Starmer steht seit Tagen massiv unter Druck, weil er den früheren Labour-Minister Peter Mandelson zum britischen Botschafter in den USA ernannt hatte - obwohl Starmer wusste, dass Mandelson nach Epsteins Verurteilung 2008 weiterhin Kontakt zu dem Sexualstraftäter hielt.
Am Sonntag war Kabinettschef McSweeney zurückgetreten, der Starmer nach eigenen Angaben zur Ernennung Mandelsons geraten hatte. Am Montag reichte dann Kommunikationschef Allan seinen Rücktritt ein. Er wolle den Aufbau eines neuen Teams in der Downing Street ermöglichen, erklärte Allan.
Die Opposition, aber auch Mitglieder seiner eigenen Labour-Partei fordern aber auch Starmer selbst zum Rücktritt auf. Der schottische Labour-Chef Sarwar sagte am Montag, Starmer sei ein "anständiger Mann", der sein Leben in den Dienst des Landes gestellt habe. Es seien aber "zu viele Fehler passiert".
Das Ausmaß der Verbindungen Mandelsons zu Epstein war mit der Freigabe weiterer Epstein-Akten durch das US-Justizministerium Ende Januar bekannt geworden. Demnach soll Mandelson, als er von 2008 bis 2010 Minister unter Premierminister Gordon Brown war, vertrauliche Finanzdaten der damaligen Labour-Regierung an den US-Finanzinvestor weitergegeben und Geld von ihm angenommen haben.
Das britische Außenministerium prüft nach eigenen Angaben inzwischen eine an Mandelson gezahlte Abfindung. Starmer hatte den damaligen Botschafter wegen seiner Verbindungen zu Epstein im September entlassen. Mandelson, seit Jahrzehnten eine zentrale Figur in der britischen Politik und der Labour-Partei, erhielt laut einem Bericht der "Sunday Times" nach nur sieben Monaten im Amt eine Abfindung von schätzungsweise 44.612 bis 55.000 Pfund (rund 51.300 bis 63.300 Euro).
Starmer lehnt einen Rücktritt ab und entschuldigte sich bei den Opfern Epsteins für die Ernennung Mandelsons. "Der Premierminister konzentriert sich auf seine Aufgaben", bekräftigte Starmers Sprecher am Montag. Starmer selbst sagte nach Angaben aus Regierungskreisen vor Beschäftigten in der Downing Street, er mache mit "Zuversicht" weiter.
Bisher haben sich alle wichtigen Kabinettsmitglieder hinter Starmer gestellt. Vize-Premier David Lammy schrieb im Onlinedienst X, Starmer sei vor 18 Monaten mit "überwältigender" Zustimmung für fünf Jahre gewählt worden, "um das Labour-Wahlprogramm umzusetzen, für das wir alle eingetreten sind". Die ehemalige Vize-Premierministerin Angela Rayner und Innenministerin Shabana Mahmood, die beide als mögliche Nachfolgerinnen gehandelt werden, sprachen Starmer ihre "volle Unterstützung" aus.
Dem bis in höchste Kreise international vernetzten Epstein wurde vorgeworfen, mehr als tausend Mädchen und Frauen missbraucht und teils an Prominente vermittelt zu haben. Epstein war 2008 verurteilt worden, weil er minderjährige Mädchen missbraucht hatte. Wegen eines umstrittenen Deals mit der Staatsanwaltschaft lautete die Strafe damals aber nur 18 Monate Gefängnis.
2019 wurde Epstein unter anderem wegen des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen erneut festgenommen. Rund einen Monat nach seiner Festnahme wurde der 66-Jährige erhängt in seiner New Yorker Gefängniszelle gefunden, nach offiziellen Angaben nahm er sich das Leben.