Oberstes US-Gericht erlaubt Texas Neuzuschnitt von Wahlkreisen

US-Kapitol
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Der Oberste Gerichtshof der USA hat dem Bundesstaat Texas erlaubt, für die Zwischenwahlen im kommenden Jahr einen neuen Zuschnitt der Wahlkreise anzuwenden. Die Entscheidung des von konservativen Richtern dominierten Gerichts vom Donnerstag (Ortszeit) hebt ein voriges Urteil eines Bundesgerichts auf. Dieses hatte den von den Republikanern betriebenen Neuzuschnitt der Wahlkreise in dem südlichen Bundesstaat untersagt.

Der texanische Gouverneur Greg Abbott zeigte sich erfreut über die Entscheidung des Obersten Gerichts. "Wir haben gewonnen!", erklärte er im Onlinedienst X. Texas sei röter geworden, schrieb er mit Blick auf die Farbe seiner Republikanischen Partei. Auch Justizministerin Pam Bondi begrüßte das Urteil.

Die sechs konservativen Richterinnen und Richter des Obersten Gerichtshofs fällten die Entscheidung gegen die Stimmen der drei liberalen Richterinnen. Die liberale Richterin Elena Kagan erklärte in ihrer abweichenden Entscheidung, das Bundesgericht habe in der ersten Instanz deutlich gemacht, dass die Bürger in Texas durch die neuen Wahlkreise weitgehend nach ethnischen Gesichtspunkten aufgeteilt würden, um für die Republikaner vorteilhafte Wahlbezirke zu schaffen.

Auch die oppositionellen Demokraten äußerten scharfe Kritik. Die rechtsgerichtete Mehrheit am Obersten Gerichtshof habe "erneut ihre Glaubwürdigkeit verspielt", indem sie den Neuzuschnitt der Wahlkreise abgesegnet habe, erklärte der Minderheitsführer der Demokraten im Repräsentantenhaus, Hakeem Jeffries. "Die Republikaner wissen, dass die Extremisten nur durch Betrug gewinnen können. Die Menschen in Kalifornien und darüber hinaus werden dies verhindern", fügte er hinzu.

Mit der Neuordnung wollen die Republikaner von Präsident Donald Trump bei der Zwischenwahl im kommenden Jahr fünf zusätzliche Abgeordnetenmandate holen, um ihre Mehrheit im US-Kongress dauerhaft abzusichern. Schwarze und Latinos kritisieren den Neuzuschnitt als diskriminierend gegenüber Minderheiten.

In einer Reaktion auf das Vorgehen in Texas hatte das von den Demokraten regierte Kalifornien seine Wahlkreise ebenfalls neu zugeschnitten. Dies soll für fünf zusätzliche Sitze für die Demokraten im Repräsentantenhaus sorgen. 

Auch in anderen Bundesstaaten gibt es Bestrebungen, die Wahlkreise neu zuzuschneiden. Trumps Republikaner haben derzeit eine knappe Mehrheit von fünf Sitzen im Repräsentantenhaus. In der zweiten Kongresskammer, dem Senat, verfügen sie ebenfalls über eine Mehrheit. Für gewöhnlich erleidet die regierende Partei bei den Zwischenwahlen allerdings deutliche Verluste. Die Demokraten hoffen deswegen, das Repräsentantenhaus im Herbst 2026 zurückerobern zu können. Dies wollen die Republikaner mit dem Neuzuschnitt von Wahlkreisen verhindern.

Die Praxis des Wahlkreiszuschnitts aus politischen Motiven hat in den USA eine lange Tradition - und immer wieder auch den Obersten Gerichtshof beschäftigt. In der Regel werden die Wahlkreise alle zehn Jahre auf Grundlage von Zensusdaten über die Bevölkerungsstruktur neu festgelegt. Der Neuzuschnitt soll demografischen Veränderungen Rechnung tragen und die Verfassungsvorgabe erfüllen, dass alle Wahlbezirke innerhalb eines Bundesstaats in etwa die gleiche Bevölkerungszahl haben müssen.

AFP