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Noch Fragen?

Frage Nummer 15814 fabeck23

Ich gehöre zu der seltenen Spezie, der süsser Wein viel besser schmeckt als trockener. Allerdings frage ich mich wie die Süße in den Wein kommt? Wird tatsächlich Zucker beigemischt, oder gibt es andere Verfahren?

Antworten (13)
netter_fahrer
Vielfach, etwa bei schlechten, sonnenarmen Sommern wie 2009, wird "saurem" Most unvergorene, also zuckerhaltige sog. Süßreserve zugegeben.
Normalerweise ist der Zuckergehalt im Wein (Oechsle) natürlich, er entsteht während der Reifung der Trauben. Hefe wandelt während der Reifung von Most zu Wein den Zucker in Alkohol um, je länger man das lässt, um so mehr. Durchgegorene, also Weine ohne Restsüße, sind oft "kratzig" und unharmonischer als Weine mit mehr Süßegehalt. Süße Weine haben mindestens 45g Restzucker pro Liter, trockene Weine nur ein Zehntel davon. Zum Wohl!
Frank Werner
Die Süße kann in der Tat durch Zucker oder anderen süßen Weininhaltsstoffen zustande kommen. Dafür gibt es Richtlinen, du solltest dich auch sehr gut beim Hersteller informieren können. Natürlich aber spielt auch die geschmackliche Umgebung eine serh große Rolle.
Hencholzele129
So selten ist das gar nicht - ich kenne viele die nur süßen Wein trinken. Also generell hat der schon mehr Zucker als trockener Wein, aber auch andere Zusatzstoffe können für mehr Süße sorgen. Schau mal hier ist es sehr gut erklärt.
http://de.wikipedia.org/wiki/Geschmacksangabe_(Wein)
SirLanzelot
Ich glaube, das ist eher ein chemischer Prozess. Zum einen ist die Voraussetzung, dass die Trauben sehr süß sein sollen. Aber was den Wein tatsächlich süß macht, ist wenn die Gärung vorzeitig beendet wird. Das geschieht durch Kühlung. Bei billigen Weinen wird jedoch häufig einfach mit Traubensaft oder Zuckerzusatz gepanscht.
Jonnylo85
Hi fabeck23, ich bin Winzer und angehender Winzermeister :) und naja der "Restzucker" also das was einen Wein süss oder trocken schmecken läßt, sind die nicht vergorenen Frucht"zucker"anteil der Trauben, der nach der Gärung nicht in Alkohol umgewandelt wurde.
Deshalb wird auch nie im Leben ein Eiswein mit 100 und mehr Grad Oechsle trocken ausgebaut werden. Weil sonst der fertige Wein 16% Alkohol hätte. :)
Arlecchino
Da gibt es verschieene Verfahren.

Erst mal, die Umsetzung von Zucker zu Alkohol kommt bei etwa 14 bis 15 % zum Stehen, die Hefebakterien gehen an Ihrem eigenen Dreck, dem Alkohol, zu Grunde. Wenn also ein Wein "süss" ist UND 11 % Alkohol hat, ist da ordentlich Chemie drin, sonst würde der in der Flasche wieder anfangen zu gären. Diese Chemie macht Leuten mit empfindlichem Magen Probleme: "Sodbrennen".

Es gibt keine Weintraube, die so viel Zucker enthält, dass beim Erreichen von 15 % Alkohol noch nennenswert Zucker übrig geblieben ist. Das gibt es trotzdem bei deutschem Eiswein, wo ein Teil des Wassers ausgefroren ist oder bei Wein aus eingetrockneten Trauben "Recioto" aus Italien oder der Tokajer aus Ungarn.

Fortsetzung folgt
Arlecchino
Dann kann man den Gärungsprozess schlicht stoppen, bevor der Zucker aufgebraucht ist, durch Zusatz von reinem Alkohol, Portwein aus Portugal oder der Moscato di Trani aus dem Salento sind Beispiele dafür.

