Deutscher Film "Gelbe Briefe" gewinnt Goldenen Bären der Berlinale

Regisseur Ilker Catak
Regisseur Ilker Catak
© AFP
Der Film "Gelbe Briefe" des deutschen Regisseurs Ilker Catak ist mit dem Goldenen Bären der Berlinale ausgezeichnet worden. Der Film  spreche sehr deutlich "die politische Sprache des Totalitarismus", sagte Jury-Präsident Wim Wenders bei der Verleihung am Samstagabend in Berlin. Die Kontroverse um den Umgang mit dem Gazakrieg blieb ein Thema: Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) verließ aus Protest den Saal, als der Filmemacher Abdallah Alkhatib der Bundesregierung vorwarf, "Partner des Völkermords im Gazastreifen" zu sein.

"Gelbe Briefe" handelt von dem gefeierten Künstlerehepaar Derya und Aziz aus Ankara, das ins Visier des türkischen Staates gerät. Über Nacht verlieren sie ihre Arbeit und ihre Wohnung und gehen mit ihrer 13-jährigen Tochter nach Istanbul. Während sich Aziz mit Gelegenheitsjobs durchschlägt und an seinen Überzeugungen festhält, sucht Derya nach einem Ausweg, der sie finanziell unabhängig macht. Nach und nach vergrößert sich die Distanz zwischen ihnen und ihrer Tochter.  

Bereits für seinen Kinofilm "Das Lehrerzimmer" hatte Catak zahlreiche Auszeichnungen erhalten, unter anderem den Deutschen Filmpreis. Auch für den Oscar war "Das Lehrerzimmer" 2024 nominiert. 

Der Silberne Bär für die beste Hauptrolle ging in diesem Jahr an die Schauspielerin Sandra Hüller für ihre Rolle im Film "Rose" des österreichischen Regisseurs Markus Schleinzer. Der Schwarz-Weiß-Film ist im 17. Jahrhundert angesiedelt und handelt von einer Frau, die sich als Mann ausgibt.

Der Silberne Bär für die Beste Regie ging an den britischen Filmemacher Grant Gee für "Everybody Digs Bill Evans", der von dem Jazz-Pianisten Bill Evans erzählt. Der Silberne Bär für den Großen Preis der Jury ging an den türkischen Regisseur Emin Alper für seinen Film "Kurtulus (Salvation)". 

Als beste Nebendarsteller wurden die 76-jährige Schauspielerin Anna Calder-Marshall und der 88-jährige Schauspieler Tom Courtenay für ihre Rollen in "Queen at Sea" ausgezeichnet. Der Film des britischen Regisseurs Lance Hammer, in dem es um eine demenzkranke Frau und ihre Familie geht, erhielt auch den Silbernen Bären für den Preis der Jury.

Der  Silberne Bär für das beste Drehbuch ging an Geneviève Dulude-de Celles für ihren Film "Nina Roza", den Silbernen Bären für eine herausragende künstlerische Leistung bekamen die Regisseure Anna Fitch und Banker White für "Yo (Love is a Rebellious Bird)". 

Zu Beginn der Preisverleihung ging Festivalleiterin Tricia Tuttle auf die Kritik mehrerer Filmschaffender an der Berlinale in Bezug auf den Gazakonflikt ein. Kritik zu üben sei Teil der Demokratie, betonte Tuttle. Ein Festival wie die Berlinale könne die Konflikte der Welt nicht lösen. "Aber es kann Raum schaffen für Komplexität, für Zuhören und dafür, einander zu vermenschlichen." 

Mehr als 80 Filmschaffende, darunter Stars wie Javier Bardem und Tilda Swinton, hatten in einem offenen Brief das "Schweigen" der Berlinale zum Gazakrieg kritisiert. Sie zeigten sich "entsetzt" über das "institutionelle Schweigen" des Festivals und "bestürzt" über dessen "Beteiligung an der Zensur von Künstlern, die Israels andauernden Völkermord an den Palästinensern im Gazastreifen ablehnen".

Auch bei der Preisverleihung selbst spielte das Thema eine Rolle. Der syrisch-palästinensische Regisseur Abdallah Alkhatib, der für sein Debüt "Chronicles from the Siege" einen Preis erhielt, beschuldigte die Bundesregierung, "Partner des Völkermordes" im Gazastreifen zu sein. Daraufhin verließ Umweltminister Schneider, der nach Angaben seines Ministeriums als einziges Mitglied der Bundesregierung dabei war, die Berlinale. 

"Der Bundesminister hält diese Aussagen für nicht akzeptabel und hat daher während der Rede die Veranstaltung verlassen", erklärte Schneiders Ministerium am Sonntag. Israels Botschafter Ron Prosor lobte Schneider in der "Bild"-Zeitung für dessen "moralische Klarheit".

Auch CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann kritisierte "abstoßende Szenen" bei der Preisverleihung des Filmfestivals. Im Onlinedienst X sprach Hoffmann am Sonntag von "Völkermord-Vorwürfen, antisemitischen Ausfällen und Drohungen gegen Deutschland auf der Berlinale", die "absolut inakzeptabel" seien. 

Die Berlinale ist das wichtigste Filmfestival in Deutschland und eines der bedeutendsten weltweit. Bei der 76. Ausgabe konkurrierten 22 Filme im Wettbewerb um den Goldenen und die Silbernen Bären. Zum Auftakt des Festivals am 12. Februar war die  malaysische Schauspielerin und Oscar-Preisträgerin Michelle Yeoh mit dem Goldenen Ehrenbären ausgezeichnet worden.

AFP