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Magazin: „Sand ist etwas Wunderbares“

Sommerzeit, Strandzeit. Doch wo liegt eigentlich der schönste Strand der Welt? Und welcher Sand eignet sich am besten zum Burgenbauen? Die Antworten kennt Daniel Helber. Schließlich besitzt der 40-Jährige rund 6600 Sandproben aus allen Ecken der Erde.

Der Sandmann: Daniel Helber, 40, Ingenieur aus Denkendorf, sammelt seit 1996 Sand.

Interview: Svenja Hillmann | Foto: Katrin Binner

Was ist so toll an Sand, Herr Helber?
Vieles. Sandkörner sind für mich eben nicht nur kleine Krümelchen, die am Strand herumliegen. Da gibt es zum einen die vielen verschiedenen Farben: blauer, grüner, weißer, gelber Sand. Dann die verschiedenen Formen: klein, groß, rund, eckig, oval. Manchmal findet man Muschel- oder Korallstückchen. Jedes Sandkorn ist ganz individuell – wie eine Schneeflocke. Außerdem ist es schön, sich diese winzigen Stückchen Erde durch die Finger rieseln zu lassen. Ich habe ein kleines Glas, in dem ich aus allen Ländern der Erde ein wenig Sand aufbewahre. So kann ich in gewisser Weise die ganze Welt in einer Hand halten. Ein tolles Gefühl!

Sie besitzen tatsächlich aus jedem Land der Welt etwas Sand?
Genau. Ich besitze insgesamt knapp über 6600 Proben aus allen 193 von den Vereinten Nationen anerkannten Ländern der Erde. Die eine Hälfte ist von mir, die andere habe ich von zwei anderen Sammlern übernommen. Ein Großteil davon stammt aus Deutschland.

Wo lagern Sie so viel Sand?
Ich bewahre den Sand in kleinen Gläsern auf, die wiederum in Plastikkisten stecken, die im Keller von Freunden stehen. Da stören sie keinen. In unserer Wohnung ist einfach zu wenig Platz. Sollte ich aber mal in ein größeres Haus ziehen, würde ich den Sand gern darin ausstellen.

Sandige Geschäfte
Nach Luft und Wasser ist Sand der meistverbrauchte Rohstoff der Welt.
70 Milliarden Euro werden mit dem weltweiten Handel von Schutt und Sand im Jahr umgesetzt.
Sand ist unter anderem für die Produktion von Beton, Glas und Mobiltelefonen unerlässlich.

Wie begann Ihre Leidenschaft für Sand?
Meine erste Sandprobe habe ich am 1. Juli 1996 auf Vancouver Island in Kanada gesammelt. Ich war zuvor drei Wochen alleine mit dem Fahrrad durchs Land gefahren, mehr als hundert Kilometer. Eine irre Tour! Ich war einsam in der Wildnis, kein Mensch weit und breit. Plötzlich stand ein junger Grizzlybär vor mir. Ich hatte eine Riesenangst, dass auch noch seine Mutter auftaucht. Der Bär hat mich aber nur angeschaut und ist dann schnell weggelaufen. Als ich abends in einem Fischerdorf an der Küste ankam, war ich einfach nur erleichtert. Als Erinnerung an diesen wirklich angsteinflößenden, aber auch besonderen Tag habe ich von dort eine Handvoll Sand mitgenommen. Der stand jahrelang allein auf meinem Schreibtisch.

Und wie gesellten sich dann 6600 weitere Proben hinzu?
Freunde von mir sind irgendwann auf die Kanarischen Inseln geflogen. Ich wusste, dass es dort schwarzen Sand gibt. Den wollte ich mir gerne mal genauer anschauen. Ich habe sie also gebeten, mir eine Probe mitzubringen. Danach fingen immer mehr Freunde an, mir von ihren Reisen Sand mitzubringen.

Sie fahren also gar nicht selbst in die unterschiedlichen Ecken der Welt?
Nein, ich kann unmöglich in alle Länder der Welt reisen. Viele Proben kommen von Freunden und Bekannten. Einmal hat mich auch ein Weltreisender über meine Website angeschrieben: Ob er mir von den Pazifikinseln Niue und Nauru Sand schicken solle? Da habe ich natürlich sofort zugesagt. Sechs Monate später habe ich etwa zwei Kilo Sand vom deutschen Zoll übergeben bekommen. Wegen des Verdachts auf Drogenschmuggel wurde er dort festgehalten. Die Versandkosten habe ich dem Absender erstattet.

Sand-Fakten
Die Sahara ist nur zu 1/5 von Sand bedeckt.
Die Größe eines Sandkorns liegt zwischen 0,065 und 2 mm.

Haben Sie eigentlich eine Lieblingsprobe?
Im Moment ist das ganz klar jene, die bei meiner Hochzeit als Glücksbringer auf unserem Tisch stand. Die kommt aus der Nähe von Havanna auf Kuba, woher auch meine Ehefrau stammt.