Du musst Dich überhaupt nicht genieren, "süssen" Wein zu mögen, zum Käse oder zur Paté passt nun mal gut ein Portwein oder ein französischer Sauternes. Die Wein-Nationen wie Italien und Frankreich trinken Ihren herben Wein auch nur zum Essen und nicht in geselliger Runde, dazu ist der zu herb und nur was für sehr unerschrockene Naturen.
Musca
@Arlecchino: es ist mal richtig erfrischend, ja es tut gut, vernünftige und qualifizierte Antworten zu lesen. Ps: obwohl ich fast ausschließlich trockene Weine bevorzuge, bei einem guten Lambrusco (das ist kein Schimpfwort !!) sage ich auch nicht nein.
Arlecchino
@ Musca

Wer hat was gegen "süssen" Wein gesagt? Ich bestimmt nicht!
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Der Lambrusco ist als so eine Art italienisches Cola in Verruf geraten, weil es immer noch einen billigeren Hersteller gab, der es noch billiger konnte, aber auch noch es bizzili schlechter. Ähnlich wie der "Kalterer See", so viele Flaschen mit der Aufschrift hätte man nicht mal füllen können, wenn man das Seewasser selber abgefüllt hätte.
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Nur in Deutschland will man von "süssem" Wein nichts mehr hören, in Italia schon, der Moscato d'Asti ist ein Beispiel. Die Firma Gancia ist der Erfinder des Asti Spumate, der im Gegensatz zum Champagner erst mal keinen Zucker braucht, weil die Moscato-Traube genügend Zucker hat. Nur Gancia verkauft NICHT nach Deutschland, weil da keine auskömmlichen Preise zu erzielen sind, und Dreck, der Brummschädel macht, will Gancia nicht unter Ihrem Namen verkaufen !
Musca
@Arlecchino: gut, jetzt haben wir aber genug Werbung betrieben, es sei denn, du lädts alle hier zu einer Verkostung ein
Arlecchino
@ Musca
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Für wen haben wir Werbung betrieben? Für Gancia, der in Germania gar nicht verkauft? A pro pos, es gab und gibt nur einen einzigen Asti-Spumate Hersteller in ASTI, alle anderen sitzen in Canelli. Dann ist für die "Vini di lusso" aus dem Piemonte, also Americano, Vermouth und Spumante Deutschland ein fast unbeschriebenes Blatt. Das ist ein ganzer Genusskontinent, der in Deutschland unbekannt ist.
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Um mal das Ende eines roten Fadens zu veröffentlichen hier ein Videoclip mit Darrell Corti aus Sacramento USA:
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http://www.youtube.com/watch?v=0XLqIYBo5x8
Musca
@Arlecchino: ein Grund mehr, hier mal eine Verkostung zu starten.
Gerdd
Die Braeuche zum "Nachzuckern" von Weinen sind von Land zu Land verschieden, wie auch der Bedarf. In sonnigen Laendern bringen die Trauben oft einfach zu viel Zucker mit fuer interesante Weine. Anderswo wird's ohne oft nur Essig. Im Elsass wird angeblich Zucker nur zugesetzt, um den Alkoholgehalt des Weines zu erhoehen. In Deutschland ist die Restsuesse wieder auf dem Vormarsch.

Fuer mich ist die Frage nicht, ob ich suesse oder trockene Weine mag - ich mag beides, je nach Anlass oder Speisen, zu denen die Weine passen sollen.

Allerdings erwarte ich von einem Wein, dass er "interessant" ist. Bei einem suessen Wein heisst das oft ganz einfach, dass er nicht _nur_ suess sein darf. Eben ein Wein, der im Idealfall mit komplexen Fruchtaromen aufwartet, ob "forztrocken" oder die edelste Auslese oder ein Eiswein.

Angesichts des 1000-Zeichen-Limits verkneife ich mir jetzt den Diskurs darueber, welche Traubensorten zu mehr eigenem Zucker neigen ...