Sieg gegen Frankreich Medaillentraum lebt: Handballer stürmen ins EM-Halbfinale

War bester deutscher Werfer: Juri Knorr. Foto: Sina Schuldt/dpa
War bester deutscher Werfer: Juri Knorr. Foto
© Sina Schuldt/dpa
Im entscheidenden Hauptrundenspiel zeigen die deutschen Handballer eine starke Leistung und belohnen sich mit dem Einzug ins Halbfinale. Ein Spieler ragt heraus.

Bundestrainer Alfred Gislason verfolgte mit einem zufriedenen Lächeln den Jubeltanz der deutschen Handballer. Angetrieben von einem famosen Juri Knorr ist die DHB-Auswahl ins Halbfinale der Europameisterschaft gestürmt und darf weiter von der ersten EM-Medaille seit dem Gold-Triumph vor zehn Jahren träumen. Der Olympia-Zweite behielt im Hauptrunden-Endspiel gegen Rekord-Weltmeister Frankreich die Nerven und überzeugte beim 38:34 (19:15) mit einer im Turnier bisher vermissten Offensiv-Power.

Bundeskanzler Friedrich Merz zeigte sich begeistert. Der CDU-Politiker gratulierte der deutschen Mannschaft aus Berlin. "Das ist eine große Freude", sagte Merz bei einer Pressekonferenz. Jetzt hoffe er auf einen Einzug ins Finale.

Gislason sprach hinterher von einer "phänomenalen Leistung" und zeigte sich "extrem stolz" von der Teamleistung. "Wir freuen uns natürlich, dass wir das Ding geholt haben", sagte Rückraumspieler Renars Uscins im ZDF. Die Schwächephase in der zweiten Hälfte habe man "dieses Mal kurz gehalten", ergänzte der 23-Jährige: "So war es eine super Mannschaftsleistung heute." Torhüter Andreas Wolff lobte aber vor allem den herausragenden Knorr: "Juri hat heute das Spiel gezeigt, von dem wir uns alle erhofft haben, dass er es zeigt."

Jetzt gegen Island oder Kroatien

Vor 10.850 Zuschauern in Herning war Knorr mit zehn Toren bester Werfer für die phasenweise furios agierende DHB-Auswahl, die in der zweiten Turnierphase mit 8:2 Punkten die starke Konkurrenz aus Frankreich, Spanien, Portugal und Norwegen distanzierte. Halbfinal-Gegner in der Vorschlussrunde ist entweder Kroatien oder Island. Als erstes Team hatte sich Weltmeister und Olympiasieger Dänemark für das Halbfinale qualifiziert.

Wie schon beim Wunder von Lille bei den Sommerspielen 2024, als Deutschland im Viertelfinale in der Verlängerung siegte, gab es im DHB-Lager nach dem Abpfiff grenzenlose Freude. Klar ist: In dieser Form darf das DHB-Team bei der Endrunde in Dänemark, Norwegen und Schweden weiter auf das erste EM-Edelmetall seit dem sensationellen Titelgewinn 2016 hoffen. Der starke Auftritt gegen Frankreich dürfte auch die Diskussionen um die Zukunft von Gislason, dessen Vertrag bis zum Ende der Heim-WM 2027 gilt, verstummen lassen.

Deutsches Offensiv-Feuerwerk 

Die Ausgangslage vor dem Showdown war klar: Der deutschen Mannschaft reichte schon ein Remis zum Einzug ins Halbfinale, der viermalige Europameister musste unbedingt gewinnen. Entsprechend motiviert gingen beide Teams in die Partie, in der das DHB-Team kurzfristig auf den erkrankten Abwehrspezialisten Tom Kiesler verzichten musste. 

Anders als in den Partien zuvor agierte die deutsche Mannschaft im Angriff von Beginn an konzentriert und effektiv. Dafür fand die Deckung zunächst keine Einstellung. Erst nach einer Viertelstunde konnte Torwart Andreas Wolff, der nach seiner Reservistenrolle gegen Dänemark wieder begann, erstmals einen Wurf der Franzosen abwehren.

Die Parade wirkte wie ein Signal an seine Vorderleute, noch aggressiver zu Werke zu gehen. Und das taten sie. Nach 18 Minuten war Deutschland beim 11:7 auf vier Tore enteilt. Großen Anteil daran hatte Knorr, der endlich die erhoffte Torgefahr ausstrahlte und zur prägenden Figur in der ersten Halbzeit avancierte. Zudem erwies sich Justus Fischer am Kreis als sicherer Vollstrecker.

Abwehrprobleme bleiben folgenlos

Frankreich setzte der deutschen Offensivstärke nur die Torgefahr von Dika Mem entgegen. Der Star vom FC Barcelona, der im Sommer 2027 zum deutschen Meister Füchse Berlin wechselt, war kaum zu stellen. Dennoch nahm die DHB-Auswahl unter dem Jubel der zahlreichen deutschen Fans ein Vier-Tore-Polster in die Pausenkabine mit.

Weil Wolff in der ersten Halbzeit überhaupt kein Faktor war, schickte der Bundestrainer mit Wiederbeginn David Späth zwischen die Pfosten. Und der 23-Jährige lieferte zunächst, sodass sich seine Vorderleute den einen oder anderen Fehlwurf leisten konnten. 

Zwölf Minuten vor Ultimo stand die Partie beim 29:28 aber plötzlich wieder auf der Kippe. Wolff kehrte zurück und entschärfte gleich den ersten Wurf. In der dramatischen Schlussphase hatte Deutschland das bessere Ende für sich und greift nun nach einer Medaille.

dpa