldenen Ehrenbären ausgezeichnet worden.