Und welcher Sand fehlt Ihnen noch?
Es fehlen noch ganz viele. Wenn man einen Strand entlangläuft, sieht der unter Umständen alle 500 Meter völlig anders aus. Der Sand ist mal runder, mal eckiger, mal matter, mal glänzender. Und nicht nur an Küsten, auch im Landesinneren, an jedem Bach, gibt es wieder anderen Sand. Deswegen kann man im Grunde nie aufhören zu sammeln. Es geht immer weiter. Derzeit wünsche ich mir vor allem etwas blauen Sand aus den Sodalith-Minen in Namibia. Der fehlt mir am dringendsten in meiner Sammlung.

Sie besitzen sogar Proben vom Meeresboden. Wie sind Sie an die gekommen?
Ich tauche selbst sehr gerne. Viele der Proben habe ich aus meinen Tauchurlauben mitgebracht. Dabei muss man allerdings aufpassen: Alles, was größer als zwei Millimeter ist, ist geologisch als Stein oder Koralle klassifiziert. Und Koralle darf man auf keinen Fall mitnehmen.

Sie haben aber auch Sand aus mehr als 5000 Metern Tiefe. Den werden Sie wohl kaum selbst gehoben haben, oder?
Das stimmt. Es gibt da einen alten Kapitän im Südpazifik, der mittlerweile in Rente ist. Der hat dort mit seinem Forschungsschiff vor vielen Jahren Bohrungen durchgeführt. Die Proben hat er aufgehoben – und sie mir überraschend geschenkt.

Haben Sie in Ihren Proben eigentlich schon mal irgendwelche Kuriositäten gefunden, außer altem Kaugummi?
Ich habe bisher tatsächlich nur ein einziges Kaugummi gefunden. Viel häufiger stoße ich auf Glassplitter oder Plastikteilchen. Die Menschen werfen das Zeug achtlos in die Gegend und der Müll zersetzt sich nun mal nicht so schnell. Einmal habe ich auch kleine Krabbeltierchen in einer Probe gefunden. Die hatten sich offenbar im Sand vermehrt, die lange Reise zu mir nach Deutschland dann aber nicht überstanden. Am kuriosesten finde ich aber immer die Proben selbst: die Farben, die Formen …

Sprichwörter wie Sand am Meer
Den Kopf in den Sand stecken.
Im Sande verlaufen.
Etwas in den Sand setzen.
Wie Spuren im Sand.

Hand aufs Herz, Herr Helber: Wo befindet sich denn nun der schönste Sandstrand der Welt?
Das ist Ansichtssache. Es gibt so viele schöne Strände. Für mich persönlich war jener auf Vancouver Island sicher der bedeutendste. Das ist vielleicht nicht der schönste Strand der Welt, aber eben einer, der mir sehr in Erinnerung geblieben ist. Ich verbinde mit Stränden nun mal Geschichten. Auf Sumatra bin ich stundenlang mit dem Bus zu einer Orang-Utan-Auffangstation an einem Fluss mitten im Dschungel gefahren. Daran habe ich schöne Erinnerungen – und somit ist jener Strand dort für mich ein schöner Strand.

Wählen Sie Ihre Urlaubsziele denn eigentlich auch danach aus, von wo Ihnen noch eine Sandprobe fehlt?
Nein, ich bin ein ganz normaler Reisender. Klar, wenn ich in die Nähe eines Strandes gelange, schaue ich schon, ob ich nicht kurz einen Abstecher mache, um etwas Sand mitzunehmen. Aber ich suche mir keine Urlaubsziele aus, nur um Sand zu sammeln. So verrückt bin ich dann doch nicht!

Mal ehrlich: Sie können wirklich ganz entspannt am Strand liegen, mit all dem interessanten Sand um Sie herum?
Ich gebe zu, ich gehöre zu den Leuten, die ihre Nase in den Sand halten, ihn sich genau anschauen und auch durch die Finger rieseln lassen. Aber das mache ich nur ganz kurz und ja, danach liege ich ganz entspannt herum. Es ist nicht so, dass ich mir den ganzen Tag Gedanken über Sand machen würde. Das fände meine Frau sicher nicht witzig.

Apropos: Wie hat Ihre Frau denn damals beim Kennenlernern auf Ihre Leidenschaft für Sand reagiert?
Ach, sie fand das ganz interessant. Allerdings ist meine Leidenschaft leider auch sehr zeitaufwendig. Ich musste schon häufiger mal die Wahl treffen: Zeit für meine Frau oder Zeit für den Sand? Deshalb trete ich jetzt auch ein bisschen kürzer. Mein ursprüngliches Ziel, aus jedem Land der Welt eine Probe zu besitzen, habe ich ja schon erreicht. Ich bin zwar stolz auf das, was ich bisher erreicht habe, aber ich habe eben auch noch ein Leben jenseits des Sandes.

