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Bin ich ein Rabenvater?: Warum ich meine Tochter bei sieben Grad in Unterwäsche zur Kita brachte

Der Weg in die Kita ist manchmal lang und beschwerlich. Wenn nicht alles klappt, muss man auch mal zu rabiaten Maßnahmen greifen, findet stern-Autor Malte Mansholt – und fühlte sich trotzdem wie ein Rabenvater.

An schreiende Kinder ist man gewöhnt - zum Glück eskaliert es aber nur selten so sehr (Symbolbild)

An schreiende Kinder ist man gewöhnt - zum Glück eskaliert es aber nur selten so sehr (Symbolbild)

Eigentlich genießen meine Tochter und ich es immer sehr, wenn ich sie in die Kita bringe. Im Alltag kommt es selten vor, in der Regel nimmt meine Frau sie mit, während ich den Schulweg unseres Sohnes übernehme. Der gemeinsame Weg in die Kita ist also etwas Besonderes für uns, entsprechend nehmen wir uns auch Zeit dafür. Bevor ich sie abgebe, lesen wir noch ihr Lieblingsbuch mit der kleinen Hexe Lisbet, meist umringt von anderen Kindern. Dann wird nochmal kräftig in der Hängematte geschaukelt und ich werde fröhlich rausgeschubst. An diesem einen Morgen ist es anders.

Neu ist der Streit an sich nicht, wie so oft geht es um ihre Kleidung. Dass bereits Vierjährige Wutanfälle wegen des falschen Kleides bekommen, war mir früher nicht bewusst. Eine Zeit lang konnte etwa alles gar nicht pink genug sein, "Nein, da sind noch andere Farben, das mag ich nicht" hörten wir viel zu oft. Für die totale Eskalation sorgte aber etwas anderes: Ohne Jeans will die kleine Dame seit einigen Wochen nicht aus dem Haus. Ich habe beim Anziehen an diesem Morgen aber keine. Und die Reaktion fällt entsprechend aus. Unterhemd und Schlüpfer werden noch angezogen, dann geht das Theater los, inklusive Schreien aus voller Kehle und Wälzen auf dem Boden. 

Ohne Jeans geht nichts

Zunächst bleibe ich noch sehr ruhig, erkläre, dass die pinke Lieblingsjeans in der gerade laufenden Waschmaschine steckt. Eine weitere steht vor Dreck, die neue ist leider noch zu groß. Aber mit Rationalität kommt man bei einem weinenden Bündel kindlicher Sturheit nicht weit. Leggins oder Stoffhose sind indiskutabel. "Ich will nur Jeans", fliegt es mir Dutzende Male lautstark um die Ohren.

Nach einer knappen halben Stunde durchgehenden Schreiens bin ich langsam, aber sicher gestresst. Verzweifelte Versuche, die klitschnasse Jeans trocken zu föhnen, scheitern erwartungsgemäß. Draußen herrschen sieben Grad, eine derart klamme Hose anzuziehen, steht also nicht zur Debatte. Immer wieder versuche ich es mit Diplomatie und gutem Zureden. Das Ergebnis ist weiter ohrenbetäubendes Heulen. Sie einfach anzuziehen, scheitert an kräftigen Tritten in Richtung Gesicht.

An einem normalen Morgen ist die Laune bei uns deutlich besser - auch wenn man es meinem Batgirl gerade nicht ansieht

An einem normalen Morgen ist die Laune bei uns deutlich besser - auch wenn man es meinem Batgirl gerade nicht ansieht

Eine Entscheidung muss her

So langsam wird es spät. In knapp zwanzig Minuten muss die Kleine in der Kita sein, dann beginnt das Frühstück. Nach anderthalb Stunden ergebnisloser Verhandlungen - zugegeben mit Durchschnauf-, aber ohne Weinpausen - liegen die Nerven ziemlich blank. Eine Lösung ist nicht in Sicht. Ich muss eine Entscheidung treffen. Das Auto steht gut 80 Meter die Straße hinunter, das sollte gehen, wäge ich ab. Der kurze Weg hinterlässt selbst in Unterwäsche keine bleibenden Schäden. Kurzentschlossen ziehe ich Jacke und Schuhe an, klemme Kleid, Jacke, Socken, Schuhe und eine lila Leggins unter den einen und meine zappelnde Tochter unter den anderen Arm. Und gehe los.

Nachdem wir die drei Stockwerke hinter uns haben, halte ich das erste Mal an und setze sie mir auf dem letzten Treppenabsatz auf den Schoß. "Draußen ist es kalt", erkläre ich ihr ruhig. "Ich kann dich hier kurz anziehen." Kein Erfolg, das Brüllen geht weiter. Also ab nach draußen. Nach wenigen Metern sind die Temperaturen stärker als die Wut. "Mir ist kalt, Papa." Ich biete erneut an, sie anzuziehen. Nicken bei ihr, Erleichterung bei mir. Dann fällt der Blick auf die Hose in meiner Hand. "Neeeeeeeein. Ich will nicht die lila Hose!" Als wäre es die ganze Zeit nur um die Farbe gegangen, beginnt alles von vorne. Unter wildem Zappeln, lautem Gekreische und den irritierten Blicken der Passanten geht es weiter in Richtung Auto.

Alles - außer das was gerade geht

Dort ein neuer Versuch, ein weiteres Scheitern. Lila ist immer noch nicht in Ordnung, ihr ist wieder die Jeans eingefallen. Also schweren Herzens ab in den kalten Kindersitz und anschnallen. Die fünf Minuten Fahrt sind die längsten meines Lebens. Der Lärmpegel im Auto macht jedem Rock-Konzert Konkurrenz, bloß der Genuss fehlt.

Als wir vor der Kita halten, folgt der letzte Versuch im Auto. Kurz wirkt es, als würde sie nachgeben. Erledigt nickt mein kleiner Engel mit den völlig verheulten Augen, will sich endlich anziehen lassen. Doch die Hose ist immer noch die falsche. Noch ist Energie zum Schreien da.

In der Kita - und am Ende

In der Kita geht es weiter. So langsam bin ich mit den Nerven am Ende. Die abwertenden Blicke der Mütter brauche ich gerade überhaupt nicht, aber da muss man wohl durch. Als ich der Erzieherin erkläre, was passiert ist, bin ich vor Verzweiflung langsam den Tränen nahe. Zum Glück reagiert sie voller Verständnis. Und plötzlich hört das Schreien auf.

Schluchzend hält sich meine Kleine an meinem Hals fest. Will nur noch getröstet werden. Nach ein paar Minuten fester Umarmung und beruhigender Worte darf ich sie tatsächlich anziehen - mit den Klamotten, die ich die ganze Zeit mit mir herumtrage. Sogar die lila Leggins wird ohne jede Widerrede akzeptiert. Als wir danach im Kita-Badezimmer kurz ihre Zahnbürste suchen, wirkt sie beinahe wieder wie immer.

Sobald wir das Bad verlassen, ist tatsächlich alles vorbei. Wären die Augen nicht so rot, würde man ihr kaum anmerken, dass sie gerade fast zwei Stunden durchgeschrieen hat. Ich bekomme einen großen Kuss und werde wie gewohnt aus der Kita geschubst. Als ich vor die Tür trete, fällt mir eine gigantische Last von den Schultern. Alles ist gut. Ich völlig am Ende. Und froh, dass so etwas nur die Ausnahme ist. Nächstes Mal wird es wieder schön.

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(