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Hamburg: Kinder im Schwimmbad verunglückt, weil Eltern mit dem Smartphone beschäftigt waren

In den letzten Wochen mussten in Hamburger Schwimmbädern drei Kinder wiederbelebt werden. Schuld daran waren Eltern, die ihre Aufsichtspflicht vernachlässigt haben. Ein Hamburger Schwimmbadbetreiber schlägt Alarm.

Ein Junge mit Schwimmflügeln steht im Schwimmbad

Eltern haben auch im Schwimmbad eine Aufsichtspflicht für ihre Kinder (Symbolfoto)

Picture Alliance

Das Kind spielt fröhlich am Beckenrand. Mutter oder Vater sitzen in einiger Entfernung und haben ihr Smartphone in der Hand. Live-News, WhatsApp-Nachrichten oder Instagram-Feeds durchstöbern – Smartphones oder Tablets lassen nur selten Langeweile aufkommen. Doch das wird nun immer häufiger zu einem echten Problem. Wer wirft einen Blick auf die ?

Wie Smartphone und Tablets Eltern ablenken

Der Hamburger Schwimmbad-Betreiber Bäderland, der jedes Jahr über vier Millionen Badegäste in fast 30 Schwimmhallen und Freibädern begrüßt, schlägt Alarm. Wie das "Hamburger Abendblatt" zuerst berichtete, wurden alleine in den letzten Wochen drei Kinder vom Schwimmbadpersonal aus dem Wasser gezogen. Sie mussten reanimiert werden und haben überlebt. In allen drei Fällen hatten Eltern ihre Aufsichtspflicht verletzt. "Das hat in den letzten Jahren stark zugenommen", sagt Bäderland-Sprecher Michael Dietel auf stern-Anfrage. "Selbst, wenn die Eltern nur fünf Meter entfernt sitzen, sind viele von ihnen zu sehr mit dem Smartphone oder Tablet beschäftigt." Eltern hätten auch früher schon Bücher oder Zeitschriften gelesen, während ihre Kinder im Schwimmbad waren, doch das Smartphone sei durch die ständige Erreichbarkeit und das uneingeschränkte Surfen im Internet wesentlich gefährlicher. 

Bäderland-Sprecher: "Wir sind keine Kita"

Vergangene Woche lag in einem im Hamburger Stadtteil Blankenese plötzlich eine Fünfjährige reglos im Wasser. Die Mutter hatte die Schwimmhalle für ein kurzes Telefonat verlassen. Niemand hatte das Kind, das nicht schwimmen konnte, im Blick. "Wir sind keine Kita", kritisiert Dietel das Verhalten der Eltern. Viele Eltern seien der Auffassung, dass sie ihre Kinder im Schwimmbad quasi abgeben könnten. Doch die Aufsichtspflicht liegt nicht bei den Schwimmbadbetreibern. Das sei, so der Bäderland-Sprecher, Aufgabe der Eltern. Trotzdem gebe es immer wieder krasse Fälle. Teilweise würden Kinder ohne Eltern an der Schwimmbadkasse stehen. Letztens erklärte ein Kind: "Mama hat gesagt, dass ich vor 19 Uhr nicht nach Hause kommen darf." Solche Fälle verärgern Schwimmbadbetreiber und die zuständigen Bademeister. 

"Wir sprechen deshalb Eltern ganz gezielt an", so Dietel. Außerdem hätte das Schwimmbadpersonal zunehmend auch die Flächen rund um das Schwimmbecken selbst im Auge. Wo halten sich Nichtschwimmer auf? Spielen Kleinkinder am Beckenrand? Doch auch der Umgang mit Eltern ist nicht immer leicht. Viele zeigten sich alles andere als einsichtig. "Wenn wir Kinder zu ihren Eltern zurückbringen und diese darauf hinweisen, dass sie eine haben, kriegen wir häufig einen patzigen Spruch zurück", erklärt Dietel. Viele Eltern seien sich keiner Schuld bewusst und behaupteten, das sie ihre Schützlinge doch im Blick hätten.

"Wir sehen ganz klar die Eltern in der Pflicht"

Wie wollen die Schwimmbadbetreiber das immer größer werdende Problem lösen? "Wir sehen ganz klar die Eltern in der Pflicht", sagt Dietel. "Die brauchen ein Bewusstsein für die Gefahren von Wasser. Gerade bei Kleinkindern müssen die Erziehungsberechtigten immer in unmittelbarer Nähe sein." Auch ein Toilettengang sei keine Ausrede. Wer alleine im Schwimmbad ist und auf die Toilette muss, müsse sein Kind mitnehmen. Deshalb werde der Dialog mit den Eltern gesucht. Auch über die Berichterstattung in Medien soll auf die Gefahr, die Kinder das Leben kosten kann, aufmerksam gemacht werden.

hh