Seinen Tod hatte der für Jahrzehnte erfolgreicher Film- und Fernsehproduktionen stehende Adorf offenbar kommen gesehen. Wie Stark erklärte, gab der Schauspieler ihm bei einem Besuch vor kurzer Zeit noch mit auf den Weg, dass er sich "bei seinem Publikum für die jahrzehntelange Treue bedankt".
Bundespräsident Steinmeier erklärte, Adorf habe "das kulturelle Leben weit über unser Land hinaus bereichert." Er sei auch international verehrt worden. "Ob im deutschen Autorenfilm, im italienischen Kino oder in Hollywood: Überall war er zu Hause – und verlor sich doch nie."
Der Bundespräsident hob hervor, der Schauspieler sei in das kollektive Film- und Theatergedächtnis der Deutschen eingegangen. "Mario Adorf brachte seine Figuren durch seine unnachahmliche sprachliche Kraft und körperliche Präsenz zum Leuchten – und er brachte uns mit seiner Kunst zum Lachen und zum Weinen, er ließ uns mitempfinden auch mit den Schurken und Bösewichtern, die er so häufig verkörperte."
Auch Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) würdigte Adorf als einen "der bedeutendsten Schauspieler" Deutschlands. Sein künstlerisches Wirken habe Generationen geprägt. "Mit seiner unverwechselbaren Präsenz und Vielseitigkeit hat er das deutsche und europäische Kino nachhaltig bereichert, seine Stimme war voller Wucht und Wahrhaftigkeit – und doch getragen von feiner Nachdenklichkeit", erklärte Klöckner in Berlin. Adorf sei als Künstler nie glatt, sondern immer echt gewesen.
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) nannte Adorf einen deutschen Schauspieler von Weltruf. "Ob auf der Bühne oder Leinwand, ob als Sänger oder Autor - Mario Adorf war in vielen Bereichen der Kunst zu Hause", erklärte Weimer. Seinem vielfältigen Schaffen seien neben sensationellen Fernsehereignissen wie "Der große Bellheim" eine Vielzahl unvergesslicher Leinwandmomente wie "Die Blechtrommel" oder "Rossini" zu verdanken. "Er verkörperte seine Figuren mit außergewöhnlicher Authentizität, eindrucksvoller Präsenz und unverwechselbarem Können - der deutsche Film ist ohne ihn schwer vorstellbar."
Adorf gehörte zu den profiliertesten deutschen Schauspielern und war durch zahlreiche Film- und Fernsehrollen bekannt. Der am 8. September 1930 im schweizerischen Zürich als uneheliches Kind geborene Darsteller wuchs in prekären Verhältnissen auf und fand später seine Erfüllung in der Schauspielkunst. 1957 gelang ihm mit der Verkörperung eines geistig behinderten Mörders in dem Film "Nachts, wenn der Teufel kam" der Durchbruch. In den 60er Jahren machte er international Karriere.
Eine Wende zum Charakterdarsteller ermöglichte ihm Anfang der 70er Jahre der neue deutsche Film. Regisseur Volker Schlöndorff besetzte ihn in "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" und danach in der mit dem Oscar ausgezeichneten Verfilmung "Die Blechtrommel". Für Helmut Dietl spielte er im Kinoerfolg "Rossini" oder in der Serie "Kir Royal".
"Mit seiner Schauspielkunst hat er die Welt zum Erschaudern, Nachdenken, zum Lachen und Weinen gebracht", erklärte Stark. "Seine Kunst war es, Schurken, Mafiosi und hinterhältige Patriarchen so menschlich darzustellen, dass das Publikum sich oft auf die Seite des 'Bösen' schlug". Adorf habe zudem "nie seine "Bodenhaftung verloren".
Adorf hinterlässt nach Angaben seines Managements seine französische Ehefrau Monique sowie seine Tochter Stella aus erster Ehe und Enkel Julius.
ZDF-Intendant Norbert Himmler erinnerte an Mehrteiler des Senders wie "Der große Bellheim", "Die Affäre Semmeling" und "Der Schattenmann", die das Programm des Senders nachhaltig bereichert hätten. "Sein Werk hat weit über einzelne Rollen hinausgewirkt und ist fest im kollektiven Gedächtnis verankert." Auch die Intendantin des Westdeutschen Rundfunks (WDR), Katrin Vernau, hob die Bedeutung Adorfs für den Erfolg zahlreicher WDR-Produktionen hervor.
Seine letzte Ruhestätte soll Adorf seinem Manager zufolge in seiner Wahlheimat in Frankreich finden. Der "Bild"-Zeitung sagte Stark: "Selbst im Tod ist Mario Adorf noch bescheiden - kein Ehrenbürgerbegräbnis in seinem Heimatort Mayen, keine prunkvolle Grabstätte auf einem Münchner Prominentenfriedhof, sondern ein bescheidenes Plätzchen in seiner Wahlheimat Saint Tropez." Das sei sein letzter Wunsch gewesen.