Werden Sie Ihre Sandproben irgendwann an Ihre Kinder vererben?
Unbedingt. Sand ist etwas Wunderbares. Wir wachsen doch alle im Sandkasten auf. Noch haben wir zwar keine Kinder, aber meine Nichten zum Beispiel sind auch schon ganz verrückt nach Sand. Die lieben es, mich darin einzubuddeln.

SandProfis
International Sand Collectors Society in Georgia, USA
sandcollectors.org
Verein Deutsches Sandmuseum e. V. in Salzgitter
sandmuseum.de

Es versetzt Ihnen gar keinen Stich, wenn Kinder mit Sand einfach so um sich werfen?
Nein, überhaupt nicht. Das ist doch Kindsein: Kinder essen Sand, backen Sandkuchen, bauen Burgen …

Aus welchem Sand lassen sich die besten Burgen bauen?
Das Problem ist, dass die meisten Sandkörner durch ihre lange Reise rundgeschliffen sind. Kugeln lassen sich aber nun mal nicht so gut stapeln, wie etwa Würfel. Foglich lautet die wichtigste Regel beim Sandburgenbauen: Je gröber und kantiger das Sandkorn, desto besser und fester wird die Burg.

Zu guter Letzt eine Frage, die Kinder gerne mal ihren Eltern stellen, und die Sie – im Gegensatz zu den meisten Eltern – sicher bestens beantworten können: Wie entsteht Sand überhaupt?
Sandkörner waren vor langer Zeit mal Berge. Durch Umwelteinflüsse brechen von diesen Bergen immer mal wieder Teile ab. Diese Steine rollen ins Tal hinunter und landen in einem Fluss, wo sie unter anderem von dessen Strömung abgeschliffen und immer weiter bis ins Meer gespült werden. Auch dort gibt es wieder unzählige Wellenbewegungen und jede Menge Reibung – und zuletzt landen die winzigen, rundgeschliffenen Stückchen als Sand am Strand. Meeressand ist dementsprechend auch viel feiner als Flusssand, da er einen längeren Weg hinter sich hat und stärker geschliffen wurde. Am feinsten ist übrigens Dünensand aus der Sahara oder dem australischen Outback. Vom Land der Aborigines sollte man aber besser keinen Sand mitnehmen. Ihr Sand ist den australischen Ureinwohnern heilig – so ähnlich wie mir meiner.


Dieser Text ist in der Ausgabe 08/16 von Nido erschienen. Hier können Einzelhefte nachbestellt werden. Auf Blendle könnt ihr die Artikel außerdem einzeln kaufen.

Kindesunterhalt für volljähriges Kind ohne Zielstrebigkeit
Mein Kind ist 19 Jahre alt und lebt im Haushalt der Mutter. Es hat im Juli 2017 seine Schule nach der 10. Klasse dann mit Hauptschulabschluss verlassen. Danach wollte es auf einer Berfsfachschule Einzelhandel seinen Realschulabschluss nachholen (2 Jahre). Es besuchte die Schule im ersten Halbjahr nicht wirklich regelmäßig und im zweiten Halbjahr dann so gut wie gar nicht mehr. (zum Ende hin, ist es gar nicht mehr zur Schule gegangen) Das notwendige zweite Jahr ging es dann gar nicht mehr an. Stattdessen hat es sich für ein freiwilliges Soziales Jahr beworben und geht hier mehr oder weniger regelmäßig hin. Nun möchte es das FSJ abbrechen und wieder seinen Realschulabschluss nachholen. Dies soll in Vollzeit an der Volkshochschule geschehen. Zwischendurch ist immer wieder die Rede von verschiedenen Ausbildungen. Ein wirkliches Konzept, oder Interesse ist aber auch hier nicht erkennbar. Mal kommt es mit dem Berufswunsch Tierarzthelfer/In, mal mit Immobilienkaufmann/-Frau, oder Ähnlichem. Informationen über freie Stellen, oder Inhalte des Berufs und der Ausbildung können nicht genannt werden. Bei laufenden Bewerbungen am Ball zu bleiben liegt ihm auch nicht wirklich. Hab die Bewerbung ja hingeschickt, damit soll es dann auch gut sein. Langsam drängt sich mir der Verdacht auf, es sucht sich den bequemsten Weg heraus und verlässt sich auf meine nicht unerheblichen Unterhaltszahlungen. Frei nach dem Motto: Was soll ich mich kümmern, Väterchen muss ja zahlen, solange ich Schule oder Ausbildung mache. Um meinem Kind Anreize zu geben, endlich Zielstrebigkeit zu entwickeln, habe ich schon über die Kürzung bzw. Einstellung des Unterhals nachgedacht. Wie verhält sich das rechtlich, bzw. was kann ich tun?